Männlein und Weiblein

Hahn oder Henne?

Beim erwachsenen Wellensittich kann man Männlein und Weiblein gut auseinanderhalten, sie unterscheiden sich an der Farbe der Wachshaut über dem Schnabel (das kleine Stück, in dem sich die Nasenlöcher befinden). Erwachsene Männchen haben eine kräftig blaue Wachshaut, bei Weibchen ist diese bräunlich. Wenn Hennen jedoch nicht in Brutstimmung sind, können sie auch eine weiße bis hellblaue Wachshaut haben. Diese ist jedoch nicht so kräftig blau wie beim Hahn und ist um die Nasenlöcher herum weiß. Dies trifft jedoch nicht für alle Farbschläge zu, bei Lutinos z.B. ist die Wachshaut beim erwachsenen Hahn rosa. Ein erfahrener Wellensittichzüchter kann die Geschlechter bereits im Alter von wenigen Wochen im Normalfall relativ sicher unterscheiden.

hennehahnFoto: Links Henne, rechts Hahn

Nachwuchs?

Wer einen männlichen und einen weiblichen Wellensittich zu Hause hat, kommt vielleicht auf die Idee, auch mal Nachwuchs zu wollen. Bis Mai 2014 brauchte  man in Deutschland zum Züchten von Wellensittichen, auch bei einer einmaligen Brut, eine behördliche Erlaubnis. Um diese zu bekommen, musste man die notwendige Sachkunde in der Haltung und Zucht von Wellensittichen nachweisen, sowie bei der Bekämpfung der Psittakose, der sog. Papageienkrankheit. Dies ist eine Tierseuche, die auch auf den Menschen übertragen werden kann, deshalb ist es wichtig, dass die Züchter von Sittichen und Papageien sich mit der Bekämpfung dieser Seuche auskennen. Eine weitere Voraussetzung zum Erhalt der Zuchterlaubnis war auch das Vorhandensein eines Quarantäneraums. Dieser musste außerhalb der Wohnung liegen, Wasseranschluss haben und desinfizierbar sein (z.B. gefliest). Schon aufgrund der Tatsache, dass man zum Erhalt der Zuchterlaubnis die nötige Sachkunde nachweisen musste, war die Zuchterlaubnis eine gute Sache. Es wurde so verhindert, dass ohne den erforderlichen Sachverstand darauf losgezüchtet wurde. Heute liegt es in der Verantwortung eines jeden einzelnen, sich vor einer Brut zunächst umfassend zu informieren. 

Denn wer züchten möchte, sollte auch bedenken, dass dies nicht nur schöne Seiten hat. Kleine Wellensittiche sind süß, das stimmt. Aber beim Züchten wird man durchaus auch mit unschönen oder gar ekelhaften Dingen konfrontiert. Nicht jeder kann und mag ein totes Küken, welches es nicht aus dem Ei geschafft hat, aus dem Nistkasten räumen. Was tun mit verkrüppelten, nicht lebensfähigen Küken? Was, wenn die Henne ihre Küken blutig rupft? Wer räumt gerne ein von der Henne übel zugerichtetes totes Küken aus dem Nistkasten? Was tun, wenn es noch nicht tot ist? Kann man im Notfall ein halbtotes Küken erlösen? Manchmal sieht man auf den ersten Blick, dass man es zum Tierarzt nicht mehr schafft… Man neigt dazu, zu glauben, sowas passiert bei mir nicht. Aber ihr könnt sicher sein, solche Dinge kommen bei jeden Züchter vor! Ich möchte hier niemanden vom Züchten abschrecken, es ist ein tolles Hobby. Aber es erfordert, dass man sich vorher Gedanken macht und umfassend informiert und vorbereitet. Über die Kenntnisse hinaus, die man für die Zuchterlaubnis braucht, sollte man sich z.B. auch ein bisschen mit Genetik bei Wellensittichen auskennen. Wer sich fürs Züchten entschieden hat, profitiert davon, dieses Buch durchzuarbeiten. Es entspricht zwar nicht in allem meinen Vorstellungen vom Wellensittiche züchten, man lernt jedoch viel.

201112292Foto: Totes Wellensittichküken, nicht aus dem Ei gekommen…

Auch sollte man sich dessen bewusst sein, dass sich mit einer Wellensittichzucht keine Reichtümer verdienen lassen, sondern dass man Geld liegen lassen wird. Ich finde das nicht schlimm, ein Hobby darf ruhig Geld kosten! Man sollte halt nicht mit falschen Vorstellungen an die Sache herangehen.

