Unterbringung

Die artgerechte Unterbringung von Sittichen

Alle Sittiche müssen als Schwarmtiere mindestens zu zweit gehalten werden. Manche Arten hält man besser und auch interessanter in einem kleinen Schwarm von mindestens vier Tieren. Hierzu gehören z. B. Wellensittiche, Nymphensittiche, Bourkesittiche, Grassittiche und Katharinasittiche. Genügend Platz natürlich vorausgesetzt! Auch Laufsittiche (Ziegensittiche, Springsittiche) kann man bei genügend Platz im Schwarm halten. Diese Vögel sind aber meist auch als Paar ganz zufrieden.

Daneben gibt es Arten, welche sich nicht gut im Schwarm halten lassen, sondern zwingend als Paar gehalten werden müssen, da sie gegenüber weiteren Artgenossen aggressiv reagieren. Dazu gehören z. B. Pennantsittiche und Rosellasittiche.

Bei Wellensittichen ist ein ausgewogenes Zahlenverhältnis von Hennen und Hähnen wichtig. Wahlweise kann auch eine “Männer-WG” gegründet werden. Lauter Hennen sind dagegen nicht empfehlenswert, da sie sich in den meisten Fällen nicht vertragen. Auch der Überschuss von Vögeln eines Geschlechts bringt meist Probleme mit sich, außer wenn der Schwarm eine gewisse Größe hat (so ab sieben Tieren oder mehr).

Bei Nymphensittichen ist es umgekehrt, da gehen Mädels-WGs, während Hähne miteinander meist unverträglich sind. Auch bei Laufsittichen verhält es sich so. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung!

Die Voliere sollte stets so groß sein, dass die Vögel einige Flügelschläge darin fliegen können. Da Sittiche keine Hubschrauber sind, die auf und ab fliegen, ist die Breite des Käfigs wichtiger als die Höhe. Der Käfig für zwei Wellensittiche sollte z.B. zumindest 1,00 – 1,20 m breit sein. Für 4 Vögel sollte die Breite 1,50 m nicht unterschreiten. Gleiches gilt für Katharinasittiche. Wobei zu berücksichtigen ist, dass bei diesen Käfiggrößen ein mehrstündiger Freiflug unbedingt erforderlich ist. Das Tierschutzgutachten des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, in dem für Sittiche von bis zu 25 cm Länge eine Voliere von mindestens 100 x 50 cm Länge x Breite gefordert wird, findet sich hier.

Für ein Paar Bourkesittiche sollte der Käfig zumindest eine Breite von 1,20 m aufweisen. Bourkesittiche sind gerne auch auf dem Volierenboden unterwegs. Es macht deshalb Sinn, für diese Vögel nicht nur einen Flugbereich (Sitzstangen links und rechts in der Voliere mit etwas Flugraum dazwischen) einzurichten, sondern auch einen Bereich, wo sie auf dem Boden scharren können.

Bourkie Boden 6Foto: Bourkesittiche halten sich gerne am Boden auf

Auch ist es empfehlenswert, ihnen Futter und Wasser nicht in am Käfiggitter eingehängten Näpfen, sondern in flachen Näpfen, die auf dem Volierenboden stehen, anzubieten. Dieser Bodenbereich zum Fressen und Scharren sollte sich nicht gerade unter den Sitzstangen befinden, damit er nicht verkotet wird. Aus diesem Grund tut jeder Zentimeter mehr Breite dem Käfig gut. Für recht geeignet für ein bis zwei Pärchen Bourkesittiche halte ich das weiter unten abgebildete Käfigmodell Madeira Double oder ähnliche.

Für bis zu drei Pärchen Nymphensittiche verlangt die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz eine Volierengröße von 200 x 60 cm Länge x Breite. Diese Größe ist auch für Laufsittiche als Mindestgröße zu nennen. Diese halten sich, wie der Name schon sagt, gerne am Boden auf, weshalb dieser entsprechend gestaltet sein sollte (Scharrmöglichkeiten etc.). Laufsittiche sind darüber hinaus sehr aktiv und neugierig und benötigen daher sehr viel Beschäftigungsmaterial wie frische Äste, Korkspielzeug, Intelligenzspielzeug (Futterverstecke) oder ähnliches.

