Warum Nymphen?

Was macht die “Faszination Nymphensittich” eigentlich aus?

Nymphensittiche stecken voller Gegensätze:

  • Sie sehen lustig aus mit ihren Hauben und orangen Bäckchen, sind aber trotzdem majestätische Erscheinungen.
  • Sie sind hoch sensibel, aber trotzdem relativ einfach zu halten.
  • Sie werden zwar vom Namen her zu den Sittichen gezählt, sind aber trotzdem kleine Kakadus.
  • Sie haben ein großes Flugbedürfnis, können aber dennoch ganz gut in einer Mietwohnung gehalten werden.
  • Sie müssen, um glücklich zu sein, mit Artgenossen gehalten werden, können sich aber auch dann eng an den Menschen anschließen und zahm werden.
  • Sie sind überwiegend grau, aber dennoch von einmaliger Schönheit.
  • Sie können mit ihren harten Schnäbeln gefährlich zubeißen, sind aber eigentlich ganz friedliche Gesellen.
  • Sie haben sehr laute Stimmen, sind aber meist den ganzen Tag nicht zu hören.

Es handelt sich um wirklich interessante Tiere, die es wert sind, dass man sich intensiver mit ihnen beschäftigt!

williFoto: Die kleinen “Rotbäckchen” haben viel Potential!

Warum Nymphensittiche?

Vorneweg: Es müssen keine Nymphensittiche sein. Es gibt eine Menge Haustiere, mit denen man glücklich werden kann. Zu den eigenen Bedürfnissen müssen sie passen, das ist der Punkt. Wer ein Tier möchte, was er problemlos mitnehmen kann, der ist wahrscheinlich mit einem Hund besser beraten. Wer einen Kameraden sucht, der sich gerne auf dem Sofa streicheln und kraulen lässt, nimmt wahrscheinlich besser eine Katze (wobei sich natürlich auch zahme Nymphensittiche kraulen lassen, aber vor den Erfolg hat Gott hier erst mal die Geduld gesetzt…). Wer nicht genügend Platz hat, um sich mindestens ein Nymphensittichpärchen anzuschaffen und diesem täglich Freiflug zu gewähren, sollte sich lieber nach einem Tier umgucken, was weniger Platz braucht (wobei er wahrscheinlich, wenn er sich näher informiert, überrascht sein wird, wieviel Platz ein jedes Haustier doch eigentlich braucht, wenn es artgerecht gehalten werden soll!).

Nymphensittiche machen viel Dreck, brauchen viel Platz, können laut sein… wer es gerne etwas komfortabler haben möchte, kann z. B. mit Wellensittichen gut bedient sein. Diese hinterlassen kleinere, trockenere Kleckse, die verhältnismäßig gut wegzumachen sind, haben nicht so ein lautes Organ wie Nymphen (wobei sie im Gegensatz zu den Nymphen den ganzen Tag am Brabbeln sind und auch ihre Lautstärke nicht unterschätzt werden darf!), sondern nicht so viel Gefiederstaub ab wie Nymphensittiche, sind mit einem etwas kleineren Käfig zufrieden (wobei zumindest Paarhaltung und täglicher Freiflug auch hier Pflicht ist!) und haben ebenfalls einen hohen Spaßfaktor!

Wer weiß, worauf er sich einlässt, und sich trotz allem für Nymphensittiche entscheidet, kann mit diesen Vögeln sehr glücklich werden! Mindestens genauso glücklich wie mit einem “großen” Papagei oder mit einem Kakadu, da diese Vögel wirklich schwierig zu halten sind.

kleinerkakaduFoto: Die enge Verwandtschaft mit den Kakadus lässt sich nicht verleugnen!

Die Haltung von Großpapageien und Kakadus ist mit hohen Kosten verbunden, die Vergesellschaftung ist ungleich schwieriger (auch Papageien sind Schwarmtiere und mindestens paarweise zu halten), es wird wesentlich mehr Platz benötigt (auch Papageien und Kakadus müssen fliegen können), sie haben ein höheres “Zerstörungspotential” (wobei auch der Nagetrieb der Nymphies nicht unterschätzt werden darf!), machen noch mehr Dreck, haben einen wesentlich kräftigeren Schnabel und die Haltungsbedingungen sind teilweise schwer herzustellen (Luftfeuchtigkeit, Ernährung). Die Haltung von Papageien und Kakadus ist daher nicht für “jedermann” geeignet und sollte gut überlegt sein. Es gibt leider schon viel zu viele aufgrund von Haltungsfehlern verhaltensgestörter Papageien.

Nymphensittiche sind wesentlich einfacher zu halten, wobei natürlich das gleiche gilt, dass die Anschaffung gut überlegt sein sollte, denn die sensiblen Nymphen neigen genauso zu Verhaltensauffälligkeiten, wenn ihnen die Haltung nicht behagt. Im Kapitel “Haltung” erfahren Sie mehr dazu und können sich ein Bild machen, ob Nymphensittich zu Ihnen passen und ob Sie in der Lage sind, Nymphensittichen ein gutes Leben zu bereiten!

