Aymaras fressen

Warum Aymaras?

Ja, warum Aymarasittiche? Warum Aymaras und nicht z. B. Wellensittiche?

Es kommt natürlich immer ganz auf die Vorlieben des Halters an, und welche Haltungsbedingungen er gewähren kann, für welche Sittiche man sich entscheidet. Hier möchte ich Aymarasittiche im Vergleich zu anderen Sitticharten darstellen, um eine Entscheidungshilfe zu geben.

Aymarasittiche vs. Wellensittiche

Beim Vergleich der Aymaras mit Wellensittichen fällt auf, dass sie leiser sind als Wellensittiche, und auch nicht die ganze Zeit am Brabbeln. Aymarasittiche sind ausgesprochen leise Sittiche und daher auch für die Haltung in Etagenwohnungen geeignet.

Von der Größe her sind sie den Wellensittichen ganz ähnlich, vielleicht sogar ein Tick kleiner. Aymarasittiche sind begeisterte Flieger, klettern aber auch gerne, genau wie ihre australischen Verwandten. Wer den Platz hat, hält die Sittiche am besten frei fliegend in einem Vogelzimmer oder in einer großen begehbaren Voliere, gerne mit Außenvoliere. Eine Käfighaltung ist nur anzuraten, wenn die Tiere tatsächlich den überwiegenden Teil des Tages im Freiflug verbringen können.

Aber Vorsicht, denn auch wenn Aymarasittiche nicht ganz so nagefreudig sind wie Wellensittiche, kann doch auch passieren, dass sie mal ein Buch, eine Gardine, o.ä. anknabbern.

Während sich Wellensittiche leicht vergesellschaften lassen, muss man bei Aymaras diesbezüglich etwas aufpassen, da sie sehr territorial sind. Insbesondere, wenn man von einer Paarhaltung auf einen Kleinschwarm aufstocken möchte, sollte man besser nicht nur ein, sondern gleich zwei Paare dazu nehmen, denn die Haltung zweier Paare kann problematisch sein (kann allerdings auch gut gehen, wie bei mir in einer 3 x 3 m Voliere so schon praktiziert, allerdings wurden da gleichzeitig vier Jungvögel eingesetzt, die beim Züchter schon zusammen waren). Ein Kleinschwarm mit sechs oder mehr Tieren ist dann wieder problemloser möglich und zeigt das gesamte reiche soziale Verhaltensrepertoire der Tiere. Voraussetzung ist natürlich ausreichend Platz. Grundsätzlich muss man es langsam und vorsichtig angehen, wenn man zu einer bestehenden Gruppe Tiere dazusetzen möchte.

Sowohl Wellensittiche als auch Aymarasittiche sind relativ kälteresistent und können in einer Außenvoliere gehalten werden, vorausgesetzt, es ist ein Schutzhaus angeschlossen, welches auch im Winter frostfrei gehalten wird (> +5° Celsius). Dies gilt natürlich nur für Tiere, die ausreichend früh im Jahr an eine Außenvolierenhaltung gewöhnt wurden. Vögel im November aus Wohnungshaltung in eine Außenvoli umzusetzen, funktioniert nicht.

Ein großer Unterschied zwischen den beiden Sitticharten ist, dass Aymarasittiche als Südamerikaner in Schlafkästen übernachten wollen. Wellensittichen bietet man nur Kisten an, wenn sie Brüten sollen. Auch Aymaras sind, wie alle anderen Papageienvögel auch, Höhlenbrüter. Will man nicht, dass sie durch die Schlafkästen in Brutlaune geraten, muss man dafür sorgen, dass es darinnen nicht zu wohlig warm wird und nicht zu dunkel ist, indem man z. B. bei einem Nistkasten einfach den Deckel ein Stückweit aufstehen lässt (und entsprechend in dieser Stellung arretiert).

Aymarasittiche werden leicht zahm

Zahm werden können sowohl Wellis als auch Aymaras. Meiner Erfahrung nach sind Aymaras unerschrockener und aktiver als Wellis und daher besser zahm zu bekommen. Es gibt kaum ein Aymarasittich, der nicht nach einer gewissen Zeit für Futter auf die Hand kommt. Natürlich hängt der Grad der Zahmheit dann immer auch vom einzelnen Tier ab, und von der Geduld und dem Zeiteinsatz des Halters.

