Beschäftigung

Für eine artgerechte Haltung ist es ganz wichtig, dass sich die Sittiche nicht langweilen müssen. Indem man die Vögel zu mehreren hält, ermöglicht man ihnen, dass sie sich miteinander beschäftigen können. Es ist interessant zu beobachten, wie die Vögel miteinander in Interaktion treten. Ganz besonders schön ist das, wenn man einen kleinen Schwarm von mindestens vier Sittichen hält. Bei Arten, bei denen die Schwarmhaltung möglich ist, versteht sich. Da leben die Vögel so richtig auf und sind dann meist auch wesentlich aktiver als zu zweit gehaltene. Aber auch eine Paarhaltung ist ok. Ein Spiegel oder Plastikvogel allerdings ersetzt den lebendigen Partner nicht und kann sogar schaden, da die Vögel das Spielzeug anbalzen und zu füttern versuchen. Da das Futter nicht angenommen wird, sondern sich im Kropf staut, kann es zu gefährlichen Kropfentzündungen kommen. Dies wurde des öfteren bei einzeln gehaltenen Wellensittichen beobachtet. Also lieber mehr Vögel für mehr Spaß! Wenn das Platzangebot stimmt, versteht sich (siehe “Unterbringung“)

Das Fliegen ist eine Beschäftigung, die die Vögel brauchen, um fit und gesund zu bleiben. Es kräftigt die Muskeln und beugt Übergewicht vor. Deshalb ist täglicher ausgiebiger Freiflug (siehe unten) ein Muss, wenn die Tiere nicht in einem Vogelzimmer oder in einer mehrere Quadratmeter großen Voliere leben.

Eine weitere beliebte Beschäftigungsmöglichkeit ist das Klettern. Hierzu sind Äste und Seile besonders beliebt. Beim Bau von Kletterspielplätzen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Außerdem lieben es viele Sittiche zu schaukeln.

schaukelgekauftFoto: Wellensittiche beim Schaukeln

Schaukeln kann man ohne viel Aufwand selber basteln aus einem Aststück, zwei Schrauben und etwas Seil.

schaukelselbstgemachtFoto: Schaukel selbst gebastelt

Oder noch einfacher, lediglich aus einem Stück Seil:

aussenschaukelAuch im Zoohandel wird einiges angeboten, womit sich die Sittiche beschäftigen können.

schaukelflockeFoto: Holzschaukel aus dem Zoohandel

Da gibt es allerdings auch viele Dinge, die weniger empfehlenswers sind, z.B. manche Plastikspielsachen, Spielsachen aus legierten Metallen (Gefahr einer Zinkvergiftung!), Spielsachen mit Spiegeln, etc. Einige Dinge kann man jedoch gut für die Beschäftigung von Sittichen nutzen, z.B. Weidenkugeln, die man mit Heu oder Kolbenhirse befüllen kann und so die Krummschnäbel zum Zerrupfen oder Zerschreddern einläd. Auch Korkspielzeug oder Bird-Kabob wird gerne angenommen. Wenn Spielsachen nicht kaputt gehen sollen, bietet sich als Material Acryl an.

bird_kabobFoto: Bird-Kabob, schon etwas angefressen…

Viele Sittiche beschäftigen sich nämlich auch gerne mit dem Zernagen und Schreddern von Gegenständen. Es ist sinnvoll, dieses Bedürfnis mit geeigneten Gegenständen zu befriedigen, bevor irgendwelche Einrichtungsgegenstände zerschreddert werden.

haselzweigFoto: Haselnusszweige befriedigen den Nagetrieb und das Kletterbedürfnis

Auch hier eignen sich Äste (Obstbaum, Haselnuss), aber auch das genannte Korkspielzeug (Korkröhren, sind im Fachhandel erhältlich), Bird-Kabobs oder Gegenstände aus unbehandeltem Karton.

korkknabberFoto: Ein Stück Korkrinde aus dem Fachhandel, als Schaukel aufgehängt, wird beknabbert

Intelligenzspielzeug

Eine andere Möglichkeit, die grauen Zellen unserer gefiederten Freunde in Schuss zu halten, ist der Einsatz von Intelligenzspielzeug, gekauft oder selbst gebastelt. Hier geht es in der Regel darum, dass eine Futterbelohnung so verpackt oder versteckt ist, dass der Vogel Schwierigkeiten überwinden muss, um an den begehrten Bissen ranzukommen.

Zum Clickertraining habe ich hier eine extra Rubrik eröffnet.

Baden oder Duschen

Für das Wohlbefinden vieler Sittiche ist eine tägliche Dusche oder ein Bad wichtig. Erstens deshalb, da in unseren Wohnungen die Luftfeuchtigkeit meist recht niedrig ist, zweitens zur Unterstützung der Gefiederpflege, und drittens ganz einfach, weil es Spaß macht!

