Hilfe, meine Wellensittiche wollen nicht mehr in den Käfig!

Dass Freiflug für Sittiche wichtig ist, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Viele Vogelhalter gönnen ihren Schützlingen jedoch deshalb keine Flugstunden im Zimmer, weil sie Angst haben, die Tiere nachher nicht mehr in den Käfig oder in die Voliere zurück zu bekommen. Diese Angst muss nicht sein, wenn man ein paar grundlegende Dinge beachtet:

1. Die Vögel müssen ihren Käfig kennen und mögen

Hm, können Vögel ihre Käfige mögen? Wo sie doch darin eingesperrt sind? Wenn sie wissen, dass sie bald wieder für viele Stunden raus dürfen, schon. Wenn sie wissen, dass es dort leckeres Fressen gibt, dass sie dort ihren Durst stillen können, dass dort interessante Spielsachen angeboten werden, dann schon. Nur, das müssen die Vögel erst einmal lernen. Wer sich ein Paar Wellensittiche kauft und sie noch am selben Tag in der Wohnung fliegen lässt, muss sich nicht wundern, wenn die Tiere nicht mehr “nach Hause” finden. Sie kennen ihren Käfig und dessen Position im Zimmer noch gar nicht.

IMG_2781Foto: Im Käfig sollen sich die Sittiche wohl fühlen

Viele Züchter oder Zoohändler empfehlen deshalb, die Vögel erst nach vier Wochen im Zimmer fliegen zu lassen. Dies wiederum finde ich eine zu lange Zeit. Vögel müssen fliegen, um gesund und fit zu bleiben. Sittiche lernen darüber hinaus auch schnell. Sie brauchen keine vier Wochen, um zu begreifen, wo ihr Käfig steht, und dass es dort Futter gibt. Das lernen sie in wenigen Tagen. Ich würde daher den Wellensittichen fünf bis sieben Tagen nach ihrem Einzug das Käfigtürchen zum ersten Mal öffnen. Bei vielen Vögeln gibt es dann zunächst mal dieses Problem. Oftmals nutzen sie aber auch das offene Türchen, um von dort aus nochmal einen ausgiebigen Blick durch das ganze Zimmer zu werfen, bevor sie sich dann irgendwann trauen, loszufliegen.

mimiauftuerFoto: Von der Käfigtür aus wird ein Blick durchs Zimmer geworfen

Möglich, dass die ersten Flugversuche noch nicht so gut gelingen. Oft ist noch nicht bekannt, wo man bequem und gefahrlos landen kann. Dies wird aber in aller Regel schnell herausgefunden und es bilden sich Lieblingssitzplätze. Diese werden dann manchmal gar nicht mehr verlassen…

Spätestens, wenn die Vögel Hunger bekommen, werden sie sich aber an ihren Futternapf erinnern und sich auf den Weg dorthin machen. Deshalb ist es wichtig, normalerweise niemals außerhalb des Käfigs Futter anzubieten.

Wichtig ist darüber hinaus, dass die Voliere so ansprechend eingerichtet ist, dass sich die Sittiche auch darin nicht langweilen müssen, z.B. dadurch, dass frisches Knabberholz zur Verfügung steht. Dies sollte aber nicht solange die Tiere draußen sind, neu angebracht werden, da die Vögel sonst möglicherweise aus Angst vor den neuen Ästen nicht in den Käfig zurückkehren.

IMG_2306Foto: Haselnusszweige sind ein beliebtes Beschäftigungsmaterial

2. Der Käfig muss gut anzufliegen, das Türchen gut zu finden sein.

Oftmals landen die Sittiche beim Rückflug zum Käfig auf der Käfigoberseite und man hat den Eindruck, dass sie das Türchen nicht mehr finden. Dies kann besonders bei kleinen Käfigtürchen schon ein Problem sein. Günstig ist da zum Beispiel ein Käfig, der sich auch oben öffnen lässt.

Papageien im Wohnzimmer GegenlichtFoto: Manche Käfige lassen sich auch oben öffnen

Hilfreich kann es sonst auch sein, wenn man als Einstieghilfe einen Ast oder ein Seil vor dem Türchen anbringt, auf welchem der Vogel außerhalb des Käfigs gut landen kann und auf dem er wie auf einer Brücke in den Käfig gelangt. Ähnliches wurde ja bereits als Ausstieghilfe im oben verlinkten Beitrag zum Problem mit den Käfighockern beschrieben.

