Clickertraining

Wer sich intensiv mit seinen Sittichen beschäftigen möchte und ihnen vielleicht auch das eine oder andere beibringen will, dem sei das Clickertraining empfohlen. Hier wird mit Hilfe eines Markers (Knackfrosch) erwünschtes Verhalten bestärkt. Papageienvögel sind normalerweise sehr begabt und lernen schnell!

Das Clickertraining ist eine Methode, die schon vor über dreißig Jahren in den USA entwickelt und angewandt wurde. Sie kommt ursprünglich aus der Dressur von Delphinen. Karen Pryor war eine der ersten Tiertrainer, die das Clickertraining angewandt hat. Wer hierzu Einzelheiten und wissenschaftliche Hintergründe erfahren möchte, dem sei ihr Buch: Positiv bestärken – sanft erziehen empfohlen.

Hier möchte ich, um den Rahmen nicht zu sprengen, nur praktische Hinweise zum Clickertraining mit Papageienvögeln geben. Interessant finde ich jedoch die Tatsache, dass selbst Aquarienfische mit Clickertraining ausgebildet werden können. Als Marker (“Clicker”) wurde dabei ein Lichtsignal verwendet. Ich selber nutze das Clickertraining schon seit einigen Jahren bei der Hundeerziehung und war zunächst skeptisch, was den Einsatz bei Sittichen angeht. Dann habe ich mir jedoch gedacht, was mit Aquarienfischen funktioniert, muss mit den intelligenten Sittichen auch funktionieren und habe einfach mal angefangen. Und muss sagen, dass ich bessere und schnellere Erfolge erzielt habe, als bei unserem Hund. Meine Vögel sind ungeheuer motiviert, begeistert, lernwillig und lernfähig, es ist eine wahre Freude. Und wenn man Erfolgserlebnisse hat, ist man selber motiviert, weiterzumachen.

Um was geht es eigentlich?

Es geht darum, dass man einem Tier mithilfe eines Markers zu verstehen gibt, wann es etwas richtig gemacht hat, und dieses Verhalten durch eine Belohnung bestärkt. Das Tier lernt, dass der “Click” eine Belohnung nach sich zieht, und versucht durch sein Verhalten, dieses Clicken hervorzurufen. Warum aber gibt man dem Tier nicht einfach eine Belohnung, sondern setzt zusätzlich den Clicker ein? Es gibt Situationen, da kann man einfach keine Belohnung geben (z.B. wenn der Vogel auf der Gardinenstange sitzt). Belohnt werden muss aber quasi in der Sekunde, in der das erwünschte Verhalten gezeigt wird, sonst bringt der Vogel Verhalten und Belohnung nicht in Zusammenhang. Durch das Clicken kann man somit auch aus der Entfernung immer zum richtigen Zeitpunkt mitteilen, dass gerade das gewünschte Verhalten gezeigt wurde. Das Tier weiß dann, jetzt gibt es die Belohnung und wird sie sich, entweder aus der Belohnungsschale oder aus der Hand des Trainers, je nachdem wie trainiert wird, abholen. Und um wieder eine Belohnung zu bekommen, wird es das gezeigte Verhalten wiederholen. Wenn das Tier dann sicher die gewünschte Handlung zeigt, führt man den Befehl dafür ein. Also das Tier lernt zuerst, was es zu tun hat, danach erst kommt der Befehl dazu. Wenn auch dies sitzt, kann man den Clicker langsam wieder ausschleichen, indem man zunächst unregelmäßig und nach und nach gar nicht mehr bestärkt. Das gewünschte Verhalten wird nun auf den entsprechenden Befehl hin gezeigt. Wobei der Befehl nicht unbedingt ein Wortbefehl sein muss, es eignen sich auch Handzeichen.

Wie funktioniert es?

Zunächst sollte man herausfinden, was sich als Belohnung eignet. Es muss etwas sein, was den Vogel tatsächlich zum Mitmachen motiviert, was er also sehr gerne hat. Und es sollte etwas sein, was die Sittiche dann nur noch beim Training bekommen, damit es wirklich etwas besonderes ist. Bei meinen Wellensittichen habe ich mich zum Beispiel für rote Kolbenhirse entschieden. Meine fahren zwar auch sehr auf Gurke und verschiedene grüne Kräuter wie Basilikum oder Löwenzahn ab, dies sind aber so gesunde Nahrungsergänzungen, dass ich sie nicht nur aufs Training beschränken will. Gerade in der Mauser ist Gurke ein wertvoller Mineralienlieferant. Kolbenhirse hingegen hat relativ viele Kalorien und sollte von daher sowieso nicht in rauhen Mengen verzehrt werden, um Übergewicht vorzubeugen.

