Vom Ei zum Bourkesittich

Fotoreihe und Videos über die Brut und das Aufwachsen von Bourkesittichküken

Die Zucht von Bourkesittichen gelingt relativ leicht. Da die Vögel nicht sehr aggressiv sind, ist in einer ausreichend großen Voliere meist auch eine Koloniebrut möglich. Dennoch sollte die Zucht nicht von Laien ohne ausreichende Kenntnisse und ohne ausreichende Vorbereitung der Zuchttiere probiert werden. Als Nichtzüchter kann man leicht mit den doch immer wieder auftretenden Problemen überfordert sein. Um aber allen zu ermöglichen, dennoch einmal einen Einblick ins Brutgeschehen und die Kükenaufzucht zu nehmen, habe ich diese Seite erstellt. Ich werde den diesjährigen Zuchtverlauf auf dieser Seite dokumentieren, wer Lust hat, kann den Fortgang hier verfolgen.

Zunächst wurden die Nistkästen aufgehängt. Die Vögel zeigten sofort großes Interesse:

Nistkasten 1

Bereits am anderen Tag war ein lebhaftes Balzen des einen Bourkesittichhahns zu beobachten, indem er sich mit abgespreizten Flügeln der Henne näherte. Auch ein Partnerfüttern konnte festgestellt werden:

So schnell geht das! Unterstützend wird jetzt Weichfutter angeboten, damit die Tiere merken, dass für eine Kükenaufzucht genügend geeignetes Futter zur Verfügung steht.

Bis sich die Paare tatsächlich für einen Nistkasten entschieden haben, vergehen ein paar Tage. Ich biete in einer Voliere von ca. 7 m x 3 m sieben Nistkästen an, bei vier Bourkesittichpaaren. Wichtig ist vielleicht noch zu betonen, dass alle Tiere in der Voliere blutsfremd sind, so dass es keine Inzucht geben kann. Es zeichnete sich schnell ab, wie sich die Paare zusammengefunden haben. Zum Teil habe ich sie bereits als feste Paare bekommen. Bourkesittiche sind, im Gegensatz zu Wellensittichen, ausgesprochen monogam und bleiben normalerweise mit dem einmal gefundenen Partner lebenslang zusammen.

Auch wenn Bourkesittiche als relativ friedlich gelten, ist es wichtig, bei Koloniebrut genügend Platz zu haben, so dass sich die Paare aus dem Weg gehen können und vor allem genügend attraktive Nistkästen anzubieten, so dass es keine Streitereien gibt. So konnte ich beobachten, dass einer der Bourkesittichhähne die anderen Vögel zu jagen begann. Ihn habe ich mit seiner Partnerin dann abgesondert. Die anderen drei Paare haben sich friedlich nach einigem Hin und Her jeder auf einen Brutkasten geeinigt. Aggressionen waren zwischen diesen sechs Vögeln nicht zu beobachten.

Kolonie9Foto: Die Nistkästen werden einträchtig inspiziert

 Witzig ist, dass das allein sitzende Paar keine Anstalten macht zum Brüten, während die drei anderen Paare alle drei damit begonnen haben. Die Hennen sind nicht mehr zu sehen, sie sitzen dauerhaft im jeweiligen Nistkasten. Die Männer sind mit der Nahrungsaufnahme und mit dem Füttern der Hennen beschäftigt, ansonsten scheinen sie auch immer ein bisschen miteinander im Gespräch zu sein :-).

Bourkesittich beim brütenBourkesittichhenne beim Brüten

 Als Brutzeit werden für Bourkesittiche 18 bis 21 Tage angegeben. Dies hängt immer ein bisschen mit davon ab, ob die Henne gleich direkt nach dem ersten Ei fest brütet. Bei mir haben die Hennen erst nach dem zweiten Ei fest gebrütet.

brütende BourkiehenneBrütende Bourkesittichhenne

 Um zu kontrollieren, ob die Eier befruchtet sind oder nicht, kann man sie mit einer Schierlampe durchleuchten:

unbefruchtet2Hier sehen wir deutlich ein unbefruchtetes Ei. Was zu sehen ist, ist lediglich das Eiklar und der Dotter. Wenn das Ei befruchtet wäre, würde man Blutgefäße sehen. Das Ganze ist dann auch wesentlich undurchsichtiger, roter und dunkler. Wenn man ein unbefruchtetes Ei öffnet, sieht das auch nicht viel anders aus als bei einem Hühnerei:

unbefr.Zum Spiegelei machen lohnt es bei der Größe aber nicht!

