Springer extra

Zur Haltung von Sittichen habe ich hier schon allerlei geschrieben. Springsittiche sind aber in vielen Dingen etwas Besonderes. Daher hier noch ein paar Haltungshinweise speziell für die munteren Springsittiche:

Was also ist an Springsittichen so besonders?

  • Sie sind sehr neugierig und aktiv
  • Sie haben ein großes Bewegungs- und Beschäftigungsbedürfnis
  • Sie machen Schmutz.

So. Und genau hier erkennt man das Problem: Wer die Vögel in der Wohnung halten möchte, kann schnell an seine Grenzen stoßen. Die Haltung in einer normalen handelsüblichen Zimmervoliere mit 1 m Breite ist für diese Tiere aufgrund ihres Bewegungsdrangs für eine Haltung ohne Freiflug nicht geeignet. Wenn man ihnen jedoch ganztägigen Freiflug anbietet, bekommt man Probleme mit ihrem Aktivitätspotential und ihrer Neugierde. Die Tiere untersuchen alles, kriechen in alle möglichen Ritzen und machen beim Untersuchen vielleicht auch mal was kaputt. Wenn das Zimmer also nicht wirklich sehr gut vogelsicher ist, kommt ein unbeaufsichtigter Freiflug nicht in Betracht.

männl. Springsittich

Foto: Männlicher Springsittich

Auch die Tatsache, dass die Springsittiche recht viel Schmutz machen können, spricht nicht unbedingt dafür, sie überall in der Wohnung herumfliegen zu lassen. So lieben sie es, zu scharren, was dazu führen kann, dass Futterspelzen und Einstreu im Zimmer verteilt werden. Sie sollen viel Obst und Gemüse angeboten bekommen, was dann oftmals auch geschreddert und verteilt wird. Ein Trick ist, dies in einer größeren Kunststoffschale anzubieten…

Wanne

Foto: Badeschale und Obst in einer Kunststoffwanne anbieten schont die Umgebung!

Den Kot von Springsittichen finde ich trotz des hohen Obstanteils in der Nahrung relativ unauffällig, in etwa vergleichbar mit dem Kot von Nymphensittichen. Keineswegs vergleichbar mit den großen Kotmengen von Katharinasittichen, die in den Ernährungsansprüchen ähnlich sind.

Durch die Tatsache, dass fast alle Laufsittiche gerne baden, ist die Umgebung des Vogelbades gerne mal nass…

Auch hier bewährt sich die Kunststoffwanne, in der die Wasserschale steht!

Wie soll man Springsittiche also halten?

Am besten in einer mehrere Quadratmeter großen, mit viel Beschäftigungsmaterial ausgestatteten, Voliere, an die idealerweise eine Außenvoliere angeschlossen ist. Laufsittiche können auch im Winter in einer Außenvoliere gehalten werden, wenn ein frostfreies Schutzhaus angeschlossen ist, in welches sie sich zurückziehen können.

Bei einer Wohnungshaltung empfielt sich am besten ein eigenes Vogelzimmer, idealerweise mit einem verdrahteten Fenster, so dass man ihnen Sonnenstrahlen (ohne Glasbarriere) und frische Luft gönnen kann. Auch eine Haltung in einer großen Zimmervoliere (so ab 2 m x 1 m x 2 m L x B x H) ist, mit Freiflug, möglich. Manche Halter bauen entsprechend große Zimmervolieren selbst. Hierbei kann auch Holz verbaut werden, da dieses, wenn frische Äste zum beknabbern angeboten werden, normalerweise nicht zerstört wird (Ausnahmen können die Regel allerdings bestätigen…). Eine Käfighaltung oder Haltung in einer handelsüblichen kleineren Voliere ist nur dann möglich, wenn wirklich ganztägig Freiflug geboten werden kann. Dieser sollte, wie gesagt, nur in einem wirklich vogelsicheren Zimmer erfolgen, oder ansonsten unter Aufsicht, aufgrund der großen Neugierde und Aktivität der Tiere. Diese Variante kommt daher nur für Hausfrauen, Selbständige, Rentner o.ä. in Frage, wo gewährleistet ist, dass dauerhaft jemand täglich zu Hause ist, um die Tiere fliegen zu lassen. Hier sollte man bitte auch Überlegungen einfließen lassen, dass sich Lebensumstände ändern können, denn Springsittiche können bis zu 25 Jahre alt werden.  Die genannten Maße verstehen sich für ein Paar, denn eine Einzelhaltung kommt, wie bei allen Sittichen und Papageien, nicht in Frage.