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Auch muss man sich überlegen, wie die Belohnung gegeben wird. Viele Sittiche fressen zu Beginn des Trainings noch nicht aus der Hand wie der Wellensittich auf dem Foto. In diesem Fall trainiert man mit Belohnungsschale. Das heißt, man bringt irgendwo eine Schale an, auf die die Belohnung gelegt werden kann, so dass sie der Vogel leicht holen kann. Ich habe anfänglich ein Plastikschälchen am Käfiggitter festgemacht. Später trainierte ich nur noch außerhalb des Käfigs und gebe die Belohnung aus der Hand.

Auch muss man sich Gedanken darüber machen, was man als Clicker, als Marker für die Belohnung, verwendet. In der Hundeerziehung werden normalerweise solche Knackfrösche verwendet, bei denen mittels eines Metallplättchens ein klickendes Geräusch erzeugt wird.

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Das macht daher Sinn, da es ein Geräusch ist, was normalerweise nicht zu hören ist und was immer gleich klingt. Ich habe jedoch beim Clickern mit meinen Vögeln festgestellt, dass ich oft eine Hand zu wenig habe, dadurch, dass ich die Vögel ganz oft eben auch auf der Hand sitzen habe. Dann soll die Belohnung gegeben werden, vielleicht benutzt man noch einen Targetstick – und was ist dann mit dem Clicker??? Deshalb bin ich inzwischen dazu übergegangen, einfach mit der Zunge am Gaumen zu klicken.

Als erster Schritt muss der Vogel auf den Clicker konditioniert werden, d.h. er muss das Clicken in Zusammenhang mit der Belohnung bringen. Ich habe das so gemacht, dass ich von der Kolbenhirse ein kleines Kügelchen abgebrochen habe, dies ins Belohnungsschälchen geworfen habe, geklickt habe und dann gegangen bin. So konnten die Sittiche in aller Ruhe nachgucken, was da jetzt in dem Schälchen liegt. Dies habe ich ein paar Tage lang, immer wieder, so praktiziert. Es war zu beobachten, dass die Vögel immer schneller die Belohnung abholen kamen. Irgendwann war klar, jetzt haben sie es begriffen: Click bedeutet, ich kann mir ein Leckerchen abholen kommen! Bei Vögeln, die nicht so scheu sind und bereits aus der Hand fressen, klickt man einfach in dem Augenblick, in dem der Sittich in den Belohnungshappen reinbeißt.

Dann muss der Vogel lernen, dass er das Kommen des Clicks mit seinem Verhalten beeinflussen kann. Wir müssen uns jetzt überlegen, welches Verhalten wir verstärken wollen. Meist wird als erste Übung das Beißen in einen Targetstick geübt. Ein Targetstick ist eine Art Zeigestock, mit dem man nachher den Vogel ganz gut in bestimmte Richtungen dirigieren kann (z.B. ein chinesisches Essstäbchen). Ich habe jedoch die Erfahrung gemacht, dass es gar nicht so geschickt ist, den Vogel das Hineinbeißen in diesen Stock beizubringen, da dadurch allgemein die Tätigkeit des Hineinbeißens verstärkt wird, und die Vögel dann auch öfter mal in die Finger beißen, was bei mir  nicht so erwünscht ist! Seitdem trainiere ich nur doch das Berühren des Targetsticks mit dem Schnabel.

Wie bringt man den Sittich nun aber dazu, den Targetstick mit dem Schnabel zu berühren, so dass man ihn dafür belohnen kann? Am Anfang müssen wir jeden Schritt clicken und belohnen, der in die richtige Richtung weist. Bei sehr ängstlichen Vögeln kann es sein, dass es bereits C&B (Click und Belohnung) gibt, wenn wir zwei Meter vom Käfig entfernt mit dem Stock in der Hand stehen und er ruhig sitzen bleibt. Nach und nach clicken und belohnen wir erst, wenn wir näher beim Käfig stehen. Irgenwann geht der Stab dann mal durchs Käfiggitter. Und nun ist der Vogel gefragt, nun geht es um seine eigene Aktivität. Am Anfang wird jede kleinste Bewegung in Richtung des Stocks mit C&B honoriert. Das kann auch schon das Drehen des Kopfs in die richtige Richtung sein. Wie lange es dauert, bis der Vogel begreift, was wir von ihm wollen, lässt sich schlecht vorhersagen. Bei der ersten Übung kann dies schon eine Zeit dauern, da der Sittich ja das Prinzip Clickertraining noch nicht kennt. Erfahrene Clickervögel probieren bereitwillig verschiedene Verhalten aus, um zu gucken, was gewünscht wird. Es ist auf jeden Fall besser, mehrmals am Tag kurze Übungen durchzuführen, da die Aufmerksamkeitsspanne, gerade am Anfang, nicht sehr lange ist. Zwei Minuten sind völlig ausreichend. In dieser kurzen Zeit sollte so viel wie möglich belohnt werden. Also nicht sparsam mit den Belohnungen sein und zu viel erwarten! Wenn der Vogel sicher den Stick mit dem Schnabel berührt, können wir anfangen, die Übung zu variieren, indem wir den Stick mal woanders hinhalten, oder mit offenen Käfigtürchen, oder oben zum Käfig reinstecken, oder, oder. Je nach Vogel kann es dann wieder eine Weile dauern, bis er mit den veränderten Gegebenheiten zurechtkommt und wieder zuverlässig macht, was er soll.

