Hilfe, mein Sittich hat ein Ei gelegt!

Ungewollte Eier, Dauerlegen, Dauerbrutigkeit, für viele Sittichhalter ein Problem. Besonders Ziegensittiche neigen dazu, aber auch alle anderen hier vorgestellten Sittiche können betroffen sein.

Was tun bei ungewollt brutlustigen Sittichen?

Es gibt ein paar Regeln, bei deren Beachtung man die Brutlust eindämmen kann. Diese leiten sich von der Tatsache ab, dass die Tiere in der freien Natur dann zur Brut schreiten, wenn die Lebensbedingungen gut sind, also z. B. direkt nach der Regenzeit, wenn es viel frisches Futter gibt, was gut zu verfüttern ist (z. B. halbreife Grassamen).

IMG_2214Foto: Keimfutter steigert die Brutlust

Wenn wir also etwas karger füttern, täuschen wir schlechte Zeiten vor, die für eine Brut nicht geeignet sind. Der Körper der Tiere reagiert entsprechend. Karges Futter bedeutet für unsere australischen Sittiche, dass lediglich Körnerfutter angeboten wird, und zwar in ausreichender Menge. Karg füttern bedeutet nicht hungern lassen! Je nach Intensität der Brutlust kann man einmal pro Woche zur Vitaminversorgung etwas Frischfutter reichen. Oder man greift auf ein Mutlivitaminpräparat zurück und bestreut das Körnerfutter ab und zu z. B. mit Korvimin oder Prime.

Bei unseren südamerikanischen Katharinasittichen können wir das Frischfutter nicht so stark einschränken wie bei den Australiern, da Kathis einfach einen höheren Frischkostanteil in der Ernährung haben müssen. Aber wir können von zuckerreichen Obstsorten auf Gemüse (z. B. Fenchel, Stangensellerie) oder auf getrocknetes Obst oder Gemüse (z. B. getrocknete Beeren) umstellen. Auch hier können wir die Menge etwas zurückfahren und dafür auf künstliche Vitamine zurückgreifen. Grundsätzlich bin ich zwar mehr für natürliche Vitamine, aber zur Senkung der übersteigerten Brutlust muss man diesen Kompromiss vielleicht manchmal eingehen.

Eine weitere Maßnahme zur Eindämmung der Brutlust ist das Verkürzen der Tageslichtlänge. Um den Tieren “Winter” vorzutäuschen, sollte der Tag nicht viel mehr als 10 Stunden haben. Das heißt, wir machen zum Beispiel morgens um 8 Uhr die Rolläden im Vogelzimmer auf und Nachmittags um 18 Uhr wieder runter. Wer Kunstlicht benutzt, kann auch mit einer Zeitschaltuhr arbeiten, was für berufstätige Halter, die schon früh aus dem Haus müssen, praktisch sein kann.

Hilfreich kann auch das Absenken der Temperatur im Vogelzimmer um einige Grad sein.

Diese Maßnahmen lassen sich natürlich schwer umsetzen, wenn die Voliere der Vögel im Wohnraum steht. Da müssen sich sonst vielleicht auch die Menschen auf nicht ganz so kuschelige Temperaturen im Wohnzimmer einstellen. Zum Verdunkeln kann man den Käfig abends mit einer leichten, undurchsichtigen Decke abdecken.

Auch helfen kann, wenn man bei Vögeln, die regelmäßig mit einer Blumenspritze abgeduscht werden, dies einstellt, um eine Trockenzeit vorzutäuschen. Entsprechend kann man die Badeschale kassieren und nur noch Trinkwasser in einem kleinen Napf anbieten. Wenn Tiere nicht regelmäßig geduscht werden, kann im Gegenteil ein Abduschen mit nur leicht lauwarmem Wasser den Bruttrieb senken. Also hier muss man ein bisschen individuell probieren, was besser ist.

Ganz wichtig ist, dass man keine Gegenstände in Reichweite der Tiere hat, die als Bruthöhlen benutzbar sind. Denn Bruthöhlen steigern den Bruttrieb ungemein. Das heißt, dass aber auch wirklich alles aus der Reichweite der Vögel entfernt werden muss, was auch nur im entferntesten an eine Bruthöhle erinnert, also nicht nur Nistkästen, sondern auch Korkröhren und sogar Spalten im Bücherregal.

IMG_3693Foto: Nymphensittich sucht Bruthöhle

Katharinasittiche, die Schlafhäuser oder ähnliches als Rückzugsmöglichkeit benötigen, dürfen nur solche Häuschen bekommen, die nicht umseitig geschlossen sind. Solche offenen Schlafhäuser kann man zum Beispiel aus einem Häuschen ohne Boden aus dem Nagerbedarf leicht selbst herstellen. Dazu bringt man das Häuschen an der Volierenwand an und befestigt innen einen Naturast zum Sitzen der Tiere. So können die Sittiche in dem Häuschen übernachten, mangels Boden kann jedoch keine Brut zustandekommen. In einem Vogelzimmer sind selbst Schlafkästen nicht unbedingt erforderlich, wenn es gelingt, den Katharinasittiche andere Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen, z. B. hinter belaubten Ästen.

