Anschaffung

Zoofachhandel, Züchter oder Tierheim?

Es gibt gute und weniger gute Zoofachhandlungen, gute Züchter und solche, für die der Profit im Mittelpunkt steht, und auch mit Sittichen aus dem Tierheim kann man Glück oder Pech haben. Wichtig ist, dass man im Vorfeld mit offenen Augen die Haltungsumstände der Vögel begutachtet. Sind die Käfige sauber, hell und geräumig genug? Haben die Vögel die Möglichkeit zu fliegen? Wie werden sie ernährt? Und vor allem natürlich: Wie sehen die Vögel selber aus? Ist das Federkleid intakt? Können sie fliegen? Sind die Augen klar? Sind Füße und Schnabel richtig gewachsen und frei von Borken? Sind sie sauber, oder ist evtl. die Kloakenregion verklebt? Sind sie munter und neugierig, oder sitzen sie aufgeplustert und lustlos herum?

img_1562Der Kauf in der Zoohandlung hat den Vorteil, dass man alles Zubehör normalerweise dort mit kaufen kann. Allerdings sollte man sich vorher selber informieren, was genau man braucht, da man sich nicht immer darauf verlassen kann, eine gute Beratung zu bekommen. Viele Zoofachhandlungen verkaufen immer noch Vögel mit viel zu kleinen Käfigen. Leider ist auch von Seiten der Hersteller das Angebot an kleinen Käfigen wesentlich größer als an tierschutzgerechten geräumigen. Auch freuen sich manche Zoohändler, wenn die Kundschaft reichlich Knusperstangen, Sittichkekse und irgendwelche Perlchen einkaufen. Von unnützen bis gesundheitsschädlichen Spielsachen (Spiegel!) ganz zu schweigen. Es gibt aber natürlich auch gute Zoohandlungen mit engagiertem Personal. Man sollte sich einfach gut umschauen und sich nicht scheuen, Fragen zu stellen.

Wer seinen Sittich im Tierheim holt, schenkt einem Tier ein neues Zuhause, das ist lobenswert. Gerade wenn bei einem Sittichpärchen ein Partner stirbt, ist ein Gang ins Tierheim eine gute Wahl, da man dort meist auch ältere Tiere bekommt und sich einen Vogel aussuchen kann, der altersmäßig zu dem Alleingebliebenen passt. Beim Züchter bekommt man oft nur junge Vögel, und es ist ungünstig, einem schon etwas älteren Tier einen ganz jungen Kameraden zuzugesellen.

Ein Problem ist natürlich, dass nicht immer die gewünschte Sittichart im Tierheim oder auch in der Zoohandlung parat sitzt.

Lillie4Foto: Springsittiche sind nicht immer ganz leicht zu bekommen

Beim Züchter ist es wichtig, nachzufragen, wie er seine Tiere hält. Es gibt Züchter mit vielen Vögeln, wo die Nachzucht einer Massenproduktion gleicht. Viele Züchter züchten aber auch mit viel Liebe und Sachverstand. Dazu kommt, dass man beim Züchter die “erste Wahl” hat. Denn in die Zoohandlungen kommen meist diejenigen Wellensittiche, die beim Züchter nicht direkt verkauft worden sind.

Weite Anfahrt – ein Problem?

Ab und zu erreicht mich eine Anfrage, ob Sittiche eine längere Autofahrt verkraften. Meiner Erfahrung nach ist das kein Problem. Wichtig ist nur, dass sie gut und verletzungssicher untergebracht sind. Das heißt, der Transport findet besser in einer kleinen Transportschachtel statt, als in einem größeren Käfig, wo vielleicht eine Schaukel hin- und herschwingt und auch der Vogel selber hin- und hergeworfen werden kann. In einer der handelsüblichen Falt-Pappschachteln kann das nicht passieren. Der Vogel ist relativ bewegungsarm und damit verletzungssicher untergebracht. Die Dunkelheit macht nichts aus, letztlich herrscht in dem Schächtelchen eine ähnliche Atmosphäre wie im Nistkasten.

