Vom Ei zum Welli

Fotoreihe und Videos über das Aufwachsen von Wellensittichküken

Die Zucht von Wellensittichen gelingt relativ leicht. Dies beginnt schon damit, dass sich Wellensittiche recht einfach verpaaren lassen. Wenn man zwei verschieden geschlechtliche Wellensittiche zusammenbringt, kann man normalerweise davon ausgehen, dass sie nach einiger Zeit ein Paar werden. Wellensittiche sind zwar eigentlich monogam, wie die meisten anderen Papageienvögel, aber bei ihnen wird das nicht ganz so eng gesehen, Fehltritte oder Umverpaarungen kommen immer wieder mal vor. Von einer zwanghaften Umverpaarung aufgrund von Farbwünschen halte ich allerdings nichts.

Die Unterscheidung der Geschlechter gelingt einem erfahrenen Züchter bereits bei Jungvögeln relativ einfach (siehe “Männlein und Weiblein“), wo bei anderen Sittichen oder Papageien oft erst DNA-Analysen erforderlich sind.

Auch gibt es meist keine Probleme, dass die Elterntiere ihre Küken alleine großziehen, auch wenn es sich um eine große Brut handelt. Sie sind dabei auch nicht sehr störungsanfällig.

Sehr positiv ist, dass man Wellensitticheier und sogar Küken im Normalfall problemlos bei anderen Elterntieren unterlegen kann, wenn bei einem Paar Schwierigkeiten beim Brüten oder bei der Aufzucht auftreten. 

Auch wenn die Wellensittichzucht somit nicht besonders schwierig ist, sollte man dennoch als Privathalter keine Experimente starten. Um gesunden und kräftigen Nachwuchs zu erhalten, ist eine optimale Zuchtvorbereitung erforderlich. Der unbedarfte Privathalter kann mit auftretenden Komplikationen, die es eben auch gibt, schnell überfordert sein.

Wer sich zum Thema Wellensittichzucht eingehender informieren möchte, dem sei mein Buch “Hobby Wellensittichzucht” (von Carola Knecht, Verlag Oertel und Spörer) empfohlen. Hier kann man es bestellen, oder auch in jeder anderen Buchhandlung. Ein bisschen Eigenwerbung, aber genau zu dem Zweck wurde das Buch geschrieben, um Einsteigern und Jungzüchtern Hilfestellung zu geben.

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Um aber allen zu ermöglichen, einmal Einblick zu bekommen in das Brutgeschehen und Aufwachsen der Küken, habe ich diese Seite erstellt. Hier gibt es Fotos und Videos vom Ei bis zum ausgewachsenen Wellensittich. Wellensittichpaare brüten oft nur dann, wenn mehrere Pärchen gemeinsam gehalten werden. Dennoch sollte man sie für die Brut trennen, da besonders die brutlustigen Weibchen aggressiv werden können. Also am besten die Brutpaare in separaten, geräumigen Brutkäfigen in Hörweite zu den anderen Wellensittichen unterbringen.

Ein Pärchen kommt in Brutstimmung, wenn ihm ein üppiges Nahrungsangebot zur Verfügung steht, genügend Licht (Taglänge mindestens 12 Stunden, evtl. durch den Einsatz einer Tageslicht- oder Vogellampe) und ein Nistkasten. Bereits einige Zeit vorher wurden die Vögel durch eine spezielle Ernährung auf ihre Aufgabe vorbereitet.

Wenn man Glück hat, nimmt die Henne den Nistkasten schnell in Besitz, in unserem Beispiel wurde nach genau einer Woche das erste Ei gelegt:

erstes_eiMit sechs Eiern war das Gelege komplett. Sechs Eier ist die “normale” Gelegegröße beim Wellensittich.

