Zahm im Schwarm

Nymphensittiche sind friedliche Sittiche, die sich gut im Schwarm halten lassen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Papageienvögeln, z. B. auch im Gegensatz zu Wellensittichen, gibt es bei Nymphies auch während der Brutzeit wenig bis keine Probleme. Eine sogenannte Koloniebrut ist also möglich. Auch wer nicht züchten möchte, hat mit einem Kleinschwarm von vier Tieren bestimmt mehr Spaß als mit einem Pärchen, da man mehr Interaktionen der Tiere untereinander beobachten kann. Vorsicht aber, denn die Staubmenge, die von den Tieren abgesondert wird, erhöht sich mit jedem einzelnen Vogel! Und dies ist bei Nymphensittichen nicht wenig! Auch ist für vier Nymphen schon eine sehr große Voliere erforderlich. Wer sich deshalb gegen die Haltung im Schwarm entscheidet, sollte aber wissen: Die Paarhaltung ist Pflicht! Einzelhaltung geht bei Nymphensittichen, sowie auch bei allen anderen Papageienvögeln, gar nicht!

Viele Halter, die sich Nymphensittiche anschaffen, wünschen sich zahme Tiere. Auch in der heutigen Zeit werden diese geselligen Vögel oft allein gehalten, mit der falschen Vorstellung, dass mehrere Tiere nicht zahm werden oder bleiben.

Wie zahm oder wenig zahm Ihre Nymphensittiche werden, hängt aber von verschiedenen Faktoren ab, zunächst von der Herkunft: Tiere, die schon längere Zeit ohne engen menschlichen Kontakt gelebt haben, z.B. in Zoohandlungen, oder die gar schon schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben (scheue Abgabetiere), werden wesentlich schwerer zutraulich wie Jungtiere direkt vom Züchter oder Tiere, die beim Vorbesitzer bereits engen menschlichen Kontakt kennengelernt haben.

Ein weiterer Faktor ist natürlich die Zeit, die man selber den Tieren widmet. Mit Geduld und Liebe lässt sich viel erreichen. Allerdings hat jeder Nymphensittich seinen eigenen Charakter und entscheidet selber, wie zahm er letztlich wird.

Dass nur einzeln gehaltene Nymphensittiche zahm werden, oder nur Nymphensittiche, die per Handaufzucht aufgezogen worden sind, sind Mythen, die inzwischen längst widerlegt sind. Leider hat sich das trotz Internetzeitalter noch nicht bis überallhin herumgesprochen. Die Einzelhaltung führt im Gegenteil meist zu Problemen, da die Tiere, wenn sie geschlechtsreif geworden sind, nicht selten sexuell frustriert sind und Verhaltensstörungen entwickeln. Ich kann daher nur eindringlich von einer Einzelhaltung abraten. Gönnen Sie sich wenigstens zwei Nymphensittiche, und Sie werden viel Spaß mit ihnen haben!

Wie zähmen?

Wenn die Nymphensittiche neu bei uns eingezogen sind, geht es zunächst darum, dass sie die Angst vor uns verlieren. Wir nähern uns dem Käfig mit ruhigen Bewegungen und reden leise und unaufgeregt mit ihnen. Wir nähern uns dem Käfig nur so weit, wie es geht, ohne dass sie aufgeregt umherflattern. Diese Distanz lässt sich mit der Zeit immer mehr verkleinern. Wenn wir direkt am Käfig stehen können, ohne dass sie sich aufregen, können wir einen Schritt weitergehen: Wir stecken einen Hirsekolben durchs Gitter. Unter Umständen kann es viele Tage oder gar Wochen dauern, bis sich einer der Vögel traut, an der Hirse zu beißen. Wichtig ist, dass die Nymphies Kolbenhirse generell kennen. Sie sollten sie jedoch ab dem Zeitpunkt, wo wir sie zum Zähmen verwenden, nur noch aus der Hand angeboten bekommen. Für Vögel, die auf andere Leckerchen mehr abfahren, bieten sich natürlich auch diese Leckerchen zum Zähmen an. Der Vorteil an der Kolbenhirse ist, dass man aufgrund des langen Stiels mit der Hand zunächst relativ weit weg bleiben kann.