Die genannten Volierengrößen sind wie gesagt die Mindestmaße, es gilt je größer, desto besser. Ansonsten ist natürlich ausgiebiger täglicher Freiflug, am besten ganztägig, wichtig.

Dabei ist zu beachten, dass der Freiflugbereich der Sttiche ansprechend gestaltet wird, z.B. durch Kletter- oder Nagemöglichkeiten, so dass die Tiere Anreize haben, den Käfig zu verlassen. Denn auch Vögel können faul sein! Außerdem muss der Freiflugbereich natürlich frei von Gefahrenquellen (giftige Pflanzen, Kakteen, Herd, etc.) sein. Bei der Aufstellung der Voliere sollte man darauf achten, dass sie frei von Zugluft steht und sich die Vögel in etwa in Augenhöhe befinden, eher höher (also dass man nicht auf sie herabsieht oder sich sogar darüberbeugt).

Foto: Die Madeira Double ist für einen Wellensittich- Katharinasittich- oder Bourkesittich-Kleinschwarm von vier Tieren ganz passabel

Als Sitzstangen sollten nur Naturäste verwendet werden, die vom Durchmesser her so dick sein sollen, dass der Vogelfuß sie nicht ganz umfassen kann. Wichtig ist jedoch, dass nicht alle gleich stark sind (deshalb auch Naturäste), so dass der Fuß unterschiedlich beansprucht wird. Das ist wie Fußgymnastik und beugt Ballengeschwüren vor. Aufpassen sollte man, dass man nicht den ganzen Käfig mit Sitzstangen oder Spielzeug vollpfropft. Die Vögel sollen auch noch einen gewissen Flugraum innerhalb der Voliere haben. Empfehlenswert ist daher wie gesagt, die Sitzstangen eher am Rand anzubringen, so dass dazwischen Platz bleibt. In diesem mittleren Bereich kann man auf dem Boden die Futter- bzw. Wassernäpfe aufstellen, und verhindert damit, dass das Fressen verkotet wird, denn die Vögel machen ihr “Geschäft” normalerweise beim Sitzen und nicht während des Flugs. Manche Volieren bieten auch die Möglichkeit, Futter- und Wassernäpfe auf halber Höhe irgendwo einzuhängen. Gerade Bourkesittiche, aber auch Wellensittiche, Grassittiche und natürlich auch Laufsittiche lieben es aber, ihr Futter am Boden einzunehmen. Hier muss man vielleicht auch ein bisschen probieren, was den eigenen Vögeln genehm ist.

Den Käfig macht man einmal die Woche oder nach Bedarf sauber, wobei die Einstreu ausgetauscht wird. Unter den Sitzstangen, wo sich der meiste Kot sammelt, empfiehlt sich, Küchentücher auszulegen und mit etwas Einstreu zu beschweren, damit sie liegen bleiben. Diese können schnell auch mal nach wenigen Tagen ausgetauscht werden. Ansonsten gehen die Meinungen über die ideale Einstreu stark auseinander. Ich verwendete bei meiner Käfighaltung sowohl Buchenholzgranulat als auch in einer Hälfte des Käfigs einen qualitätsvollen Vogelsand. Wenn man keine Sandeinstreu benutzt, muss man den Vögeln zusätzlich ein Schälchen mit Grit anbieten, da die Vögel dies zur Verdauung benötigen. Auch ein Mineralstein wird gerne angenommen.

sandbadFoto: Wer keine Sandeinstreu verwendet, kann auch eine Schale mit Sand und Grit als Sandbad aufstellen

Bei südamerikanischen Sittichen, deren Ernährung einen größeren Obstanteil enthält, kann eine häufigere Volierenreinigung erforderlich sein. Zumindest sind Obstreste, natürlich auch bei den australischen Sittichen, immer schon nach mehreren Stunden zu entfernen, so dass das Obst nicht gammelig wird. Gleiches gilt für Keimfutter.

Empfehlenswert ist, den Sittichen ultraviolettes Licht zu bieten, entweder durch Sonnenlicht (geht jedoch nicht durch Fensterglas!) oder durch eine flackerfreie Vogellampe/Tageslichtlampe. Vögel sehen anders als Menschen, sie sind in der Lage, ultraviolettes Licht zu sehen und fühlen sich damit erst richtig wohl. Auch ist es erforderlich zur Bildung von Vitamin D. Ich habe meine Vogellampe mit einer Zeitschaltuhr verbunden, so dass ich mich um das Ein- und Ausschalten nicht kümmern muss. Allgemein sollte man darauf achten, dass die Vögel einen einigermaßen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus haben.