Hilfreich ist auch, die Tiere abzulenken und ihnen viel Beschäftigung zu bieten. Hier sind Beschäftigungen vorzuziehen, die mit Bewegung verbunden sind, z. B. Fliegen oder Klettern. Nagen kann kontraproduktiv sein, da dies gerade bei Wellensittichen oder Bourkesittichen den Bruttrieb erst auslösen kann. Dies bezieht sich vor allem auf das Nagen an Rindenstücken etc. Frische Äste wecken nach meiner Erfahrung keinen Bruttrieb und versorgen die kärger gefütterten Tiere mit zusätzlichen Mineralien, die unter der Rinde sitzen. Eine sehr gute Beschäftigungsmöglichkeit ist, die Tiere ihr Futter erarbeiten zu lassen, indem z. B. Gemüse an verschiedenen Plätzen in der Voliere aufgehängt wird und somit angeflogen und bearbeitet werden muss.

Apfel1Foto: Katharinasittich mit Apfel und Karotte

Soll man, wenn ein Ei gelegt wurde, einen Nistkasten anbieten?

Manchmal wird empfohlen, wenn eine Henne in der Voliere ein Ei fallen lässt, dieser einen Nistkasten zur Verfügung zu stellen. Sie soll dann leichter legen und keine Legenot bekommen. Fakt ist aber, dass, wenn die Henne bereits ein Ei in der Voliere fallen gelassen hat, sie offenbar ohnehin leicht legt und Legenot kein Problem darstellt. Ein Anbieten eines Kastens trägt dann zur Steigerung des Bruttriebs bei. Wenn die Henne das Ei auf dem Volierenboden ignoriert, sollten wir es daher einfach entfernen und die genannten Maßnahmen einleiten. Es ist auch nicht sonderlich schlimm, besorgniserregend oder bedenklich, wenn eine Henne ab und zu ein Ei fallen lässt, sondern völlig natürlich. Es zeigt, dass sich das Tier in guter Kondition befindet und sich wohl fühlt. Man sollte dann nur darauf achten, dass die Henne genug Kalzium und Vitamin D 3 bekommt. Kritisch wird es erst, wenn eine Henne wochenlang jeden zweiten Tag ein Ei legt und sich dies auch durch die genannten Maßnahmen nicht ändert. In einem solchen Fall sollte man die Strategie ändern, ebenfalls wenn die Henne versucht, die Eier auf dem Volierenboden zu bebrüten. Es kann in solchen Fällen tatsächlich helfen, die Tiere einige Zeit auf Kunststoffeiern brüten zu lassen.

BrütendFoto: Bourkesittichhenne brütet auf Kunststoffeiern

Spätestens nach vier Wochen, wenn der Schlupftermin überschritten ist, verlassen die Hennen dann meist von alleine ihr Gelege. Bei den auf dem Käfigboden brütenden Tieren kann man direkt dort die Eier gegen Kunststoffeier austauschen. Bei der dauerlegenden Henne, die den Eiern keine Beachtung schenkt, kann tatsächlich das Zurverfügungstellen eines Nistkastens das Dauerlegen stoppen, indem eine Brutphase an die Legephase anschließt. Im Nistkasten legt die Henne nur so lange, bis das Gelege vollständig ist (meist 6 Eier) und beginnt dann zu brüten. Auch hier müssen natürlich die Eier gegen Kunststoffeier ausgetauscht werden, wenn man keinen Nachwuchs möchte. Sind keine Kunststoffeier zur Hand, kann man die gelegten Eier auch kurz abkochen, auf Körpertemperatur abkühlen lassen, kennzeichnen (Bleistift) und wieder zurücklegen. Wichtig ist zu wissen, dass normalerweise jeden zweiten Tag ein Ei gelegt wird. Es muss also regelmäßig kontrolliert werden und neu dazugekommene Eier ebenfalls ausgetauscht oder abgekocht werden.

IMG_4663Foto: Wellensittichei in einem Karton

Wenn die Hennen direkt nach dem Aufgeben des Geleges wieder zu legen anfangen und sich weiterhin nicht stoppen lassen, sollte man einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen, der noch andere Maßnahmen ergreifen kann, z. B. Hormongaben.

Manche Halter denken auch, dass es hilft, die Vögel mal ein Gelege ausbrüten zu lassen. Dies ist aber ein Trugschluss. Im Gegenteil, Sittiche, die bereits erfolgreich Jungtiere groß gezogen haben, sind meist sehr viel schneller wieder in Brutstimmung.

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