Zum Baden gibt man am besten eine flache Schale mit lauwarmem Wasser in die Voliere. Die Schale sollte nicht mehr als 1 – 1,5 cm gefüllt sein. Es gibt im Handel extra Badewännchen, die man an der Käfigtüre einhängen kann, aber auch flache Auflaufformen aus Glas oder Porzellan können Verwendung finden. Diese sind schwer und können somit nicht umgeworfen werden und sind darüber hinaus leicht zu reinigen. Nicht ganz so geschickt, aber auch verwendbar sind große flache Kunststoffschalen (z.B. große Blumenuntersetzer). Das Bad muss nicht unbedingt im Käfig stattfinden, sondern kann auch beim Freiflug genommen werden. Vögel, die gerne baden, werden diese Möglichkeit zu schätzen wissen.

wasserschaleFoto: Zur Badeschale umfunktionierte Auflaufform aus Glas

Es gibt allerdings auch Sittiche, die Badewannen nicht nutzen. In diesem Fall kann man es mit einer Dusche probieren. Hierzu bieten sich die handelsüblichen Blumenspritzen an, mit denen man das Wasser sehr fein zerstäuben kann. Es versteht sich von selbst, dass keine Spritze verwendet werden sollte, die bereits mit Blumendünger, Spitzmittel gegen Ungeziefer oder ähnlichen Chemikalien befüllt war.

beim_duschenBitte hier die Vögel nicht zwangsduschen, sondern nur so lange besprühen, wie sie freiwillig im Sprühnebel sitzen bleiben. Wenn sie wegfliegen, aufhören. Am nächsten Tag werden sie möglicherweise schon länger “unter der Dusche” verweilen und mit der Zeit werden sie das tägliche Duschbad genießen!

Duschen6Foto: Katharinasittiche genießen das Duschen!

Hier haben wir auch noch ein Video vom Duschen der Kathies!

Freiflug in der Wohnung

Vögel sollen fliegen, deshalb ist für Wohnungsvögel regelmäßiger Freiflug wichtig. Viele Vogelhalter haben Angst, dass die Vögel abends nicht mehr in den Käfig zurückgehen. Das kann natürlich passieren. Eine Lösungsmöglichkeit ist, die Vögel, sobald es dunkel geworden ist, zu greifen oder mit einem Vogelkescher einzufangen. Da es dunkel ist, werden sie nicht wegfliegen, und sie verbinden dann das Gefangenwerden nicht mit ihrem Menschen, zu dem sie Zutrauen fassen sollen. Eine andere Möglichkeit ist, die Vögel einfach außerhalb des Käfigs übernachten zu lassen. Spätestens am nächsten Tag wird der Hunger sie wieder in den Käfig zurücktreiben.

Bereits handzahme Vögel kann man natürlich ganz bequem auf der Hand in den Käfig zurückbefördern.

Damit die Sittiche gerne wieder in ihren Käfig zurückgehen, sollte man außerhalb des Käfigs kein Futter anbieten. Ausnahme: Wenn Vögel ihre Voliere gar nicht verlassen wollen, kann man sie mit Kolbenhirse o.ä. herauslocken. Die Vögel sollten nämlich immer freiwillig den Käfig verlassen und nie herausgescheucht werden. Wichtig ist aber auch, dass außerhalb des Käfigs Landemöglichkeiten vorhanden sind, die die Vögel anfliegen können, und natürlich interessante Beschäftigungsmöglichkeiten (Kletterbaum o.ä.).

Vor dem Freiflug müssen alle Gefahrenquellen in Zimmer beseitigt werden. Wenn dies passiert ist, können Sittiche auch unbeaufsichtigt ihren Freiflug genießen.

auf_kleiderbuegelFoto: Hier wurde schnell eine passende Landemöglichkeit gefunden!

Gefahrenquellen

Nicht nur beim Freiflug, aber vor allem da, sind allerlei Gefahrenquellen zu erkennen und auszuschalten. Hier werden eine ganze Reihe solcher Gefahrenquellen beispielhaft aufgezählt:

Spiegel (Vögel können dagegenfliegen), Fenster (dagegenfliegen oder entfliegen, einklemmen ins gekippte Fenster), Heizungen und Schränke (Vögel können dahinterfallen oder sich einklemmen), Kerzen, Schnur oder ähnliches (Vögel können hängen bleiben oder sich sogar würgen), feine Stoffe wie Gardine (Vögel können sich mit dem Fuß darin verfangen), Herd, Teflondämpfe von beschichteter Pfanne oder Raclettegerät (für Vögel giftige Dämpfe), andere Haustiere (besonders Katzen oder Hunde), Klo (ertrinken!), giftige Pflanzen, Gefäße wie z.B. Gieskannen (hineinfallen und ertrinken), spitze Gegenstände oder Kakteen, Aquarien (ertrinken), selbst gesammeltes Futter oder Zweige (Krankheitserreger, Spritzmittel, Harz, Gift aus Autoabgasen, giftige Pflanzen), Türen (Vögel können eingeklemmt werden), Fußboden (zertreten werden, besonders bei Bourkesittichen, die sich gerne auf dem Fußboden aufhalten), heiße Glühbirnen oder Schwedenöfen, giftige Substanzen an Einrichtungsgegenständen (Zinn, Zink, Blei), Chemikalien (Reinigungsmittel), etc.

Bitte prüfen Sie sorgfältig, ob diese oder andere Gefahrenquellen Ihren Vögeln gefährlich werden können!

Ab wann Freiflug?

Viele Sittichhalter meinen, ihre Vögel müssen erst mal zahm sein, bevor sie Freiflug haben können. Dies ist nicht richtig. Sobald sich die Tiere eingewöhnt haben, wissen, wo sie ihr Fressen und ihr Trinkwasser finden, also einige Tage nach dem Einzug, kann man sie direkt fliegen lassen. Wie oben beschrieben, finden sie in den allermeisten Fällen wieder in den Käfig zurück.

Neben der Tatsache, dass das Fliegen für die Vögel einfach wichtig und gesund ist, ist der Knackpunkt nämlich auch, dass sich die Tiere außerhalb des Käfigs viel besser zähmen lassen. Die Vögel im Käfig zu bedrängen, kann kontraproduktiv sein. Draußen haben sie die Möglichkeit, wegzufliegen, wenn ihnen etwas noch zu nah ist. Zähmen ist ja immer eine Sache der Freiwilligkeit.

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