Erst wenn wirklich sicher bei jeder Gelegenheit und Abwandlung die gewünschte Reaktion kommt, wird das Signal eingeführt. Wir denken uns einen passenden Befehl aus, “komm”, “touch” oder was auch immer. Von nun an sagen wir den Befehl, zeigen den Stick, lassen den Sittich die Spitze berühren, clicken und belohnen. Wenn er einmal so den Stick berühren sollte, ohne dass wir das Signal gegeben haben, erfolgt jetzt kein C&B mehr. Sobald es mit dem Signal sicher klappt, wird das Clicken ausgeschlichen. Das heißt, wir clicken und belohnen nur noch jedes zweite Mal, dann nur noch unregelmäßig immer weniger, bis irgendwann gar kein C&B mehr kommt. Damit sich das Verhalten nicht verliert, sollte jedoch bei jedem Befehl von Zeit zu Zeit immer mal wieder geclickt und belohnt werden.

Wenn es Probleme gibt und das Training stagniert, ist es sinnvoll, einfach ein bisschen früher, an einem Punkt, wo der Vogel noch sicher ist, wieder einzusteigen und sich von dort aus langsam wieder vorwärts zu arbeiten.

Man kann übrigens auch ohne Probleme mehrere Verhalten parallel clicken und belohnen. Ich z.B. habe gerade im Vogelzimmer eine Transportbox stehen und möchte langfristig den Vögeln beibringen, auf Befehl in diese Transportbox zu gehen. Wenn ich nun irgendeine Übung mit ihnen mache und per Zufall einer der Vögel auf der Transportbox landet, gibt es C&B, auch wenn diese Übung gerade nicht dran ist. Im Grunde kann man jegliches erwünschtes Verhalten der Vögel bestärken.

Das Clickern mit mehreren Vögeln

Am Anfang hatte ich kein großes Problem, da nur einer meiner Sittiche, eine junge Wellensittichhenne, für das Clickertraining aufgeschlossen war. Sie war auch immer die Schnellste am Belohnungsschälchen, daher habe ich erst mal nur mit ihr geclickert. Nach kurzer Zeit war das Belohnungsschälchen überflüssig, sie hat die Belohnung bereitwillig aus der Hand genommen. Ein junger Hahn hat der Sache eine Zeitlang zugeguckt und sich dann, so nach zwei Wochen Training, auch eingeschaltet. Er hat dann übrigens die Belohnung direkt aus der Hand genommen, ohne den Umweg der Futterschale. Es wurde dann ein bisschen schwierig, da sie anfingen, sich die Belohnung gegenseitig streitig machen zu wollen. Ich bin dann konsequent dazu übergegangen, immer nur mit einem Vogel zur jeweiligen Zeit zu üben und nach mehreren Sekunden zum anderen Vogel zu wechseln. Dies wird jeweils mit dem Namen des Vogels angekündigt. Wenn die Sequenz für den Vogel beendet ist, sage ich wieder den Namen des Vogels und “Schluß”. Dann wende ich mich dem anderen Vogel zu, nenne dessen Namen, damit er begreift, dass er jetzt dran ist, mache die Übung, danach heißt es, z.B.  “Micky, Schluß” und ich wende mich wieder Mimi zu. Ich achte dabei darauf, dass auch wirklich nur der betreffende Vogel an der Hirse beißen darf. Den anderen Vogel muss ich da auch schon mal zur Seite schieben oder mit der anderen Hand etwas abschirmen. Aber es klappt immer besser, ich denke die Vögel begreifen so langsam das Prinzip und lernen so nebenbei auch noch ihren Namen (mit denen ich sie ohnehin oft anspreche).

meineujuliahand

Das hört sich jetzt alles sehr trocken und kompliziert an, man kommt aber schnell rein, sowohl Mensch als auch Vogel, und es macht Spaß. Es ist darüber hinaus unheimlich hilfreich und erspart den Sittichen viel Stress, wenn man sie z. B. im Notfall auf die Hand gerufen werden können, in die Transportbox gehen, ohne dass man einen Kescher braucht, aus eine Spritze trinken, oder ähnliches. Wenn dieses “Pflichtprogramm” sitzt, kann man natürlich auch kleine Kunststückchen nur zum Spaß trainieren.

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