Und auch wenn die Fortpflanzung und Jungenaufzucht für Wellensittiche eine artgerechte Beschäftigung darstellt, muss man kein schlechtes Gewissen haben, wenn man seinen Vögeln dies nicht ermöglichen kann. Auch die wildlebenden Wellensittiche in Australien durchlaufen unter Umständen mehrjährige Pausen zwischen den Brutphasen, wenn das Nahrungsangebot nicht stimmt und Trockenheit herrscht. Besonders früher, als es noch weniger landwirtschaftliche Bewässerung gab, war dies so der Fall. Wellensittiche können auch ein erfülltes Leben führen, ohne sich fortzupflanzen, wenn man ihnen ein Zuhause bietet, wo sie sich nicht langweilen müssen!

Ungewollter Nachwuchs?

Um zu vermeiden, dass es zu ungewolltem Nachwuchs kommt, sollte man dafür sorgen, dass die Vögel erst gar nicht in Brutstimmung kommen. Dafür ist wichtig, dass die Wellensittiche keinen Nistkasten zur Verfügung gestellt bekommen. Es sollte auch nichts höhlenähnliches in der Umgebung der Vögel sein. Manchmal genügt schon ein Spalt zwischen Büchern auf dem Bücherregal.

 

amnymphienist2Foto: Ein Nymphensittichnistkasten, der nur wenige Stunden in der Voliere stand, wird von den Wellensittichen sofort als Brutgelegenheit erkundet!

Weitere Faktoren, die die Brutlust fördern, sind Wärme und viel Tageslicht (Sommer) sowie eine gute Ernährungssituation. Das Produzieren und Legen von Eiern stellt für eine Henne eine außerordentliche körperliche Leistung dar, welche durch entsprechende Vorbereitung unterstützt werden sollte, damit es nicht zu gefährlichen Komplikationen kommt (z.B. Legenot). Sollten wiederholt ungewollte Eier gelegt werden, dürfen diese der Henne nicht einfach weggenommen werden, da sie sonst unentwegt weiterlegt, sondern durch Kunststoff- oder abgekochte Eier ausgetauscht werden. Die Henne verliert dann nach einiger Zeit das Interesse an den Eiern, da ja nichts schlüpft. 

erstes_eiFoto: Das Aufhängen eines Nistkastens führt meist schnell zur Eiablage

Gewollter Nachwuchs!

Ein Gelege besteht in der Regel aus 4 – 8 Eiern, die im Abstand von 1 – 2 Tagen gelegt werden. Nach 18 Tagen, in entsprechendem Abstand schlüpfen die Jungen. Sie werden anfangs zumeist auf dem Rücken liegend von der Mutter gefüttert und erhalten von ihr die sogenannte Vormagenmilch. Der Vater kümmert sich um den Futternachschub und füttert die Mutter. Wenn die Jungen älter sind, werden sie auch vom Vater direkt gefüttert. Faszinierend ist, dass die Eltern die Jungen, die durch den Schlupf, der pro Küken zwei Tage auseinander liegt, sehr unterschiedlich alt sein können, altersgemäß richtig versorgen. Beobachtungen haben ergeben, dass die Welli-Eltern die Küken der Größe nach, beginnend beim Kleinsten, reihum füttern. Das kleinste Küken erhält so den dünnsten Futterbrei, das größte hat unter Umständen je nach Alter schon vorverdaute Körner dabei. Ich habe schon miterlebt, dass Wellensitticheltern acht Küken selbständig groß gezogen haben. Andere Züchter haben vereinzelt auch schon von noch größeren Bruten berichtet. 

gefuettertFoto: Am vollen Kropf (Beulen rechts und links vom Hals) sieht man, dass das Küken gefüttert wurde

Junge Wellensittiche sind direkt nach dem Schlupf rosafarben und erscheinen nackt. Zwischen dem 8. und dem 10. Lebenstag öffnen sie die Augen. Nach vier Wochen kann man damit rechnen, dass ein Jungvogel den Nistkasten verlässt. Viele lassen sich aber auch ein bisschen länger Zeit. Nach weiteren vier Wochen können die Jungvögel normalerweise selber fressen. Mit drei Monaten können die Jungvögel bereits geschlechtsreif werden. Mit vier bis fünf Monaten machen die jungen Wellensittiche die Jugendmauser durch, d.h. sie wechseln nach und nach ihr Federkleid. Die Farben können sich dabei verändern bzw. intensiver werden.

Die Entwicklung vom Ei zum erwachsenen Wellensittich habe ich mit Fotos und Videos auf der Unterseite “Vom Ei zum Welli” dokumentiert. 

nach oben