Bourkesittich 67

Bourkies Extras

Es gibt nicht so wahnsinnig viele Unterschiede in der Haltung, was Bourkesittiche, Wellensittiche und Nymphensittiche anbelangt. Daher können die allgemeinen Hinweise zur Haltung auch für die Bourkesittiche herangezogen werden. Aber so ein paar kleine Extras gibt es doch.

Zunächst zum Thema Anschaffung. Es geht ja nicht nur darum, ob uns die Vögel gefallen, die wir uns anschaffen, sondern auch, ob es den Vögeln bei uns gefällt. Da haben Bourkesittiche durch ihre Dämmerungsaktivität besondere Ansprüche an ihre Halter. Die Familie, bei der die Mutter den ganzen Tag durchs Haus wirbelt und Kleinkinder ständig am Schreien sind, ist für Bourkies denkbar ungeeignet, zumindest dann, wenn die Voliere sich mitten im belebten Wohnbereich befindet. Sie brauchen tagsüber einfach eine Zeitlang ihre Ruhe. Ob das von 10 bis 13 Uhr oder von 13 bis 16 Uhr ist, ist letztlich zweitrangig, da können sie sich darauf einrichten. Aber irgendwann muss die Ruhephase einfach sein. Sobald die Kinder in der Schule sind und die Mutter einer Halbtagsbeschäftigung nachgeht, ist es also schon besser. Die Vögel werden sich angewöhnen, in den ruhigen Vormittagsstunden ihre “Mütze Schlaf” zu nehmen. Wenn die Familie dann um 13 Uhr zum Mittagessen zusammen kommt, dösen sie vielleicht noch eine Weile vor sich hin, und auch während der Hausaufgabenzeit werden sie vielleicht noch nicht so besonders aufdrehen, aber danach kann es dann losgehen!

Für ganztags Berufstätige sind Bourkesittiche als Heimtiere bestens geeignet. Da die Anschaffung eines Kleinschwarms oder zumindest eines Paars Pflicht ist, sind die Tiere tagsüber nicht alleine. Sie werden ihren Beschäftigungen nachgehen bzw. eine lange Ruhepause pflegen und sind abends, wenn Frauchen und Herrchen auch zu Hause sind, fit und agil, freuen sich über Bespaßung oder lassen sich jedenfalls gut beobachten.

Welche Geschlechter vertragen sich?

Das ist nach meiner Erfahrung beim Bourkesittich relativ egal, da es sehr friedliche Sittiche sind. Für die Vögel ist es natürlich schöner, wenn sie als “echtes Paar” gehalten werden und nicht zwei Hähne und zwei Hennen. Wobei die Hähne wesentlich lebhafter sind als die Weibchen. Hat man nur Hähne, hat man daher vielleicht einen eher hyperaktiven Haufen, während bei einem reinen Weiberschwarm alles etwas ruhiger abgehen wird.

Bourkesittich 29Foto: Am besten hält man ein “echtes Paar” (links Hahn rechts Henne)

Die Hähne sind bei den Bourkesittichen das “dominante Geschlecht”. Wenn es bei den friedliebenden Vögeln mal Streitereien geben sollte, was gerade während der Brutzeit durchaus mal der Fall sein kann, dann sicherlich zwischen den Hähnen. Wenn genügend Platz da ist, dass sich die Streithähne aus dem Weg gehen können, ist das meist aber nicht kritisch.

Lebenserwartung

Bourkesittiche können 15 Jahre oder älter werden. Die meisten werden bei bester Gesundheit zumindest über 10 Jahre. Sie werden somit deutlich älter als Wellensittiche. Dies hängt sicher auch damit zusammen, dass sie noch nicht so überzüchtet sind wie diese. Von daher muss man gespannt sein, was die Zukunft bringt, denn die Zuchtaktivitäten beim Bourkesittich werden ständig mehr. Es gibt immer mehr Mutationen und Kombinationen. Der Ehrgeiz der Züchter wächst, geht momentan von blauen hin zu grünen Bourkesittichen. Ob dies für die Gesundheit und Robustheit der Sittiche so zuträglich sein wird, bleibt abzuwarten.

Bourkesittiche sind bis ins hohe Alter hinein zuchtfähig.

Vergesellschaftung mit anderen Vogelarten

Bourkesittiche sind friedlich. Von seiten der Bourkies steht daher einer Vergesellschaftung mit anderen Arten nichts entgegen. Sie können somit theoretisch mit allen anderen friedlichen Vogelarten vergesellschaftet werden. Theoretisch deshalb, da man ja auch die Dämmerungsaktivität der Tiere bedenken muss. Sicherlich können sich Vögel mit verschiedenem Tagesrhythmus zu einem gewissen Grad aufeinander einstellen. Gerade andere australische Sittiche wie Wellis oder Nymphen haben ebenfalls in den Mittagsstunden eine gewisse Ruhephase, wo sie gerne dösen. Gegen Abend werden auch sie dann wieder munterer.