Wenn die räumlichen Voraussetzungen so gegeben sind, macht die Haltung von Springsittichen viel Freude. Dadurch, dass die Tiere so neugierig und aktiv sind, werden sie nämlich quasi von alleine zahm, wenn man unter Zahmwerden versteht, dass sie die Nähe des Menschen suchen und auch schnell mal auf Kopf oder Schulter landen und sich für das interessieren, was wir so machen.

Beschäftigung ist wichtig!

Es macht Sinn, Springsittichen viel Beschäftigungsmaterial anzubieten (Wühlkiste, Kletterseile, frische Äste, Intelligenzspielzeug, Futterverstecke, etc.), so dass sie nicht auf dumme Gedanken kommen.

Ihre Eigenschaft, dass sie die Verstecke von Leckerchen stets versuchen, aufzutreiben, kann man sich zunutze machen und mit ihnen Foraging (Verstecken von Futter) betreiben. So müssen sich die Tiere ihre Mahlzeit erst erarbeiten und sind beschäftigt.

Aber auch Schreddermaterial ist beliebt, z. B. Korkstücke, Spielzeug aus Bast zum Zerstören, Weidenbälle oder -ringe, Karton oder einfach frische Äste.

Ansonsten sind sie gerne fliegender- oder kletternderweise unterwegs. Neben viel Platz freuen sie sich somit auch über Kletterseile, Leitern, Kletteräste und ähnliches.

Ernährung

Durch die gerade beschriebene Aktivität der Springsittiche sind sie nicht ganz so gefährdet, übergewichtig zu werden, wie viele andere Sittiche oder Papageien. Sie sind recht verfressen, was man sich gut zum Zähmen zunutze machen kann. Sie brauchen aber letztlich auch relativ häufig etwas zum Fressen, aufgrund ihres schnellen Stoffwechsels. Dabei ist nicht nur ein vielseitiges Körnerfutter wichtig (z. B. Großsittichfutter ohne Sonnenblumenkerne, Neophemenfutter oder Sperlingspapageienfutter), sondern auch viel Obst, Gemüse und Grünfutter. Meine Springsittiche lieben zum Beispiel Äpfel, Birnen, Kiwis, Erdbeeren, alle anderen Beeren, Löwenzahn, Gurke, Paprika (mit Samenkernen), Tomaten, und, und. Sie sind keine mäkeligen Fresser und probieren auch gerne mal etwas Neues.

Ich füttere ein Körnerfutter ohne Sonnenblumenkerne, da ich ihnen diese gerne als Leckerchen anbiete.

Ab und zu dürfen sie auch tierisches Eiweiß haben, zum Beispiel in Form von Ameiseneiern, Mehlwürmern o.ä. Man kann solche Insekten im Zoohandel erwerben. Sich bewegende Insekten werden von Springsittichen mitunter sogar gejagt. Mottenmaden oder ähnliches haben daher in der Springsittichvoliere einen schweren Stand.

Wer sich vor Insekten ekelt, kann den Tieren auch einfach von Zeit zu Zeit ein Eifutter oder ein hart gekochtes, zerdrücktes Hühnerei anbieten.

Bruttrieb

Zu viel eiweißhaltiges Futter sollte nicht gegeben werden, da dies auch den Bruttrieb fördern kann, welcher bei Laufsittichen ohnehin gerne mal zum Problem werden kann (siehe auch hier). Um hier gegenzusteuern, sollte die weniger gehaltvoll gefüttert werden, also zum Beispiel nur noch Körnerfutter und eine Gemüseart (Gurke, Radieschen, Brokkoli, Stangensellerie, Fenchel, o.ä.). Im Extremfall kann man auch ganz auf Frischfutter verzichten, dann sollte aber ein Vitaminpräparat (z. B. Korvimin) gegeben werden. Möglich ist auch eine Umstellung auf Pellets (Roudibush, Harrison).

Auch sollte man, wenn möglich, die Tageslichtlänge verkürzen und auf keinen Fall Nisthöhlen oder ähnliche Gegenstände anbieten.

Wenn Springsittichhennen trotzdem legen, ist es am besten, die Eier einfach gegen Kunststoffeier für Wellensittiche auszutauschen, die man im Zoohandel erwerben kann. So macht es nichts, wenn die Hennen die Eier eine Weile bebrüten. Normalerweise verlieren sie nach einer gewissen Zeit das Interesse, wenn sie merken, es schlüpft nichts aus. Wenn ein Gelege aufgegeben wurde, sollte man besonders viel und interessantes Beschäftigungsmaterial anbieten, um die Tiere abzulenken und auf andere Gedanken zu bringen.

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