3. Die Vögel müssen wissen, dass die Käfigtür bald wieder aufgeht.

Wenn man nach der Rückkehr in den Käfig für die nächsten drei Wochen eingesperrt bleibt, wird man natürlich künftig nicht mehr gerne da hinein gehen. Wenn hingegen klar ist, dass der nächste Freiflug bald wieder ansteht, ist das anders. Um dies den Sittichen zu verdeutlichen, kann man am Anfang zu dem Trick greifen, dass man kurz nach dem Schließen des Türchens dieses einfach wieder aufmacht, auch auf die Gefahr hin, dass die inzwischen satten Vögel dann zunächst mal nicht so schnell wieder zurück gehen. Auf die Dauer zahlt es sich aus, da die Vögel mehr und mehr die Gewissheit bekommen, dass die Tür bald wieder aufgeht. Aus diesem Grund dürfen die Sittiche auch nie “zur Strafe” in den Käfig gesetzt werden.

4. Ruhe bewahren, auch wenn es mal nicht so schnell klappt!

Ein großer Fehler, der oft gemacht wird, ist, dass man die Vögel zu einem bestimmten Zeitpunkt, meist abends vor dem Schlafengehen, unbedingt im Käfig zurück haben möchte. Wenn die Vögel von alleine nicht reingehen, werden dann manchmal zu Maßnahmen gegriffen, die für die Vögel verstörend sind und mehr schaden als nützen. Z. B. wird versucht, die Vögel in den Käfig zu scheuchen oder sie einzufangen und zwangsweise in den Käfig zu befördern. Im Notfall kann so etwas schon mal erforderlich sein. Normalerweise sollte man jedoch einfach Ruhe bewahren, wenn die Tiere mal abends einfach nicht reingehen wollen, weil der Hunger vielleicht einfach noch nicht groß genug ist, die Tiere müde sind oder weil sich noch keine festen Gewohnheiten gebildet haben. In den allermeisten Fällen schadet es gar nicht, die Vögel einfach außerhalb der Voliere übernachten zu lassen. Auch wir Menschen kommen nicht um, wenn an diesem Abend das Zimmer mal nicht gelüftet werden kann. Oft kehren die Tiere dann am nächsten Tag ohne größere Umstände wieder in ihr Vogelheim zurück.

Bei Nacht stellen die Vögel auch nicht viel an, aufpassen muss man höchstens, wenn sie tagsüber mal nicht rein gehen und man weg muss. Da sollte dann das Zimmer vogelsicher gemacht werden, also keine Giftpflanzen, keine Gefäße mit Flüssigkeit, keine offen liegenden Kabel und natürlich keine offenen Fenster. Viele Dinge hat man im Zimmer ja sowieso bereits berücksichtigt, wenn dort frei fliegende Wellis unterwegs sind, da sie ja auch unter Aufsicht schnell mal was anstellen können.

Wenn wir diese vier Hinweise beherzigen, wird sich schnell eine Routine herausbilden, dass die Tiere tagsüber fröhlich ihre Flugstunden nutzen und zu den Ruhezeiten bzw. zu den Fresszeiten von alleine wieder in die Voliere gehen.

Viele Sittiche lernen aber auch, auf die Hand oder aufs “Stöckchentaxi” zu gehen und lassen sich auf diese Weise bequem in die Voliere zurückbefördern, wenn die oben beschriebenen Voraussetzungen stimmen.

IMG_2265Foto: Viele Sittiche lassen sich bequem auf der Hand transportieren

Was hier beschrieben ist, gilt im Übrigen nicht nur für Wellensittiche, sondern genauso für Nymphensittiche, Bourkesittiche, Ziegensittiche und die meisten anderen Sittiche und Papageien. Alle Vögel brauchen ihre Flugstunden und sollten daher nicht als reine Käfigvögel gehalten werden!

2 Gedanken zu „Hilfe, meine Wellensittiche wollen nicht mehr in den Käfig!

  1. Bettina Huber

    Guten Tag!

    Ich habe eben diese Problem gerade dass meine Bourksittiche vom Aussenvoiliere nicht mehr rein gehen..
    Habe das jetzt zwar gelesen dass man sie draussen lassen kann aber wenns jetzt so kalt ist, der Wind geht auch zeitweise durch , nicht dass sie sich erkälten wenn sie gerade noch nicht rein wollen. lg

    Antworten

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