Sperlingspapageien oder Katharinasittiche?

Sperlingspapageien und Katharinasittiche sind sich rein optisch recht ähnlich, so dass an einer Vogelhaltung Interessierte, denen diese Vögel vom Aussehen her gefallen, oftmals schwanken, für welche der beiden Papageienarten sie sich entscheiden sollen. Da diese Vögel außer der Optik wenig gemeinsam haben, möchte ich hier eine kleine Gegenüberstellung machen, die zur Entscheidungsfindung dienen kann.

Der größte charakterliche Unterschied ist, dass Sperlingspapageien (insbesondere Blaugenicksperlingspapageien, die in der Haustierhaltung überwiegend vorkommen) sehr streitsüchtig sind und auch schnell mal aggressiv werden, während Katharinasittiche sehr friedliche Tiere sind. Kathies lassen sich daher sehr gut in einem Schwarm halten, sogar eine Koloniebrut ist möglich. Eine Vergesellschaftung von Katharinasittichen miteinander ist im Normalfall keine große Sache, wenn man es nicht überstürzt.

Kathar2Foto: Katharinasittiche im Schwarm

Anders bei Sperlingspapageien. Diese hält man am besten als Paar, da bei zwei Paaren miteinander meistens die Fetzen fliegen, was bis zu schwersten Verletzungen bei einzelnen Tieren führen kann. Hat man drei Paare und eine genügend große Voliere (ab 2 qm Grundfläche), kann es dann wieder gut gehen, da sich die Aggressionen besser auf die verschiedenen Tiere verteilen. Gute Beobachtung ist jedoch stets erforderlich, um die Tiere im Ernstfall trennen zu können. Dies kann insbesondere dann passieren, wenn welche brutlustig werden.

IMG_1426Foto: Blaugenick-Sperlingspapageien

Auch ist die Vergesellschaftung von Sperlingspapageien nicht immer ganz einfach. Selbst wenn bei einem Paar ein Partner stirbt und man dem Hinterbliebenen ein neues Tier zugesellen will, geht dies nicht unbedingt auf Anhieb gut. Die Vögel sind sehr wählerisch. Kommen bisherige Paare mit anderen Sperlis in Kontakt, zum Beispiel bei der Aufstockung zu einem Schwarm, s.o., kann es sein, dass Umverpartnerungen stattfinden, da der erste, mehr oder weniger zwangsweise zugeteilte Partner, doch nicht so das Nonplusultra war. Dies kann natürlich große Unruhe in einem Schwarm verursachen, insbesondere wenn der bisherige Partner den wechselwilligen nicht hergeben möchte. Man sieht: Es ist ähnlich kompliziert wie bei manchen Großpapageien und man braucht viel Geduld, Platz und Nerven, und manchmal auch die Bereitschaft, ein vorhandenes Tier wieder umzutauschen, um glücklichere Paarungen zu ermöglichen.

Dies gilt wie gesagt für Blaugenick-Sperlingspapageien. Von Augenring-Sperlingspapageien heißt es, dass diese friedlicher sind. Dies ist richtig, hier funktioniert manchmal schon ein Kleinschwarm mit zwei Paaren, viel Platz auch hier vorausgesetzt. Auch die Vergesellschaftung ist einfacher. In manchen Fällen ist es allerdings so, dass der Stress, der sich bei den Blaunacken durch Aggression entläd, bei den Augenringen ein anderes Ventil sucht. So werden diese Tiere, wenn ihnen die Haltungsbedingungen nicht zusagen, schnell zum Rupfer.

gerupftFoto: Diese Augenring-Sperlingspapageien haben sich am Bauch kahl gerupft

Auch eine Schwarmhaltung mit anderen Vögeln klappt wenn, dann bei Augenring-Sperlingspapageien. Blaugenick-Sperlingspapageien sollte man möglichst nicht mit anderen Vögeln gemeinsam halten. Selbst gemeinsamer Freiflug in der Wohnung kann zum Problem werden.