Viele Sittiche sind normalerweise robuste Zeitgenossen, die bei artgerechter Unterbringung und Pflege selten krank werden. Sie sollten keiner Zugluft ausgesetzt werden und können auch in Volieren im Freien gehalten werden, wenn ein frostfreies Schutzhaus, oder je nach Art auch ein leicht geheiztes Schutzhaus, angeschlossen ist.

Sollten sie doch einmal Krankheitsanzeichen zeigen, ist der betroffene Vogel schnellstmöglich einem vogelkundigen Tierarzt vorzustellen.

sandingebrauchFoto: Wie man sieht, wird die Sandschale von den Wellis gut angenommen!

Standort der Voliere

Wichtig ist, dass der Käfig keiner Zugluft ausgesetzt ist. Auch direkt an der Heizung sollte er nicht stehen. Da Sittiche Fluchttiere sind, sollte mindestens eine Seite des Käfigs einer Wand zugewandt sein, so dass die Tiere von dieser Seite her Sicherheit fühlen können. Ansonsten ist es schön (vor allem für die Federlosen!), wenn der Käfig dort steht, wo “Leben” ist, wo sich auch die federlosen Mitbewohner der Familie aufhalten, so dass die Sittiche “mittendrin” sein können. Dennoch sollte der Käfig nicht gerade so stehen, dass dauernd daran vorbeigelaufen werden muss, und auch nicht neben dem Fernsehapparat oder mit Sicht auf diesen. Gut ist somit ein Platz an einer Wand im Wohnbereich. Hell sollte der Platz sein, aber nicht so, dass der Käfig in der prallen Sonne steht. Der Käfig sollte in einem Zimmer stehen, welches auch für den Freiflug vogelsicher gemacht werden kann. Die Küche ist somit ein denkbar ungeeigneter Ort, da hier die Gefahr besteht, dass die Vögel ertrinken (Spülwasser), sich verbrühen (kochende Flüssigkeiten), verbrennen (heiße Herdplatten) oder einklemmen (z.B. hinter dem Kühlschrank). Zudem sind Dämpfe von teflonbeschichteten Pfannen oder Töpfen für Sittiche und Papageien hochgiftig. Bei Kinderzimmern kommt es darauf an, wie die Umstände sind. Viele herumliegende Spielsachen oder aufgebaute Lego- oder Playmobillandschaften erschweren das Saubermachen. Federn und Futterspelzen hat man halt immer um den Käfig herum, deshalb ist es günstig, wenn dort ohne großen Aufwand rasch gesaugt werden kann. Auch habe ich schon von Vorbehalten wegen Allergien gehört. Es gibt jedoch auch Expertenmeinungen, die besagen, dass Allergien seltener vorkommen, wenn Kinder frühzeitig mit Tieren in Berührung kommen. Hier ist es Sache der Eltern, zu entscheiden.

Wer genug Platz hat, kann den Sittichen auch ein eigenes “Vogelzimmer” zur Verfügung stellen. Wenn man möchte, dass die Vögel menschenbezogen bleiben, ist hier jedoch wichtig, auch einen Platz für die federlosen Mitbewohner zu schaffen, damit die Vögel nicht den ganzen Tag sich selber überlassen sind. Ich hatte z.B. einen Schreibtisch im Vogelzimmer stehen, in meiner jetzigen Voliere habe ich einen Sitzplatz, den ich zum Lesen nutze.

Volierenbau

Leider sind die handelsüblichen Vogelkäfige meist klein oder vom Zuschnitt her wenig vogelfreundlich (mehr hoch als breit). Wer etwas handwerkliches Geschick und den nötigen Platz hat, tut daher oft besser daran, eine Zimmervoliere selber zu bauen. Achten sollte man darauf, dass diese leicht gereinigt werden kann (entweder Kotschubladen vorsehen oder die Voliere begehbar machen, so dass man bequem ausfegen oder saugen kann). Die Maschenweite sollte bei der Verdrahtung je nach Vogelgröße gewählt werden, für die kleinen Wellensittiche sind bis zu 16 mm möglich, Drahtstärke 1,2 mm. Verzinktes Material kann gefährlich werden, da sich die Vögel eine Zinkvergiftung holen können. Auch kunststoffüberzogenes Drahtgitter scheidet aus, da Papageienvögel den Kunststoffüberzug abknabbern können. Am besten geeignet, allerdings auch nicht ganz billig, ist Edelstahl.

