Wegfall der Zuchterlaubnis – und nun?

Seit 1. Mai 2014 braucht man für die Zucht von Papageien und Sittichen keine Zuchtgenehmigung mehr. Das Tierseuchengesetz, in dessen § 17 g die Zuchterlaubnis geregelt war, wurde aufgehoben, bzw. durch das neue Tiergesundheitsgesetz ersetzt, welches eine solche Erlaubnis nicht mehr vorsieht. Die Psittakoseverordnung, die die Ringpflicht von Psittaciden und Vorschriften im Umgang mit der Papageienkrankheit (Psittakose) enthalten hatte, war schon im September 2012 aufgehoben worden.

Was passiert nun? Ist der Wegfall der Zuchterlaubnis der Startschuss für eine ungeregelte maßlose Vermehrung bei Papageienvögeln? Ich glaube nicht.

befiederteFoto: Ein voller Nistkasten – Traum vieler Sittichhalter

Natürlich wird es eine ganze Menge Privathalter, gerade von Wellensittichen, geben, die ihre Tiere “mal brüten lassen” wollen. Ein Hinweis darauf ist ein vermehrtes Interesse an Beiträgen zur Zucht in Internetforen zur Vogelhaltung (z. B. hier), bzw. auch Vorstellungsthreads vom Nachwuchs. Da die Zucht aber immer auch mit Aufwand, viel Schmutz und Nerven verbunden ist, vermute ich nicht, dass dies ein riesiges Ausmaß annehmen wird. Meist ist es auch so, dass gerade diese Privatzüchter die Jungen selber behalten, so dass auch nicht mit einer Überflutung der Tierheime o.ä. zu rechnen ist.

Auf der anderen Seite muss man auch sehen, dass das Interesse an der Vogelzucht in unseren Tagen eher zurückgeht. Die Vereine klagen über Nachwuchsprobleme, viele Züchter, die aufhören, müssen ihre Zucht ganz auflösen, da sich keine Nachfolger in der Familie finden. Gerade diese organisierten Züchter, die oft auch für Ausstellungen gezüchtet haben, haben jährlich sehr große Mengen an Nachwuchs “produziert”. Ob das gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt. Ich wollte damit nur sagen, dass durch die Wohnzimmerzuchten sicherlich nicht der Markt mit Sittichen überschwemmt werden wird.

Von erfahrenen Züchtern hört und liest man oft, dass zur Sittichzucht viel Wissen erforderlich ist, es wird die Befürchtung ausgesprochen, dass jetzt durch ein Draufloszüchten viel Schaden passieren wird, auf Kosten der Tiere.

Nun ja. Natürlich muss man sich unbeding informieren, bevor man seinen Sittichen einen Nistkasten zur Verfügung stellt. Aber mal ehrlich – so schwierig ist die Zucht gerade von australischen Sittichen nun auch nicht. Ehrlicherweise muss man sagen, dass die Vögel ja das Meiste selbst erledigen. Wichtig ist eine gute Versorgung der Elterntiere im Vorfeld der Brut, vor allem der Henne mit Calzium und ein Gewöhnen der Tiere an Weich- und Eifutter. Auch sollte darauf geachtet werden, dass man nur gesunde und kräftige Tiere an den Start schickt und, grob gesagt, man nicht unbedingt Tiere mit denselben rezessiven Erscheinungsbildern miteinander verpaaren sollte (z. B. rezessive Schecken, Albinos). Wenn ein Elternteil ein wildfarbener (normal grüner) Wellensittich oder ein normal blauer ist, kann man hier allerdings wenig falsch machen. Ansonsten sollte man, als in Genetik unbeleckter Züchter, Inzucht vermeiden (in meinen Augen sollte man das generell, aber das ist ein anderes Thema…). Wichtig ist auch noch, einen vernünftigen Nistkasten mit Nistmulde anzubieten.

erstes_eiFoto: Die Nistmulde ist wichtig

Beachtet werden muss auch, dass bei manchen Arten eine Fortpflanzung im Schwarm aufgrund aggressiven Verhaltens in der Brutphase nicht möglich ist, sondern die Tiere in dieser Zeit zu zweit gehalten werden müssen (z. B. bei Wellensittichen, die aber meist nur in Brutstimmung kommen, wenn zumindest ein weiteres Paar noch in Hörweite ist).