Katharinasittiche hingegen kann man gut mit anderen friedlichen Vögeln gemeinsam halten, auch in der gleichen Voliere. Diese sollte jedoch dann möglichst groß sein, also mehrere qm Grundfläche ausweisen. Gut klappt eine Haltung mit manchen Spitzschnäbeln, z. B. mit Zebrafinken oder Kanarien, oder mit anderen friedlichen Sittichen, wie mit Nymphen- oder Bourkesittichen. Auch eine Gemeinschaftshaltung mit Wellensittichen gelingt oft. Wenn es hier Probleme gibt, liegt dies in der Regel an den Wellensittichen, da die manchmal einfach recht frech sind. Bei einer Gemeinschaftshaltung sollten Katharinasittiche daher möglichst in der Überzahl sein.

Nicht oft genug hinweisen kann man darauf, dass bei einer Gemeinschaftshaltung mehrerer Vogelarten unbedingt jedes Tier einen arteigenen Partner haben muss!

schmusenFoto: Ein arteigener Partner ist Pflicht (hier: Katharinasittiche beim Schmusen)

Auch von der Ernährung her unterscheiden sich Sperlingspapageien und Katharinasittiche grundlegend. Sperlis sind keine Obstpapageien, sie erhalten ein gutes Körnerfutter und nur ab und an zur Ergänzung etwas Obst oder Gemüse, welches oft genug gar nicht angenommen wird. Mit viel Geduld und immer wieder anbieten kann man sie dazu bringen, Apfel, Karotte, frisch gesammelte Gräser, oder ähnliches, zu probieren. Auch bei den frischen Zweigen, normalerweise ein willkommenes Ergänzungsfutter, greifen die Sperlis nicht immer gleich zu. Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass Tannenzweige, frisch oder getrocknet, gerne angenommen und fein geschreddert werden.

Bei Katharinasittichen hingegen sollte die tägliche Ernährung zu 50 % aus Obst, Gemüse und Grünfutter bestehen. Damit einher geht dann auch der weichere Kot und auch ein größerer Reinigungsaufwand aufgrund geschredderter Obstreste. Dies verleitet viele zukünftige Vogelhalter dazu, sich für Sperlingspapageien zu entscheiden, mit der Vorstellung, dass diese kaum Arbeit machen. Das ist natürich Quatsch, denn auch die kleineren, festeren Häufchen der Sperlis können nicht einfach weggefegt werden, sondern müssen meistens eingeweicht und mit Wasser weggeputzt werden und diese fallen natürlich auch beim Freiflug in der Wohnung an. Teppichboden ist daher bei beiden Arten, überhaupt bei Papageienvögeln in der Wohnung, nicht sinnvoll. Auch herumfliegende Futterhülsen, Federn und Obstreste in kleinerem Ausmaß gilt es zu entfernen. Somit ist bei beiden Arten ein Entfernen von Kotbomben nach dem täglichen Freiflug sowie eine wöchentliche gründliche Grundreinigung der Voliere Pflicht. Dabei sind die Kotbomben der Katharinasittiche schon deutlich größer. Auch sollten die Obstreste der Kathis jeden Tag entfernt werden, damit sie nicht gammelig werden. Frisches Obst, Gemüse oder Grünfutter ist täglich anzubieten. Dies bedeutet, dass Katharinasittiche unterm Strich mehr Arbeit verursachen.

TürkisiFoto: Katharinasittiche brauchen täglich Frischfutter

Zahm werden können beide Arten, vor allem wenn sie jung zum neuen Halter kommen und dieser sich ausgiebig mit ihnen beschäftigt. Von ihrem Naturell her sind Sperlingspapageien allerdings eher schreckhaft, während Katharinasittiche von Natur aus eher die Coolen sind, da sie eine geringe Fluchtdistanz haben. Dies macht das Zähmen leichter, da man sich ihnen von Anfang an, z. B. mit Leckerchen, gleich besser annähern kann. Wenn die Sperlis gleich bei der ersten Ansicht meiner Hand in die Volierenecke flattern, haben sie gar keine Chance, die Kolbenhirse zu entdecken. Dazu kommt noch, dass sie wesentlich weniger verfressen sind. Oftmals fällt es schon schwer, ein Superleckerchen zu identifizieren, wenn sie neben ihrem täglichen Körnerfutter wenig Lust auf mehr haben. Katharinasittiche hingegen sind recht verfressen, beschäftigen sich viel mit der Nahrungsaufnahme und probieren auch eher mal etwas unbekanntes. Es fällt nicht schwer, die Leibgerichte herauszufinden. Viele sind z. B. ganz scharf auf Apfel oder andere Obstsorten. Meist kann man sie recht schnell mit Futter auf die Hand locken.