Intelligente Aymarasittiche

Es ist ein bisschen schwierig, allgemeine Beurteilungen über die Intelligenz anderer Lebewesens abzugeben. Ich bin jedoch der Meinung, dass Aymarasittiche für ihre geringe Größe überdurchschnittlich intelligent sind und zumindest den Wellensittich weit übertreffen. Meiner Meinung nach steht dies damit im Zusammenhang, dass Aymarasittiche Ihren Fuß zum Greifen einsetzen, was viele andere kleine Papageienvögel wie die kleinen australischen Sittiche (Wellensittiche, Bourkesittiche, Grassittiche, etc.) oder auch Sperlingspapageien nicht tun.

Aymara HandeinsatzFoto: Aymarasittiche benutzen ihren Fuß zum Greifen

Aymarasittiche vs. Springsittiche

Vergleichbar sind Aymarasittiche von daher mit den etwas größeren Springsittichen, die ebenfalls ihren Fuß als Greifhand einsetzen und nach meiner Erfahrung zu den intelligenten Sittichen gehören. Aymarasittiche sind dabei nicht ganz so hyperaktiv wie diese, machen nicht ganz so viel Dreck und zeigen ein interessanteres Partner- und Schwarmverhalten. Während Springsittiche weniger die körperliche Nähe ihrer Artgenossen suchen, “kuscheln” sich Aymarapaare gerne aneinander und treiben auch ausgiebig Gefiederpflege oder sogar gegenseitige Pediküre. Springsittiche sind dafür ähnlich territorial wie Aymaras und lassen sich nicht immer so ganz leicht vergesellschaften.

Ein augenfälliger Unterschied zwischen Aymaras und Springsittichen ist, dass sich Aymarasittiche sehr lange mit etwas beschäftigen können, während Springsittiche relativ hyperaktiv sind und schnell vom Einen zum Anderen fliegen oder hüpfen. Aymarasittiche können gefühlt stundenlang Nadeln von einem Tannenast wegzupfen oder Grasbüschel zerrupfen, an einem Ast die Rinde wegpulen oder ähnliches. Sie sind meist erst zufrieden, wenn nichts mehr geht.

Darüber hinaus verursachen Springsittiche einen höheren Reinigungsaufwand als Aymaras, da sie in ihrem Futter scharren und dazu neigen, dies im ganzen Raum zu verteilen. Beim häufigen Baden wird dazu die Umgebung komplett durchnässt. Auch Frischfutter wird gerne in der gesamten Voliere oder gar Wohung herumgeschleudert. Hier muss man sehr aufpassen, dass es nicht zu Schimmelbildung kommt und daher stets hinterher sein. Aymarasittiche baden, wenn überhaupt, eher selten und ihr Baden ist nicht mit so viel Spritzen verbunden. Gefressen wird relativ diszipliniert. Es gibt Reste um die Näpfe herum, aber nicht wesentlich weiter.

Katharinasittiche vs. Aymarasittiche

Ebenfalls einen höheren Reinigungsaufwand verursachen Katharinasittiche, da sie sehr große und weiche Kothäufen absetzen. Der Kot des Aymarasittichs ist zwar nicht ganz so klein und so trocken wie der eines Wellensittichs, aber auch nicht wesentlich größer und lässt sich mit einem feuchten Tuch ganz gut von Möbeln entfernen, oder, nachdem er getrocknet ist, von Teppichen etc. pflücken.

Ansonsten sind sich Kathies und Aymaras, beides südamerikansiche Sittiche, recht ähnlich, zumindest in ihren Lautäußerungen und in der Art, sich zu bewegen. Beide klettern gerne einen Fuß vor den anderen setzend einen Ast entlang und sitzen manchmal auch recht ähnlich vorgebeugt.

Apfel1Foto: Katharinasittiche sitzen gerne vorgebeugt

Auch Katharinasittiche brauchen Schlafhäuser, bei ihnen kann man jedoch einfach ein unten offenes Holzhäuschen aus dem Nagerbedarf verwenden und eine Sitzstange innen anbringen. Das käme den Aymarasittichen nicht entgegen, da diese tatsächlich gerne auf einer flachen Fläche liegend schlafen.

Bourkesittiche vs. Aymaras

Bourkesittiche sind von Natur aus wesentlich scheuer und schreckhafter und nicht so neugierig und verspielt wie Aymaras. Auch die sozialen Interaktionen zwischen den Vögeln sind weniger, sie sind somit auch zum Beobachten nicht ganz so interessant wie ihre südamerikanischen Verwandten.