Ein zufriedenes Nymphensittichpärchen oder gar ein kleiner Schwarm kann unser Leben meiner Meinung nach sehr bereichern: Sie sind interessant zu beobachten, werden leicht zutraulich und können aktiv am Familienleben teilnehmen (zumindest in dem Raum, in welchem sie Freiflug haben).

 

Artgerechte Nymphensittichhaltung

Wer schon einmal Nymphensittiche in freier Natur beobachten konnte, wird sich von dem Gedanken, dass man diese Vögel in menschlicher Obhut auch nur einigermaßen naturgerecht halten kann, schon verabschiedet haben. Nymphensittiche sind große Flieger, die schnellsten Flieger Australiens, und legen dort an manchen Tagen Strecken von 100 km und mehr zurück. Sie leben in riesigen Schwärmen. Derartige Bedingungen können wir Menschen den Sittichen niemals bieten. Da mag so mancher frustriert von der Vogelhaltung allgemein Abstand nehmen.

rueckansicht_zooFoto: Auch im Zoo sind die Bedingungen nicht wie in der freien Natur (zoolog.-botan. Garten Wilhelma, Stuttgart)

Bedenken sollte man jedoch, dass die Vögel, die in menschlicher Obhut geboren sind, die “große Freiheit” gar nicht kennen und somit auch nicht vermissen. Sie haben auch keine Veranlassung dazu, weite Strecken zu fliegen, denn sie bekommen ihr Fressen frei Haus serviert. Zudem sind sie vor Fressfeinden geschützt und leben somit ein recht bequemes Leben. Mit ihren Artgenossen, auch wenn es keine großen Schwärme sind, können sie in soziale Interaktion treten und ihr angeborenes Verhalten ausleben. Das Leben in “Gefangenschaft” hat somit nicht nur Nachteile. Dass wir es den Vögeln, bei allen Kompromissen, so schön wie möglich machen, versteht sich von selbst!

Oberstes Gebot: Keine Langeweile!

Besonders wichtig finde ich, dass die Vögel auch bei uns eine Beschäftigung haben und nicht den ganzen Tag nur stumpf in einem engen Käfig herumsitzen müssen. Es gibt vielerlei artgerechter Beschäftigungen, die man seinen Nymphensittichen bieten kann, eine davon ist die Beschäftigung mit einem oder mehreren Artgenossen. Auch das Fliegen ist wichtig, das Klettern und Nagen kommt dazu. Manche Nymphensittiche sind sehr neugierig und entdecken gerne Neues, suchen gerne Leckerchen in einer Wühlkiste oder lassen sich von ihrem Menschen lustige Tricks oder Kunststücke beibringen. Viele Nymphensittiche lieben es auch, zu baden. Welche Beschäftigungen Ihren Nymphensittichen besonders Spaß machen, werden Sie bestimmt herausfinden!

Keine Einzelhaltung!

Es ist schon in den vorhergehenden Abschnitten angeklungen: Nymphensittiche dürfen als Schwarmtiere nie alleine gehalten werden! Spätestens wenn der Mensch ihnen nicht genügend Zeit widmen kann, werden sie verkümmern und Verhaltensauffälligkeiten entwickeln, wie Dauerschreien oder Federrupfen. Am besten klappt die Haltung mit einem gegengeschlechtlichen Partnervogel. Auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften können gutgehen, allerdings nicht in jedem Fall. Auch kleine Schwärme funktionieren besser mit einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis, wobei es nicht mal sein muss, dass sich die Tiere tatsächlich auch verpaaren.

Lange allein gehaltene Nymphensittiche zu vergesellschaften ist nicht immer leicht, aber einen Versuch sollte es wert sein (oder auch mehrere!).

Auch wenn sich die friedlichen Nymphensittiche ganz gut mit einigen anderen Sitticharten gemeinsam halten lassen (z.B. Wellensittichen, Bourkesittichen, Katharinasittichen, Glanzsittichen), müssen sowohl die Nymphensittiche als auch die anderen Vögel arteigene Partner haben.

GruppenhaltungFoto: Die friedlichen Nymphensittiche lassen sich auch zusammen mit anderen Vögeln halten (hier: Hansis Vogelpark, Böhl-Iggelheim)

Einen einzelnen Nymphensittich mit z.B. einem Wellensittich zu vergesellschaften, ist nicht wesentlich besser als eine Einzelhaltung, denn die beiden Arten verstehen sich nicht wirklich, auch wenn sie in genügend großen Volieren recht friedlich nebeneinander her leben können. Zudem sollte in gemischten Schwärmen darauf geachtet werden, dass die Nymphensittiche in der Überzahl sind. Es ist nämlich keineswegs so, dass die körperlich eigentlich überlegenen Nymphies die Wellensittiche einschüchtern, sondern umgekehrt. Die aggressiveren und lebhafteren Wellis können den Nymphensittichen ganz schön auf den Geist gehen und sollten daher wenigstens zahlenmäßig immer unterlegen sein. Auch ist es wichtig, dass die Voliere so groß ist, dass jeder der beiden Schwärme Rückzugsmöglichkeiten hat. Bei einer Käfighaltung ist es am besten, wenn jede Art ihren eigenen Käfig hat und sie sich nur beim Freiflug begegnen.

welliundnymphieFoto: Welli und Nymphie sollte man nur bei viel Platz miteinander halten

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