Ganz praktisch ist aber auch die Anschaffung eines kleinen Transportkäfigs, den man später auch z.B. für Fahrten zum Tierarzt nutzen kann. Meine Jungvögel werden an eine solche Transportbox von klein auf gewöhnt. Diese Boxen eignen sich auch für mehrstündige Fahrten, da Futter (z.B. Hirsekolben) und wasserhaltige Gemüse (z.B. Salatgurke) während des Transports gut angeboten werden können. Wichtig ist, dass die Vögel unterwegs vor Zugluft, Überhitzung und großen Temperaturschwankungen geschützt werden.

2203111Foto: Schon in ganz jugendlichem Alter werden meine Küken -während der Nistkasten gereinigt wird- in der Transportbox “geparkt”

Versand von Sittichen?

Das Internet ist voll von Kleinanzeigen zum Verkauf von allen möglichen Sittichen, die vielleicht in der Umgebung nicht angebotenwerden. Da kann man schnell einen schönen Vogel entdecken, den man gerne haben möchte. Wenn man dann feststellt, dass der Züchter hunderte von Kilometern weit weg wohnt, ist guter Rat teuer…  Vielleicht findet man eine Möglichkeit, dass der Vogel mitgenommen wird (Mitfahrzentrale) oder man setzt sich selber ins Auto. Immer mehr Züchter gehen aber auch dazu über, ihre Vögel per Tierspedition zu verschicken. Was ist davon zu halten? Ist das überhaupt tierschutzgerecht?

Dazu ist zu sagen, dass nicht jeder einfach hergehen kann und gewerbsmäßig Vögel befördern. Auch per Post dürfen Tiere nicht verschickt werden. Um gewerbsmäßig Tiere zu befördern, ist eine Zulassung nach EU-Recht erforderlich. Um diese Zulassung zu erhalten, muss der Transporteur nachweisen, dass er zuverlässig ist, dass er die nötige Sachkunde im Umgang mit den Tieren hat und dass die Art und Weise des Transports tierschutzgerecht abläuft. Von daher werden die Vögel in vielen Fällen von einem guten Tierspediteur schonender transportiert, als wenn Privatleute sie selber abholen. Der Transport in einem Käfig, der vielleicht sogar noch mit Spielzeug vollgehängt ist, ist wie gesagt für das Tier wesentlich gefährlicher als in einer kleinen Transportbox.

versand1Foto: In einer solchen Transportbox können Vögel relativ gefahrlos transportiert werden

Das einzige, was mich von einem Versandhandel abhalten könnte, ist die Tatsache, dass Fotos geduldig sind und man den Vogel und die Zucht- bzw. Haltungsbedingungen nicht live besichtigen kann. Wenn man jedoch das Vertrauen zu dem betreffenden Züchter hat und bereit ist, die relativ hohen Speditionskosten zu bezahlen, sollte auch einem Versandhandel nichts im Wege stehen.

versand3Foto: Wellensittiche verlassen vorsichtig die Transportkiste

Vergesellschaftung

Wie geht man vor, wenn man zu einem bereits vorhandenen Vogel oder Schwarm ein oder mehrere neue Tiere dazuholt?

Zunächst sollte man bedenken, dass man mit neuen Tieren auch Krankheitserreger in den Bestand holen könnte. Deshalb ist zu überlegen, ob man bei einem vogelkundigen Tierarzt einen “Eingangs-Check” machen lässt. Eine andere Möglichkeit ist, die neuen Tiere zunächst von den vorhandenen abzusondern und einige Zeit zu beobachten, ob sich Krankheitsanzeichen oder Besonderheiten zeigen. Ich bin jedoch kein großer Freund dieser Absonderung, da es für das betroffene Tier nicht besonders angenehm ist, länger alleine zu sitzen. Und wenn der Bestand, aus dem der Vogel stammt, gesund aussieht, ist nicht ganz logisch, weshalb ein Vogel ausgerechnet in den vier Wochen Quarantänezeit Krankheitsanzeichen zeigen soll. Es gibt Krankheiten, die über Jahre hinweg keine Symptome erkennen lassen. Wenn jedoch in dem Bestand, aus dem der Sittich kommt, andere Tiere bereits Krankheitsanzeichen zeigen, würde ich dort eh keinen Vogel kaufen.