Wichtig finde ich noch, dass man beim Feststellen von Krankheitsanzeichen oder Verletzungen einen vogelkundigen Tierarzt aufsucht und nicht erst lange selber herumdoktort. Dies gilt aber auch, wenn man nicht züchtet.

am nistkastenFoto: Wellensittichpärchen sollen zur Zucht in geräumige Zuchtkäfige abgesondert werden

Es ist in der heutigen Zeit kein Problem, sich Infos zur Zucht, z. B. aus dem Internet, zu holen. Da kann ich z. B. diese Seite sehr empfehlen. Ansonsten bekommt man in Internetforen meist mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Das Schöne ist, dass gerade die Neuzüchter, die nun ihren Sittichen die Fortpflanzung ermöglichen wollen, meist mit dem Internet sehr vertraut sind (sonst wüssten sie wahrscheinlich noch gar nix vom Wegfall der Erlaubnispflicht) und auch bereit und interessiert daran, sich zu informieren, da sie ja, wahrscheinlich mehr als mancher Großzüchter, ihre Tiere lieben und an ihnen hängen.

Internet hin oder her, dennoch empfehle ich allen, die vorhaben, ihre Wellis oder Nymphen “mal brüten zu lassen”, im Vorfeld auch mal mit einem “echten” Züchter in der näheren Umgebung Kontakt aufzunehmen und sich die Sache mal live anzugucken. Ob man dann selber alles so übernimmt, sei mal dahingestellt, aber man bekommt zumindest eine bessere Vorstellung und hat dann vielleicht auch jemanden an der Hand, wenn es Schwierigkeiten gibt und z. B. Ammenvögel gesucht werden müssen. Denn genau das könnte in einer kleinen Wohnzimmerzucht mit nur zwei brütenden Paaren schon mal ein Problem sein.

Ansonsten möchte ich jeden ermuntern, der es erwägt, in die Vogelzucht einzusteigen: Es ist ein tolles Hobby! Informiert euch, guckt, dass die Bedingungen stimmen für eure Vögel. Guckt vor allem, dass ihr Abnehmer habt, wenn ihr die Tiere nicht selber behalten könnt.

am pulli (2)Foto: Die Vogelzucht ist ein tolles Hobby!

Verabschieden sollte man sich aber von vorneherein von dem Gedanken, mit der Sittichzucht sein Taschengeld aufbessern zu können. Das wird nämlich nicht funktionieren. Die Sittichzucht ist zwar kein übermäßig teures Hobby, dennoch kostet sie auch Geld, und zwar mehr, als man mit der Abgabe der Tiere erlösen kann. Spätestens wenn man mit einer Henne wegen eines Legedarmvorfalls beim Tierarzt war, wird man mir beipflichten. Aber auch die sonstigen Ausgaben, wenn man es richtig und tierfreundlich gestalten will, schlagen zu Buche. Auch steht die Zeit, die man investiert, in keinem Verhältnis zum Ertrag. Wer Reichtümer erwerben möchte, sollte diese Zeit also möglichst anders einsetzen!

auf hand30 Foto: Die Sittichzucht ist aufwändig

Mein Fazit: Der Wegfall der Zuchterlaubnis ist eine tolle Chance für die Vogelzucht! Ich hoffe sehr, dass diese genutzt und nicht missbraucht wird!

Mehr zum Wegfall der Zuchterlaubnis könnt ihr hier lesen.

Wer sich über die Zucht von Wellensittichen informieren möchte, findet ab August 2015 in diesem Buch kompakte Informationen.

4 Gedanken zu „Wegfall der Zuchterlaubnis – und nun?

  1. Pingback: Wegfall der Zuchterlaubnis ab wann? | PAPAGEIEN-BLOG

  2. Eve

    Das kann ich persönlich nur als große Fehlentscheidung werten. Das Tierleid wird hinter verschlossenen Türen enorme Ausmaße annehmen ohne das es jemand erfährt. Zudem werden Tiere unter der Hand in unerfahrene Hände verscherbelt.
    Unglaubliche Entscheidung!!!!

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