Beim Bau einer Außenvoliere darf ein Schutzhaus für die Vögel nicht vergessen werden. Zudem ist die Vergitterung der Außenvoliere doppelt auszuführen, damit Katzen oder Greifvögel den Sittichen nicht schaden können, auch wenn diese direkt am Gitter hängen. Doppelte Ausführung bedeutet, dass die Pfosten der Voliere sowohl von innen als auch von außen mit Drahtgitter bezogen werden, dazwischen sollten mindestens 2 cm Abstand sein.

verdrahtungFoto: Doppelte Verdrahtung (außen und innen) schützt vor Verletzungen durch Katzen

Bitte informieren Sie sich vor dem Bau einer Außenvoliere über möglicherweise einzuhaltende rechtliche Vorschriften (Baurecht, Nachbarrecht).

Vergesellschaftung mit anderen Arten

Wenn man verschiedene Sittiche gemeinsam halten möchte, so sollte man eine ausreichend große Voliere besitzen, so dass sich die verschiedenen Schwärme auch aus dem Weg können. Bei Käfighaltung sollte man es so machen, dass verschiedene Arten in verschiedenen Käfigen untergebracht werden. Beim Freiflug können sie dann auch zusammenkommen (am Anfang beobachten!). Wichtig ist, dass von jeder Vogelart mindestens zwei vorhanden sind, so dass alle Vögel einen Artgenossen haben.

Es lassen sich aber nicht alle Sitticharten mit anderen vergesellschaften. Wichtig ist, dass es sic um friedliche Arten handelt. Oftmals ist eine Gemeinschaftshaltung nur außerhalb der Brutzeit möglich. Ich weiß von gelungenen Vergesellschaftungen von Wellensittichen mit Bourkesittichen, Ziegensittichen und Katharinasittichen. Auch Nymphensittiche lassen sich mit den genannten Arten oft erfolgreich vergesellschaften. Es ist bei der Vergesellschaftung mit anderen Sittichen meist von Vorteil, wenn der Schwarm der anderen Sittichart größer ist als der Wellensittichschwarm, da die Wellensittiche mit ihrer lebhaften und dominanten Art den anderen sonst auf der Nase herumtanzen können. Und zwar auch dann, wenn die anderen Sittiche größer sind, wie z.B. bei den friedlichen Nymphensittichen. Mit Ziegensittichen kann es problematisch werden, wenn diese in Brutlaune kommen, denn dann werden vor allem die Hähne oftmals aggressiv. Und – Ziegensittiche kommen sehr leicht und oft in Brutlaune! Sie gehören mit zu den brutlustigsten Sitticharten! Allerdings lässt sich die Brutlust durch die Haltung in einem größeren Schwarm manchmal ganz gut eindämmen, da die Tiere einfach besser abgelenkt sind und nicht so die Ruhe haben.

rickymimiFoto: Nymphensittich und Wellensittich in friedlicher Koexistenz…

Eine Vergesellschaftung von Sittichen mit größeren Papageien ist nicht sinnvoll, wenn man sich mal einen Papageienschnabel anguckt, weiß man, warum. Selbst wenn die Vögel grundsätzlich friedlich miteinander leben sollten, kann immer mal eine Konfliktsituation aufkommen und schon ist es passiert. Gerade kürzlich ist mir ein Fall von einem durch einen Papagei abgebissenen Oberschnabel eines Wellensittichs bekannt geworden. Eine schlimme Verletzung! Wenn man Sittiche und Papageien halten möchte, sollte man genügend Platz haben, dass man getrennte Volieren anlegen kann.

img_4430Foto: Die Mohrenkopfpapageien haben ihren eigenen Bereich

Grundsätzlich bin ich der Meinung: “Weniger ist mehr”. Lieber weniger Vogelarten halten und diesen gerecht werden. So kann man sich besser auf die Tiere und ihre Bedürfnisse konzentrieren und sie haben normalerweise dann auch mehr Platz.

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