Wellensittiche lassen sich normalerweise relativ einfach vergesellschaften, selbst Vögel, die jahrelang als Einzeltiere gehalten wurden, gewöhnen sich in den meisten Fällen recht leicht an die Gesellschaft anderer Wellensittiche. Bei anderen Sitticharten kann dies schwieriger sein. Es empfielt sich nicht, den oder die Neuankömmlinge sofort zu den vorhandenen Tieren in deren Käfig zu setzen. Dies gilt um so mehr, je kleiner der Käfig ist. In einer 20-qm-Voliere spielt dies weniger eine Rolle. Günstig ist es, wenn man die Tiere zunächst in getrennten Käfigen nebeneinander stellt und die erste Begegnung beim Freiflug stattfinden lässt. Dann sieht man, wie sie miteinander in Interaktion treten und kann abschätzen, ob noch getrennte Käfige erforderlich sind. Kommen die Neuankömmlinge dann zu den bereits vorhandenen Tiere in den bereits vorhandenen Käfig, so empfielt es sich, diesen von der Einrichtung her etwas zu verändern (neue Sitzäste an etwas anderen Positionen, neues Spielzeug), so dass die alteingesessenen Vögel keinen Heimvorteil haben.

fünfkathies2Foto: Katharinasittiche lassen sich in der Regel gut vergesellschaften

Wenn es Probleme bei der Vergesellschaftung gibt, liegt dies oft an einem ungünstigen Geschlechterverhältnis, indem zum Beispiel zwei gleichgeschlechtliche Tiere miteinander vergesellschaftet werden sollen. Bei manchen Sitticharten lässt sich das Geschlecht rein optisch nicht oder nur schwer feststellen. In diesen Fällen kann man heutzutage für wenig Geld eine Federprobe ins Labor schicken und eine DNA-Analyse zur Geschlechtsbestimmung machen lassen.

Zahme Sittiche – was beachten?

Wer gerne zahme Sittiche haben möchte, sollte bereits bei der Anschaffung eine Menge beachten. Sittiche, die schon älter sind und bisher wenig bis keinen Kontakt zu Menschen hatten oder gar schon negative Erfahrungen machen mussten, werden mit viel Geduld vielleicht futterzahm, so dass sie Kolbenhirse aus der Hand fressen. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie gar nicht mehr zahm werden und man froh sein muss, wenn sie nicht erschreckt aufflattern, sobald man in ihre unmittelbare Nähe kommt.

Tiere, die man jung erwirbt, so bis zu einem halben Jahr, und die noch keine negativen Erfahrungen mit Menschen hatten, werden, je nach Art, in der Regel schnell zutraulich, wenn man sich viel mit ihnen befasst. Am problemlosesten klappt dies nach meiner Erfahrung bei Laufsittichen (Springsittich, Ziegensittich). Ansonsten lassen sich nestjunge Tiere, die gerade erst futterfest geworden sind, am besten zähmen. Auch hier ist eine kontinuierliche Beschäftigung mit den Vögeln das A und O.

zahmer SpringerFoto: Springsittiche werden leicht zahm

Wenn Vögel schon als zahm verkauft werden, heißt es aufgepasst. Die Tiere stammen oft aus Handaufzuchten oder Teilhandaufzuchten. Hier sollte man genauer hinschauen, denn viele dieser Tiere wurden viel zu früh von den Eltern getrennt, um sie auf den Menschen zu prägen. Eine solche Fehlprägung kann jedoch zu Verhaltensstörungen führen. Außerdem ist eine solche Aufzucht nicht tierschutzgerecht, weder für die Eltern, denen man die Jungen oder gar schon die Eier wegnimmt, noch für die Kleinen, die ohne Eltern aufwachsen, künstliche Nahrung bekommen und nicht vernünftig sozialisiert werden. Da solche Handaufzuchten natürlich sehr zeitaufwändig sind, werden sie manchmal auch sehr lieblos durchgeführt, indem die Kröpfe der Küken rasch mit Futter vollgespritzt werden (z.B. mit einer Kropfsonde).

Anscheinend gibt es leider immer noch einen Markt für Handaufzuchten, sonst würden sich die betroffenen Züchter die Mühe nicht mehr machen. Ich freue mich aber darüber, dass es immer mehr Züchter gibt, die eine natürliche Aufzucht propagieren.

