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Züchten

Zum Züchten von Sittichen sind zwei Dinge besonders wichtig: Wissen und Geduld.

Das Wissen kann man sich erwerben durch das Lesen von Büchern zum Thema (s. unten, “Hobby Wellensittich-Zucht), oder von Internetseiten. Man kann Vorträge besuchen, mit anderen Züchtern reden und ihnen über die Schulter schauen.

Hobby Wellensittich-ZuchtFoto: Wer züchten will, sollte sich zuerst informieren!

Im Laufe der Zeit sammelt man auch selber Erfahrungen. Mir hat es immer geholfen, den Zuchtverlauf minutiös zu notieren, um bei Komplikationen vielleicht zu erkennen, wo es Abweichungen gegeben hat.

Mit der Geduld ist es nicht so einfach. Zu der muss man sich oft zwingen… Wenn zum Beispiel neue Vögel da sind, die man gerne sofort zur Zucht einsetzen würde, diese aber erst in die Mauser kommen. Wenn Jungtiere zwar bereits geschlechtsreif, aber noch nicht wirklich zuchtreif sind. Wenn man noch nicht weiß, ob es sich bei einem bestimmten Vogel um einen Hahn oder eine Henne handelt. Wenn man noch nicht weiß, ob die heiß ersehnten Eier auch befruchtet sind, etc.

IMG_3760Foto: Ob die Eier wohl befruchtet sind?

Es gibt viele Situationen im Züchterleben, die unsere Geduld auf eine harte Probe stellen! Damit muss man einfach leben und lernen, nichts zu überstürzen!

Zuchterlaubnis?

Früher brauchte man in Deutschland zum Züchten von Sittichen und Papageien eine Zuchtgenehmigung. Seit dem 1. Mai 2014 ist dies Geschichte. An diesem Tag ist das neue Tiergesundheitsgesetz in Kraft getreten. Dies hat das bisherige Tierseuchengesetz abgelöst. Im alten Tierseuchengesetz war im § 17 g geregelt, dass Züchter von Sittichen und Papageien eine Zuchterlaubnis benötigen. Sinn und Zweck der Sache war die Bekämpfung der Papageienkrankheit (Psittakose), einer Zoonose, also einer Tierseuche, die auf den Menschen übertragen werden kann. Da in der heutigen Zeit diese Krankheit durch Antibiotika leicht bekämpft werden kann, waren die bisherigen strengen Maßnahmen nicht mehr erforderlich. Die Psittakoseverordnung, die genau geregelt hat, wie im Falle eines Psittakoseausbruchs vorgegangen werden muss, ist bereits im September 2012 außer Kraft getreten. Im neuen Tiergesundheitsgesetz, welches wie gesagt seit Mai 2014 gilt, sind keine Regelungen zur Psittakose oder zur Zucht von Papageien oder Sittichen enthalten. Es gibt somit keine Zuchtgenehmigung mehr, aber auch keine Ringpflicht und keine Buchführungspflicht (Vorsicht: Die artenschutzrechtliche Ringpflicht besteht nach wie vor!). Viele Züchter beringen ihre Vögel aber aus praktischen Gründen weiterhin und führen natürlich auch Zuchtbücher. Über die möglichen Folgen der Abschaffung der Zuchterlaubnis könnt ihr hier nachlesen.

Ein paar wichtige Punkte für die Sittichzucht:

  • Erst das Wissen aneignen, dann anfangen!
  • Nur gesunde Tiere außerhalb der Mauser für die Zucht einsetzen
  • Nur erwachsene Tiere für die Zucht einsetzen (Mindestalter beim Wellensittich und Springsittich: 1 Jahr, beim Katharinasittich 15 Monate, beim Nymphensittich 1,5 Jahre, beim Bourkesittich besser 2 Jahre)
  • Die Tiere durch entsprechende Ernährung auf die Zucht vorbereiten und an Weichfutter gewöhnen
  • ganz wichtig ist dabei Calcium und Vitamin D 3 (bei Innenhaltung) für die Hennen, um sie aufs Eierlegen vorzubereiten
  • Geeignete Räumlichkeiten vorhalten (z. B. ausreichend große Zuchtkäfige und große Absatzvolieren für die Jungvögel)
  • Geeignete Nistkästen anbieten (Nistmulde!)
  • In Notfällen stets einen vogelkundigen Tierarzt konsultieren!

IMG_3793Foto: Wellensittichküken

Mutationszucht

Die hier vorgestellten Sittiche gibt es mittlerweile alle nicht nur in der Wildform, sondern in zahlreichen Mutationen. Eine Mutation ist eine bleibende Veränderung des Erbgutes, die auch, nach bestimmten Regeln, weiter vererbt werden kann. Je nach Mutation gibt es unterschiedliche Regeln, wie diese sich vererben (z. B. dominant). Viele Züchter haben großen Gefallen daran gefunden, durch Mutationen und Kombinationen immer wieder anders aussehende Vögel zu schaffen.

bourk10Foto: Bourkesittiche in Opalin (Mutation) und Wildfarbe

Es gibt dabei immer mal wieder Modeerscheinungen. Bei Wellensittichen kam vor einigen Jahren der Hype nach “Rainbows” auf, das sind Vögel der Blaureihe mit Gelbgesicht, Opalin und Hellflügel. Da sehr viele Züchter auf diese Rainbow-Welle aufgesprungen sind, sind heute sehr viele Bestände mit Hellflügeln und Opalinen “durchseucht”. Ich bin immer froh, wenn ich irgendwo mal noch Fotos von Wellis mit normaler Flügelzeichnung sehe. Oder auch Spangles ohne Opalin, was meine Lieblingswellensittiche sind (natürlich auch eine Mutation…).

Aber es ist nicht nur eine Geschmacksfrage, denn durch das Fixiertsein auf Farben und Zeichnungen, Federform, Haube und Gestalt, ist die Gesundheit oft auf der Strecke geblieben. Gerade bei vielen rezessiven Erbgängen ist zu beachten, dass die Vögel immer kleiner werden und nicht mehr so robust sind. Bei Wellensittichen ist die Lebenserwartung gerade mal halb so hoch wie noch vor zwanzig Jahren. Obwohl die Haltungen besser geworden sind. Es ist abzusehen, dass dies bei den anderen Sitticharten ähnlich werden wird. Gerade bei Bourkesittichen schwappen in den letzten Jahren immer wieder neue Mutationen und Kombinationen aus Belgien und Holland zu uns herüber und wecken den Ehrgeiz der Züchter. Aber auch bei den Katharinasittichen (z. B. Grauflügel) und den Laufsittichen (z. B. blaue und cremefarbene Ziegensittichen) ist das Mutationsfieber bei vielen Züchtern ausgebrochen.

Mittlerweile ist allerdings auch eine Gegenbewegung entstanden, Züchter, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, rein wildfarbene Tiere zu züchten, um die Wildform in unseren Volieren zu erhalten. Dies ist gar nicht mehr so einfach, da es von vielen Sitticharten kaum noch rein wildfarbene Tiere gibt. Wer sich dafür interessiert, kann auf der Internetseite der Gesellschaft für arterhaltende Vogelzucht (GAV) stöbern.

Ich habe mir meinen eigenen Weg gesucht. Ich unterstütze die GAV mit meiner Mitgliedschaft, züchte aber auch Sittiche in Mutationen. Allerdings achte ich weniger auf die Farben, sondern mehr auf Robustheit, Gesundheit und Charakter, auch wenn dies mit sich bringt, dass ich manche Farbschläge nicht in meinen Volieren habe.

vier KathiesFoto: Bunte Katharinasittiche – robust und gesund

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