Damit die Eier auch befruchtet sind, sollte vorher das passiert sein, was uns Mausi und J.D. hier zeigen:

Tretakt

Der Geschlechtsakt beim Wellensittich wird auch als “Tretakt” bezeichnet. Der Hahn steigt dazu auf den Rücken der Henne und presst seine Kloake auf die der Henne. Dabei breitet er manchmal seine Flügel links und rechts über sie, wahrscheinlich um sich gut halten zu können. Manchmal wird dabei auch geschnäbelt.

Spätestens ab dem zweiten Ei sitzt die Henne fest auf dem Gelege. Das heißt, die Eier sind dann angebrütet und dürfen nun auch nicht mehr zu stark abkühlen, sonst stirbt das gerade entstandene Leben darin gleich wieder ab. Die Hennen verlassen ab diesem Zeitpunkt den Nistkasten nur noch zum Trinken und Kot absetzen. Gefüttert werden sie vom Hahn.

Auf dem folgenden Foto sehen wir einen Wellensittichembryo, wenige Tage vor dem Schlüpfen. Das Ei war leider von der Mutter zerstört worden. Man sieht deutlich, wie der Embryo über Blutgefäße mit dem Dottersack verbunden ist:

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Auf dem folgenden Foto sieht man deutlich, wie fertig der Embryo wenige Tage vor dem Schlupf bereits ausgebildet ist. Man erkennt nicht nur Kopf, Auge und Schnabel ganz deutlich, sondern auch bereits die Flügel und Beine. Ein Wunder der Natur! Traurig, dass es nicht leben durfte!

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Was ich auch ganz erstaunlich finde, ist die Ähnlichkeit zum menschlichen Embryo, wie dieser am Mutterkuchen hängt, auch mit Blutgefäßen verbunden, auch mit einem unverhältnismäßig großem Kopf zunächst, usw. Und das, obwohl es sich bei Wellensittichen nicht einmal um Säugetiere handelt, man also annehmen müsste, dass die Verwandtschaft zu uns gar nicht so nah ist. Dies sollte für uns Menschen ein Signal sein, Tiere einfach gut zu behandeln, denn sie sind näher mit uns verwandt, als uns oft bewußt ist!

Nun aber zurück zum normalen Brutverlauf:

Genau achtzehn Tage nachdem das erste Ei gelegt worden war, schlüpfte das erste Küken. Leider habe ich davon nur ein ganz undeutliches Foto, da es dunkel war und ich nicht groß stören wollte. Das Interesse der Vögel geht vor den Interessen der Internetseite :-)

Netterweise hat mir aber eine Züchterkollegin ein tolles Video zur Verfügung gestellt, auf dem man sieht, wie ein Wellensittichküken gerade schlüpft:

Ein schönes Foto gab es dann bei mir zwei Tage später. Das zweite Küken ist geschlüpft, das erste Küken ist in seinen ersten beiden Lebenstagen bereits erkennbar gewachsen:

zwei_kuekenJeweils im Abstand von zwei Tagen, wie auch die Eier gelegt worden sind, schlüpfen die Küken. Auf dem folgenden Foto sieht mal allerdings nicht wirklich, dass es schon vier sind… :-)

img_1864Es ist eine enorme Leistung von der Henne, dass sie die verschieden alten Küken jeweils altersgerecht nach Bedarf füttert. Das jüngste Küken wird stets zuerst gefüttert und erhält die dünnste Nahrung. Solange die Kleinen den Kopf noch nicht heben können, dreht die Henne die Küken zum Füttern auf den Rücken. 

Auf dem folgenden Foto ist das größte Küken bereits eine Woche alt, alle fünf Küken sind geschlüpft, das Ei, was noch dabeiliegt, war nicht befruchtet:

1103112Auf dem folgenden Video der Wellensittichküken ist das Älteste bereits 15 Tage alt:

Hier noch ein Video mit den Wellensittichküken, das Älteste ist 16 Tage alt:

Auch auf dem folgenden Foto ist das älteste Küken 16 Tage alt, das jüngste Küken mit 8 Tagen ist genau halb so alt:

1903111Man erkennt ganz deutlich den Altersunterschied zwischen den Küken, das kleinste ist noch so gut wie nackt, während man beim größten schon erkennen kann, dass es mal ein Wellensittich werden soll.