Hier ist ein Foto eines befruchteten Eies:

befruchtetWenn die Eier befruchtet sind, ergibt sich beim Blick in den Nistkasten normalerweise irgendwann dieses Bild:

bourkesittiche kükenHier sind zwei Küken zu sehen, das linke ist zwei Tage alt, das rechte ist ganz frisch geschlüpft. Bourkesittichküken haben, wie man sehen kann, einen dichten Flaum. Sie sehen eher aus wie Pelztiere als wie Vögel!

Meine Henne wollte bei der nächsten Kontrolle die Küken gar nicht verlassen. Ich habe sie ein bisschen zur Seite geschoben und konnte sehen, dass das dritte Küken ebenfalls geschlüpft war. Die beiden größeren waren ebenfalls wohlauf, waren also gefüttert worden. Bourkesittichküken piepen in diesem Stadium noch nicht so, wie ich es von Wellensittichen oder auch Mohrenkopfpapageien gewohnt bin, daher kann man akkustisch das Wohlergehen der Jungen nicht beurteilen, sondern muss tatsächlich immer gucken, dass man einen Blick darauf werfen kann.

mutter mit jungenAuf dem Foto sieht man links das größere Küken, rechts sieht man den Kopf des kleineren. Das frisch geschlüpfte ist unter der Mutter und nicht zu sehen. Ein Klick aufs Bild sorgt für eine Vergrößerung, man sieht dann auch deutlich beim linken Küken den gefüllten Kropf. Beim rechten kann man das Köpfchen in der Vergrößerung natürlich auch besser erkennen!

Hier das Foto einen Tag später:

Küki3Wer genau hinschaut, kann in dem Haufen drei kleine Bourkesittichküken identifizieren!

Ein Tag später sehen die Kleinen dann schon so aus:

Wer ganz genau hinschaut, kann erkennen, dass das kleinste der Küken rote Augen hat, es handelt sich bei diesem Tier somit um ein Ino, wie die Mutter!

Hier auf diesem Foto, ein paar Tage später, kann man die roten Augen besser erkennen:

Bourkesittichküken InoAuf dem nächsten Foto sind ist das älteste Küken eine Woche alt:

Bourkieküken 1 WocheAuf diesem Foto sieht man auch eine andere Sache, für die die Bourkesittiche berühmt-berüchtigt sind: Sie sauen ihren Nistkasten ganz ordentlich ein! Andere Papageienvögel sind da zum Teil wesentlich reinlicher! Das Gute ist,dass meine Henne einen Teil der Holzspäne im Kasten belassen hat, so haben sich die Hinterlassenschaften mit der Späne zu richtigen “Matten” verbunden, die ich einfach entnehmen konnte. Anschließend habe ich neue Holzspäne ins Nest gegeben. Eine Sache von zwei Minuten und die Kükis haben es wieder sauber und trocken! Es ist immer ein bisschen spanend, wie die Mütter auf Veränderungen reagieren, aber in dieser Hinsicht sind Bourkies pflegeleicht und so hat auch hier die Henne keinerlei Anstoß am gereinigten Zuhause genommen!

Nach neun oder zehn Tagen beginnen die Küken dann die Augen zu öffnen:

Bourkesittich 8 Tage Nun kommt so langsam auch die Zeit, die Vögelchen zu beringen!

Wenn die ersten Federchen sprießen, kann man als alter Wellensittichzüchter schon mal ein bisschen erschrecken: So viel rot ist bei Wellensittichen ein Zeichen von Blut, gerupften Küken. Bei Bourkesittichen hingegen ist es völlig normal.

1411178Foto: Wenn die ersten Federn sprießen, sehen die Küken, je nach Farbschlag, rötlich aus

Auch blaue Federchen kommen dann bald zum Vorschein:

1411176Außer natürlich bei dem Rubino-Küken:

1411176 (2)Hier habe ich ein Video von einer Nistkastenkontrolle zum Zweck des Kontrollierens, ob die Ringe an den Füßchen geblieben sind. Wenn man die Tiere nämlich zu früh beringt, kann es passieren, dass die Ringe wieder abfallen. Hier sind sie dran geblieben:

Irgendwann brechen dann auch die Schwungfedern durch:

1411203Und bald darauf sieht das Federkleid schon richtig gut aus:

1411221Dieser kleine Spatz ist gerade mal drei Wochen alt. Vom Fliegen natürlich noch einiges entfernt und auch noch ein bisschen flaumig. Aber man sieht ganz schön schon die fertigen Schwungfedern.

Mit dreieinhalb Wochen sieht er dann noch mal ein bisschen “fertiger” aus:

14112821Und mit vier Wochen dann die Überraschung:

1411301Das erste kleine Vögelchen ist ausgeflogen und schaut noch ganz bedröppelt in die neue, große und helle Welt! Voll befiedert und auch schon fähig zu fliegen! Ein bisschen ungeschickt noch, von daher ist dies eine gefährliche Zeit. Schnell fliegt so ein kleiner Vogel irgendwo dagegen und verletzt sich oder bricht sich schlimmstenfalls das Genick. Nach kurzer Zeit sind die Kleinen jedoch geschickte Flieger und haben auch gelernt, zu landen.