Bourkesittiche sind dämmerungsaktiv, das heißt, sie sind morgens sehr früh auf und abends erst mal nicht müde. Dies kommt berufstätigen Haltern sehr entgegen. Man kann Aymarasittiche jedoch durch entsprechende Belichtung und Verdunkelung gut daran gewöhnen, morgens länger zu schlafen oder abends länger wach zu bleiben. Über die Mittagszeit haben sie, wie viele andere Papageienvögel auch, eine Ruhephase, die dann entsprechend länger ausfällt. Aymarasittiche ziehen sich in der Mittagszeit manchmal sogar in ihre Schlafhäuser zurück, um dann gegen abend noch mal so richtig aufzudrehen.

Sperlingspapageien vs. Aymarasittiche

Diese beiden Vogelarten sind sich von der Größe her relativ ähnlich, wobei die Aymaras durch ihre langen und recht üppigen Schwanzfedern natürlich größer wirken.

Sperlingspapageien haben die härteren Schnäbel, was bei einem Biss sehr unangenehm sein kann. Obwohl sie den Zusatz “Papageien” in ihrem Namen tragen, setzen sie im Gegensatz zu den Aymaras ihren Fuß nicht zum Greifen ein. Sie sind von der Intelligenz her nach meiner Einschätzung in etwa auf der Stufe der Wellensittiche und können mit den Aymaras und Springsittichen nicht ganz mithalten (bitte nicht falsch verstehen: Auch Wellensittiche und Sperlingspapageien sind, im Vergleich zu vielen anderen, sehr intelligente Tierarten!).

Sperlingspapageien sind von Natur aus recht schreckhaft und als erwachsene Tiere aus Volierenhaltung ohne viel Menschenkontakt kaum zahm zu bekommen. Bei den neugierigen und unerschrockeneren Aymaras fällt dies viel leichter.

Von den Geräuschen her sind die Sperlinge ähnlich leise wie die Aymaras, vielleicht einen Tick lauter.

Auch Sperlingspapageien sollte man entweder als Paar oder in einem Kleinschwarm von mindestens drei Paaren halten. Das ist bei Aymarasittichen ganz genau so.

Aymarapaar frisstFoto: Aymarasittiche kann man gut zu zweit halten

Aymarasittiche vs. Nymphensittiche

Nymphensittiche sind wesentlich lauter als Aymaras, das ist sicherlich der augen- oder besser ohrenfälligste Unterschied. Ansonsten sind die Nymphies wesentlich friedlicher und leichter zu vergesellschaften. Es können bei ihnen normalerweise problemlos auch zwei Paare gemeinsam gehalten werden. Ansonsten sind Nymphensittiche nicht so quirlig wie Aymaras und nicht für Menschen geeignet, die mit Staub Probleme haben, denn das Gefieder der Nymphensittiche sondert große Mengen Gefiederstaub ab. Dies führt natürlich auch zu einem größeren Putzaufwand.

Großpapageien vs. Aymaras

Aymarasittiche, obwohl so klein, weisen einige Gemeinsamkeiten zu größeren Papageienarten auf. Hier ist zuerst der Einsatz des Fußes wie einer Hand zu nennen. Auch die kleinen Aymarasittiche benutzen, wie ihre großen Verwandten, ihren Fuß zum Greifen von Gegenständen oder Futterstücken. Ich weiß nicht, ob es tatsächlich daher kommt, aber ich vermute es, dass sie den “Großen” daher an Intelligenz nicht viel nachstehen. Aymarasittiche sind daher gut fürs Clickertraining geeignet, man kann ihnen relativ leicht kleine Tricks und ähnliches beibringen.

Auch was die Territorialität anbelangt, stehen die Kleinen den Großen um nichts nach. Aymarasittiche verteidigen schon mal ihr Revier gegen Eindringlinge, weshalb man bei einer Vergesellschaftung klug vorgehen muss. Das Gute dabei ist, dass sie Eindringlinge zwar scheuchen, aber selten wirklich verletzen. Vergleicht man ihre Schnäbel mit denen eines Großpapageis muss man sich schon überlegen, welches Tier man sich ins Haus holt, insbesondere wenn Kinder da sind.

kaputt2Foto: Selbst die kleinen Mohrenkopfpapageien haben große und scharfe Schnäbel

Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass Aymaras zwar klein sind, aber in meinen Augen eine echte Alternative zu größeren Papageien, da sie wesentlich leichter zu halten sind als diese.

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