Ich halte eine Gemeinschaftshaltung dann für vertretbar, wenn die Voliere groß genug ist, so dass für die Vögel Rückzugsmöglichkeiten geschaffen werden können (Achtung: Keine Nistmöglichkeiten, wenn keine Zuchtabsicht besteht!). Rückzugsmöglichkeiten, die von den Bourkesittichen in den Mittagsstunden genutzt werden können, aber auch abends von den anderen Vögeln, wenn diese schon Ruhe brauchen und die Bourkies noch munter sind. Da reichen schon z. B. belaubte Äste. Eine andere Möglichkeit ist, die verschiedenen Sitticharten in verschiedenen Volieren zu halten und nur beim Freiflug in der Wohnung zusammen kommen zu lassen.

Die Voliere

Bourkesittiche sind keine großen Kletterer, im Gegensatz z. B. zu Wellis. Sie bewegen sich mehr fliegend fort, oder laufen auf dem Boden. Es ist daher noch mehr als bei Wellensittichen erforderlich, dass die Voliere geräumig ist und ein paar Flügelschläge ermöglicht. Zudem ist natürlich bei Wohnungshaltung ein mehrstündiger Freiflug im Zimmer jeden Tag Pflicht. Die Voliere für zwei oder vier Bourkesittiche sollte wenigstens 1,60 m breit sein. Geeignet ist somit die “Madeira double”, die zahlreiche Händler wie auch Fressnapf und Dehner in ihrem Verkaufsprogramm haben. Noch schöner ist z. B. diese Voliere. Da muss man aber natürlich schon ein bisschen länger sparen. Eine Alternative ist, eine Zimmervoliere selbst zu bauen. Da Bourkesittiche kaum nagen, kann man die tragenden Elemente aus Holz wählen und auch z. B. eine Zimmerwand als Rückwand benutzen. Dies geht auch aufgrund der Tatsache, dass Bourkies recht pflegeleichte, schnell trockene Häufchen machen. Bei Sittichen mit höherem Obstanteil in der Ernährung und damit flüssigerem Kot (z. B. Ziegensittichen, Katharinasittichen) würde ich davon abraten, oder die Wand abwaschbar herrichten. Zum Reinigen des Volierenbodens kann man, ähnlich wie bei den gekauften Volieren, Kotschubladen einbauen. Oder man macht die Voli so groß, dass man selber rein kann, und ausfegen!

Bei einem kleineren Käfig sollten Bourkesittiche Dauerfreiflug im Zimmer haben. Dazu muss das Zimmer natürlich vogelsicher gemacht werden. Über mögliche Gefahrenquellen habe ich auf der Seite “Beschäftigung” unter dem Punkt “Freiflug” bereits berichtet (runterscrollen!). Da Bourkesittiche wenig Nagetrieb haben, ist die Einrichtung nicht übermäßig gefährdet. Dennoch sollten Stromkabel für die Vögel, wenn sie unbeaufsichtigt sind, nicht zugänglich sein. Falls sie ansonsten doch mal irgendwo anfangen sollten, sich am Mobiliar zu vergreifen, kann man sie in der Regel mit frischen Ästen leicht wieder davon abbringen.

Gut geeignet sind Bourkesittiche auch für die Haltung in einem Vogelzimmer.

Was man jedenfalls bei einer Volierenhaltung nicht zu machen braucht, ist, die Voliere mit allen möglichen Kletterspielsachen vollzuhängen. Bourkies sind, wie schon erwähnt, eher Flieger als Kletterer, von daher ist es kontraproduktiv, ihnen den Flugraum mit Krimskrams zu verbauen. Ein paar Naturäste als Landemöglichkeiten links und rechts, gerne auch über Eck, vielleicht noch eine Schaukel, und gut. Viel mehr Sinn macht es, den Volierenboden ansprechend zu gestalten.

Bourkesittiche halten sich wie gesagt sehr gerne auf dem Boden auf, daher ist auf den Volierenboden ein besonderes Augenmerk zu richten. Zum Einen in puncto Hygiene. Wichtig ist, dass ein Bereich geschaffen wird, der normalerweise frei von Kot ist, indem darüber keine Sitzmöglichkeiten angebracht sind. In diesem Bereich sollte man die Vögel anleiten, sich überwiegend aufzuhalten. Dies erreicht man leicht dadurch, indem man in diesem Bereich den Boden besonders attraktiv gestaltet, z. B. durch ein Sandbad, ausgestreute Sämereien, etc.

Bourkie boden 2Foto: Bourkesittiche halten sich gerne auf dem Boden auf

Beim Freiflug in der Wohnung muss man zudem darauf achten, dass den Vögeln der Aufenthalt auf dem Boden nicht zum Verhängnis wird. Jedes Familienmitglied muss sich angewöhnen, auf seine Schritte zu achten und auch beim Öffnen von Türen Vorsicht walten zu lassen (was man eh tun muss, wenn man frei fliegende Vögel in der Wohnung hat!).

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