Wenn man ihnen von klein auf Zeit widmet, werden die Bourkesittiche leicht zahm und behalten diese Zahmheit dann auch später bei.

1412022Foto: Junge Bourkesittiche lassen sich leicht zähmen

 

 

6 Gedanken zu „Vom Ei zum Bourkesittich

  1. Barbara Winter

    Ich habe eine Frage, meine Bourkis leben in einer Aussen-Voliere, da ich in Spanien lebe. So ich habe 6 Vögel bekommen, 2 Erwachsene die offensichtlich ein Paar sind. 4 Junge also die sind jetzt 7 Monate alt. Da eine Männchen ist mir leider eingegangen, keiner weiss warum so habe ich jetzt 3 Hennen und 2 Hähne.
    Ich habe nachdem ich mich aus Büchern über Zucht und Haltung gelesen habe, drei Nistkästen reingehängt. Das Paar was erwachsen ist hat sich sofort interessiert, nur leider stören die anderen beiden Weibchen immer wieder die Henne und bedrängen den Hahn, was kann ich tun? die beiden Weibchen sind nicht geschlechtsreif sitzen aber immer wieder in den Kasten, der grad interessant ist für das Paar, auch der Hahn der zur eine Henne gehört, verhält sich dann so, dass der die Jungen Hennen füttert und auch auf die Stange vor dem Nistkasten sitzt, obwohl gar nicht sein Weibchen drin sitzt sondern eine der Jungen. Was kann ich tun haben Sie mir ein Rat? Liebe Grüsse Barbara

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    1. sittichschwarm Artikelautor

      In diesem Fall würde ich, wenn Sie züchten wollen, das Brutpaar extra setzen. Für eine Koloniebrut sollten nur echte Paare zusammen sitzen.

      Antworten
      1. Barbara Winter

        Vielen Dank für Ihre Antwort. Ich hatte mir schon sowas gedacht. Ich muss die zwei aber in einen Käfig setzen, der die Ausmasse von 1m hoch, 1,20m lang und 86 cm breit ist. Ist das okay? Und reicht es wenn ich ein Nistkasten reinhänge?
        Ich habe einen Wintergarten wo ich die ganze Zeit die Fenster offen lassen kann, so könne sie die anderen Vögel hören und sind auch mehr oder weniger draussen
        liebe Grüsse
        Barbara

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  2. Detlev Kratz

    Hallo zusammen
    ich könnte ein paar Tips gebrauchen wie ich mich am geschicktesten verhalte bzw wie ich unseren vier Bourkesittichen am besten gerecht werde. Wir haben vor einigen Jahren zwei Tiere aus einem Altenheim übernommen, weil sie dort unter elenden Bedingungen ihr Leben fristeten. Inzwischen sind es vier Tiere geworden, wobei wir in den letzten Jahren auch drei Tiere durch Erkrankung verloren haben. Die Tiere leben bei uns mit beständigem Freiflug und können sich bei uns in der Wohnung frei bewegen. Die Vögel sind soweit gesund und munter.
    Da wir keinen weiteren Zuwachs haben möchten, vier im Freiflug machen schon etwas Arbeit, haben wir an Zucht natürlich kein Interesse und bieten auch keinen Nistkasten an. Trotzdem hat sich ein Pärchen gebildet und die Henne fängt an Eier zu legen. Wir hatten gehofft das sich das natürliche Verhalten ohne Nistmöglichkeit unterdrücken läßt, aber das funktioniert nicht. Das Aufstellen von zwei Nistkästen im vorletzten Jar hat allerdings zu Spannungen in der Gruppe geführt die sich erst nach Wegnahme der Nistkästen langsam gelöst hat. Da wir die Tiere auch niht recht trennen können bzw auch nicht einsperren möchten könnten wir ein paar Tips gebrauchen was richtig ist. Nistkästen aufstellen und Eier entnehmen oder besser versuchen den Trieb weiter zu unterdrücken, was natürlich die Henne in arge Bedrängniss bringt.
    Über ein paar Tips würden wir uns freuen.

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    1. sittichschwarm Artikelautor

      Hallo, ich würde keine Nistkästen anbieten, wenn ihr nicht züchten möchtet. Wenn eine Henne trotzdem Eier bildet und “fallen lässt”, ist das nicht weiter tragisch. Wenn sie die Eier bebrütet, auch das kommt manchmal bei fehlendem Nistkasten vor, dann tauscht ihr sie einfach gegen Kunststoffeier aus. Diese sind im Zoohandel erhältlich. Es können Wellensittich-Kunststoffeier genommen werden.

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