Money, money, money…

Was darf ein Wellensittich kosten? Was ein Nymphensittich? Ein Sonnensittich? Für mich ist es eine zweischneidige Sache. Wenn Tiere sehr teuer verkauft werden können, so ruft das Massenzüchter auf den Plan, die nur des Geldes wegen züchten. Wenn jedoch z. b. Wellensittiche, die in hohen Stückzahlen gezüchtet werden, lediglich für ein paar Euro abgegeben werden, wie das oft der Fall ist, so werden sie damit zur Wegwerfware degradiert. Wer geht denn mit einem Tier zum Tierarzt, und lässt es für 40,– oder 50,– Euro behandeln, wenn es nur 10,– Euro oder weniger gekostet hat? Da wartet der eine oder andere lieber ein bisschen ab, ob sich die Krankheit nicht von selber wieder gibt, und wenn nicht, gibt es eben für ein paar Euro wieder einen neuen Wellensittich. Ein Bekannter hat mal gesagt, der wirksamste Tierschutz ist der hohe Wert eines Tieres. Und das stimmt sicher. Je wertvoller ein Tier ist, um so besser wird man es pflegen und sich darum kümmern. Zum Glück für die Wellensittiche bemisst sich der Wert eines Tieres nicht alleine in Geld. Auch ein Tier, das einem ans Herz gewachsen ist, das einem ein guter Freund geworden ist, kann einem sehr wertvoll sein.  Ich hoffe, dass sich der Preis auch für Wellensittiche langfristig gesehen auf einem etwas höheren Niveau als bisher einspielen wird, um den Wert der Vögel etwas zu steigern. Wenn man bedenkt, dass manche Wellensittiche 10 oder mehr Jahre alt werden können, ist ein höherer Preis meiner Meinung nach auch durchaus gerechtfertigt.

Wer schon bei der Anschaffung sparen möchte, sollte sich bewusst machen, dass mit den Vögeln auch noch andere Kosten auf ihn zukommen werden: Ein guter, ausreichend großer Käfig kostet 200 bis 1.000 Euro. Futter und Einstreumaterial ist relativ günstig zu haben, da kommt man im Monat mit ca. 5,– bis 10,– Euro für zwei Wellensittiche oder ähnlich große Tiere hin. Pickstein etc. schon mit einbegriffen. Impfungen sind nicht notwendig, ein Tierarztbesuch z.B. zur Behandlung von Räudemilben (Grabmilben) oder anderen kleineren Behandlungen kostet normalerweise unter 50,– Euro. Eine Operation oder auch nur eine intensivere Untersuchung kann aber schon mal mehr ins Geld gehen. Wer als Schüler solche Kosten vom eigenen Taschengeld tragen muss, sollte rechtzeitig Rücklagen bilden.

Beim Käfig zu sparen, lohnt auch nicht wirklich, denn eine gute Voliere ist eine Anschaffung fürs Leben, und die Tiere werden es einem danken, wenn man einen möglichst guten, sprich einen möglichst großen, wählt. Denn wenn mal kein Freiflug möglich sein sollte oder der Freiflug nicht so angenommen wird, wird eben doch viel Zeit im Käfig verbracht. “Erst mal” einen kleinen billigen Käfig anzuschaffen, mit der Absicht, später aufzurüsten, ist am falschen Ende gespart, da man letztlich zweimal investiert. Also lieber einige Wochen länger auf die Sittiche warten, aber dafür mit perfekter Ausstattung!

Wenn man die Anschaffungskosten beieinander hat und in der Lage ist, die Rücklagen für den Tierarzt zu bilden, sind Sittiche aber durchaus Tiere für den “kleinen Geldbeutel”, verglichen mit anderen Haustieren, deren Anschaffung mit ein paar hundert Euro zu Buche schlagen kann, die monatlich z.T. hohe Versicherungskosten oder Steuern verursachen, mehrmals im Jahr Impfungen oder Wurmkuren benötigen oder geschoren werden müssen, durch aufwändige Belichtung und Beheizung hohe Energiekosten verursachen etc.

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