nymphiesFoto: Verfressene Nymphensittiche werden schnell futterzahm

Wenn ein Vogel so weit ist, dass er von der Kolbenhirse frisst, halten wir diese mit der Zeit so fest, dass die Hand immer näher kommt. Es ist aber immer noch das Käfiggitter zwischen uns und dem Tier. Erst wenn der Vogel die Hirse frisst, wenn wir mit der Hand schon relativ nahe bei ihm sind, versuchen wir es ohne Gitter, entweder außerhalb des Käfigs, beim Freiflug, oder im Käfig mit offener Käfigtür. Wenn wir es im Käfig probieren, bleiben wir aber in der Nähe der Türe. Es ist nicht gut, weit in den Käfig hineinzugreifen, denn das soll der Rückzugsbereich der Vögel bleiben. Wenn der Nymphie dann auch ohne Gitter dazwischen aus der Hand frisst, können wir beginnen, ihn auf die Hand zu locken. Am besten ist hier, mit beiden Händen zu arbeiten, die eine Hand hält die Hirse hinter der anderen Hand, auf die gestiegen werden soll. Auch hier bedrängen wir die Tiere nicht im Käfig, sondern bleiben am Türchen und lassen die Vögel zu uns kommen. Wie schnell dies klappt, ist von Vogel zu Vogel völlig unterschiedlich. Meistens hat man einen mutigeren dabei, der dem oder den anderen als gutes Beispiel dient.

Wenn ein Vogel sicher und ohne zu zögern zum Fressen auf die Hand kommt, kann man ihm die Hand auch mal ohne Hirse hinhalten, und gucken, ob er auch dann draufsteigt.  Wenn der Vogel zurückweicht, immer sofort aufhören.

Je nach Vorleben des Vogels kann es mit dem Zähmen schnell oder langsam gehen. Die besten Erfolge erzielt man mit jungen Vögeln direkt vom Züchter, oder mit Vögeln, die mit Menschen bereits vertraut sind.

Ein Wort zu Handaufzuchten

Viele Züchter geben zahme Vögel ab, die sie, zumindest teilweise, selbst gefüttert haben. Eine solche Handaufzucht oder Teilhandaufzucht kann manchmal notwendig werden, z.B. wenn die Eltern nicht richtig füttern und man kein geeignetes Paar hat, dem man die Jungen unterschieben kann. Handaufzuchten bergen jedoch auch Risiken, z.B. können die empfindlichen Kröpfe der Jungtiere verletzt werden, es kann zu viel, zu wenig oder das Falsche gefüttert werden. Auch besteht die Gefahr einer Fehlprägung, dass nämlich der Nymphensittich auf Menschen statt auf Artgenossen geprägt wird, besonders wenn er in der Handaufzuchtphase keinen Kontakt zu erwachsenen Nymphensittichen hat. Dies führt dann oftmals so ab der Pubertät zu Problemen, z.B. Aggressivität oder Autoaggressivität.

Warum zahme Nymphensittiche?

Ohne Zweifel sind auch nicht zahme Nymphensittiche interessante Haustiere. Es macht Spaß, ihr Verhalten zu beobachten und ihnen z.B. tolle Kletterplätze zu bauen.

Dennoch ist das Zusammenleben mit zahmen Nymphensittichen wesentlich entspannter. Wenn die Vögel auf die Hand kommen, kann man sie bei Bedarf in den Käfig zurück bringen oder in eine Transportbox setzen. Sie lassen sich bei Krankheiten leichter behandeln und auch der Tierarztbesuch wird wesentlich stressfreier. Denn Nymphensittiche haben schon sehr schmerzhafte Schnäbel. Wenn man sie einfangen muss und sich dabei selber Bisse einfängt, ist das nicht ganz so lustig!

Hier gibt es einen ausführlichen Beitrag zum Zähmen von Wellensittichen. Bei Nymphensittichen kann man das im Grunde ganz genauso machen!

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