Klar ist aber, dass es immer auch auf das einzelne Tier ankommt, ob es zahm wird oder nicht. Manche Vögel werden nie zutraulich, bei anderen geht es verhältnismäßig schnell. Dies gilt sowohl für Sperlingspapageien als auch für Katharinasittiche, wobei die Chance, zahme Tiere zu bekommen, bei Katharinasittichen nach meiner Erfahrung um einiges besser ist.

Was die optische Ähnlichkeit angeht, muss man dies einschränken, was die Größe betrifft. Katharinasittiche sind doch um einiges größer als Sperlingspapageien. Während ein ausgewachsener Sperlingspapagei zwischen 32 und 35 Gramm auf die Waage bringt und etwa 12 bis 13 cm lang ist, sind es bei Katharinasittichen zwischen 50 und 60 Gramm bei einer Länge von 16 bis 18 cm. Eine geräumige Voliere brauchen beide Arten, da sie gerne fliegen und daher Platz brauchen. Sperlingspapageien werden diesbezüglich oft falsch eingeschätzt und sind vielmals in zu engen Käfigen untergebracht.

grünscheckeFoto: Sperlingspapageien sind zwar klein, brauchen aber dennoch viel Platz

Von der Lautstärke her haben Sperlingspapageien das leisere Organ. Katharinasittiche haben lautere Stimmen, die sie jedoch selten erschallen lassen. Meistens nur kurz in den Morgen- und dann erst wieder in den Abendstunden, aber ebenfalls nur einige wenige Minuten. Sperlingspapageien bekommen schon auch mal tagsüber Streit und schnattern dann wie die Spatzen! Manche Leute bezeichnen die Schreie der Sperlingspapageien als schrill, das empfinde ich jedoch nicht so. Ich halte beide Arten für verhältnismäßig leise, reihenhauskompatible Vögel. Sperlingspapageien sind dabei etwas leiser als Wellensittiche, Katharinasittiche bewegen sich in etwa auf Welli-Niveau, während sie, wie gesagt, tagsüber kaum zu hören sind. Hält man die Tiere jedoch mit anderen Vögeln, z. B. mit Wellensittichen, kann es sein, dass sie sich an diesen ein Beispiel nehmen und dann auch öfter zu hören sind.

Von der Nagefreudigkeit her kann man sich über die kleinen Sperlingspapageien manchmal nur wundern. Sie können durchaus auch größere Schäden z. B. an Holzmöbeln, Wänden, o.ä. anrichten, insbesondere die Blaugenick-Sperlingspapageien. Augenringsperlingspapageien sind da etwas zurückhaltender, aber auch generell nicht so aktiv.

001Foto: Augenring-Sperlingspapageien sind ruhige Gesellen

Katharinasittiche haben keinen großen Nagetrieb und begnügen sich mit frischen Ästen, die man ihnen regelmäßig anbieten sollte, von denen dann auch gerne die Rinde abgefressen wird. Holz von Möbeln o.ä. hingegen finden sie meist völlig uninteressant.

Türkisi2Foto: Katharinasittiche sind keine großen Nager

Welches sind nun also die besseren Haustiere?

Das kommt ganz auf die Bedürfnisse des Halters an. Sucht man Vögel, die leicht zahm werden, sollte man meines Erachtens eher auf Katharinasittiche zurückgreifen. Auch wenn einem ein geringer Nagetrieb wichtig ist. Möchte man pflegeleichte Vögel haben und z. B. nicht jeden Tag Obst füttern müssen, liegen Sperlingspapageien nahe. Vor allem dann, wenn man nur ein Paar halten möchte. Will man dagegen einen kleinen Schwarm, ist das mit Kathies einfacher.

Tolle Haustiere, kleine Kletterkünstler, neugierig und interessant zu beobachten, sind beide. Wer plant, sich welche anzuschaffen, sollte in Erwägung ziehen, die gewünschte Art mal bei einem Züchter oder Halter in Natura anzuschauen. Denn so “live” kann man sich doch ein besseres Bild machen als nur im Internet.

Und letztlich sollten bei der Auswahl nicht nur die Bedürfnisse des Halters im Vordergrund stehen, sondern vor allem die Bedürfnisse der Vögel. Wem kann ich besser gerecht werden?

 

 

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