Meine Wellis wollen nicht aus dem Käfig…

Dass Freiflug für Wohnungsvögel sehr wichtig ist, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Zum Einen ist Bewegung wichtig, auch damit die Piepserchen kein Übergewicht bekommen, zum Zweiten ist das Fliegen zur Durchlüftung der Luftsäcke, einem Organ der Vögel, sehr wichtig. Es hat damit indirekt Auswirkungen auf die Gesundheit der Lungen und des gesamten Stoffwechsels.

Viele Halter wollen ihren Sittichen diese gesunde Bewegungsmöglichkeit einräumen. Nur machen die Vögel dummerweise manchmal keinen Gebrauch davon. Viele Wellensittiche bleiben einfach im Käfig sitzen, auch wenn das Türchen rund um die Uhr offen steht. Andere fliegen immerhin auf die Gardinenstange und verbringen dort den Rest des Tages, ohne dass auch nur die kleinste Runde gedreht wird.

Was können wir tun, um die Sittiche zum Verlassen des Käfigs und zum Nutzen der angebotenen Bewegungsmöglichkeiten zu animieren?

Dazu ist es hilfreich, zunächst herauszufinden, warum die Vögel nicht herauswollen. Dafür kann es allerlei Gründe geben. Manchmal, besonders wenn das Käfigtürchen klein ist, checken die Wellis gar nicht, dass es da raus geht.

Wellis im KäfigFoto: Wo gehts denn hier nach draußen?

Hier kann es hilfreich sein, eine kleine “Brücke” zu bauen, z. B. einen Ast, der von innen nach außen (z. B. durch die Gitterstäbe direkt unter dem Türchen) durchreicht. Oder eine Leiter, die über die “Türschwelle” befestigt wird, wenn das Türchen offen ist. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ich hab mal ein Baumwollseil an der dem Türchen gegenüberliegenden Seite im Käfig befestigt und dieses bis raus geleitet und dann draußen am Kletterbaum festgemacht… Da konnten die Wellis dann entlangbalancieren.

Manchmal ist das “Draußen” für die Vögel auch einfach beängstigend. Sie trauen sich nicht aus der vertrauten Umgebung des Käfigs, wo sie sich geborgen fühlen. Hier kann helfen, draußen in unmittelbarer Nähe des Käfigs, also so, dass die Tiere es gut sehen können, vertraute Elemente anzubringen. Indem z. B. eine Lieblingsschaukel, die bisher im Käfig war, dort draußen aufgehängt wird. Oder ein Spielzeug, ein belaubter Ast ähnlich dem, der im Käfig immer so gut ankommt. Oder einfach nur die leckere Kolbenhirse. So ein vertrautes Teil kann den Ausflug erleichtern.

Überhaupt ist es ungemein wichtig, dass es im Zimmer genügend geeignete Anflugstellen für die Wellis gibt. Viele Halter wollen nicht, dass ihre Sittiche die ganze Zeit nur auf der Gardinenstange sitzen, wenn man aber genau guckt, gibt es sonst gar keine passenden Plätze. Zu bedenken ist, dass Wellis, gerade in unbekanntem, also unsicherem Gebiet, gerne hoch sitzen wollen. Spielplätze in Augenhöhe des Menschen, oder gar noch niedriger, sind von daher für erste Freiflüge noch scheuer Tiere absolut ungeeignet. Besser sind dicke Äste, die an der Decke aufgehängt werden. Oder Freisitze, die auf relativ hohen Schränken oben stehen. Am besten ist es, zwei bis drei solcher erhöhten Sitzmöglichkeiten im Zimmer zu schaffen, so dass die Tiere da entsprechend ein bisschen hin und her fliegen können.

IMG_2075Foto: Manchmal suchen sie sich selber einen Platz…

Wenn sich die Freiflieger dann irgendwann im Zimmer sicher fühlen, kann man immer noch Sitzmöglichkeiten in “niedrigeren Regionen” schaffen. Die werden dann mit der Zeit schon auch noch angenommen!

Wenn die Wellis ganztägig Freiflug haben, ist es am besten, wenn man jegliches Spielzeug und Beschäftigungsmöglichkeiten außerhalb des Käfigs, am besten im Zimmer verteilt, anbringt, so dass das Sitzenbleiben im Käfig langweilig und wenig attraktiv ist. Das Leben spielt sich draußen ab!

Auch wenn man die Sittiche eigentlich nicht außerhalb des Käfigs füttern sollte, damit sie, wenn sie hungrig werden, wieder problemlos in den Käfig zurückgehen, kann man übergangsweise  im Zimmer die Plätze, auf die man die Wellis locken will, mit Kolbenhirse oder einer anderen Leckerei dekorieren. Wenn die Vögel diese Plätze dann erst mal akzeptiert haben, stellt man diese Fütterung natürlich wieder ein.

Seil für WellisFoto: Die Kolbenhirse hat die Wellis angelockt (Vorsicht, Wäscheklammern können gefährlich sein!)

Ein weiterer Punkt ist, dass paarweise gehaltene Wellensittiche meist nicht übermäßig aktiv sind, vor allem nicht, wenn sie schon zwei oder mehr Jahre auf dem Buckel haben. Wenn es die Platzverhältnisse zulassen, ist es daher immer ratsam, wenigstens vier Wellis gemeinsam zu halten. So ein Kleinschwarm ist wesentlich lebhafter, mutiger und neugieriger als ein Paar. Da ist viel mehr Leben in der Bude!

Wenn Wellensittiche trotz mehrerer schöner Anflugstellen im Zimmer dennoch immer nur einen Platz anfliegen, kann man sich damit trösten, dass schon ein paar Meter fliegen immer noch besser ist, als gar nicht fliegen. Keinesfalls die Freiflugmöglichkeit einschränken, nach dem Motto: Die fliegen ja eh kaum!

Wenn sie gar nicht aus dem Käfig wollen, muss man vielleicht einfach noch ein bisschen Geduld haben. Auf keinen Fall sollte man die Vögel aus dem Käfig scheuchen oder herausfangen. Wenn das Zimmer wellifreundlich und attraktiv für die Tiere eingerichtet ist, werden sie sich eines Tages schon heraustrauen!

 

2 Gedanken zu „Meine Wellis wollen nicht aus dem Käfig…

  1. wellifreund

    Meine Wellensittiche 2 Männchen. Einer der beiden hat mal die Käfigtür selber aufgemacht und ist rausgeflogen. Irgendwann bin ich dann gekommen und war so erschrocken dass ich meinen Frraund gebeten habe ihn mit einem Handtuch einzufangen. Währenddessen hatte der Welli so einen Schock und zwitscherte dem anderen die ganze Zeit entgegen. Seitdem trauen sich die Wellis seit 2 Wochen nicht mehr aus dem Käfig. Was soll ich jetzt tun ?

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    1. sittichschwarm Artikelautor

      Geduld haben, das wird schon wieder! Und künftig nicht mehr mit dem Handtuch einfangen! Spätestens wenn er Hunger hat, geht er von alleine in den Käfig zurück.

      Antworten

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