1903112Zum Reinigen des Nistkastens werden die Jungen herausgenommen. Hier sieht man die beiden Ältesten.

Auf dem folgenden Foto ist das älteste Küken 17 Tage alt:

200311Es ist immer noch wichtig, dass Küken und Eltern überwiegend ungestört bleiben, deshalb wird nur eine einzige Kontrolle mit Nistkastenreinigung pro Tag durchgeführt. Jedes Küken wird dabei gründlich durchgecheckt, besonders werden der Schnabel und die Füßchen in Augenschein genommen und wenn nötig mit lauwarmem Wasser gereinigt, damit keine Verwachsungen entstehen. Auch sonstige Verunreinigungen werden vorsichtig entfernt. Besonders mit den neu gewachsenen Federkielen muss man Vorsicht walten lassen. Verletzungen können üble Folgen fürs Leben haben.

2203111Auf dem Foto oben ist das älteste Welliküken jetzt bereits 19 Tage alt. Auf dem Foto unten sind es 21 Tage, also genau drei Wochen. Das kleinste hingegen ist noch nicht ganz zwei Wochen:

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Auf dem folgenden Foto ist das kleine Geierchen genau zwei Wochen, zu sehen in der Hand meiner Tochter:

2503113Vom gleichen Tag hier noch ein Video mit den Wellensittichküken:

Da ist doch schon ganz schön Leben in der Bude!

Auf dem nächsten Foto sehen wir ein 18 Tage altes Küken:

2903117Und auf dem nächsten ein zwei Tage älteres Geschwisterchen, also 20 Tage alt:

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Mit 26 Tagen sieht das Küken schon aus wie ein “richtiger Wellensittich”:

2903111Wenn die Küken einen Monat alt sind, verlassen sie auch schon mal den Nistkasten und versuchen sich am Fressen. Es dauert jedoch noch einige Zeit, bis sie wirklich futterfest sind und von den Eltern nicht mehr zugefüttert werden müssen.

kleine_ueben_fressenFoto: Kleine Wellensittiche üben das Fressen

Sehr schnell nach dem Ausfliegen können die Jungvögel dann auch bereits richtig fliegen. Schon mit vier bis fünf Wochen drehen sie beachtliche Runden durch das Zimmer oder durch die Voliere. Wenn man also einen Abgabevogel angeboten bekommt, der nicht richtig fliegen kann, kann man davon ausgehen, dass mit diesem etwas nicht stimmt. Am jugendlichen Alter liegt es nicht!

fluegelFoto: Der Flügel eines fünf Wochen alten Wellensittichs, voll funktionsfähig!

Im folgenden Video sieht man, wie ein junger Wellensittich, auch nachdem er ausgeflogen ist, vom Vater noch gefüttert wird:

Man sieht deutlich, wie der Vater (blau) immer wieder Futter hochwürgt, um den Jungvogel zu füttern. Die Jungen müssen noch bis etwa zwei oder drei Wochen nach dem Ausfliegen zugefüttert werden (je nachdem wie früh sie ausfliegen). So mit sieben, acht Wochen fressen sie dann selbständig und können von den Eltern getrennt werden. Die Eltern reagieren dann mitunter sogar recht aggressiv auf die flügge gewordenen Jungen, so dass bei einer Haltung in Käfigen oder Zuchtboxen die Jungtiere dann oft schnell von den Eltern separiert werden müssen und in einen eigenen Käfig umziehen. Dann ist auch die Zeit gekommen, dass Jungtiere zu ihren neuen Besitzern umziehen können! Normalerweise kann man dann auch schon das Geschlecht erkennen, wobei immer auch ein paar Zweifelsfälle dabei sind, die sich so früh noch nicht zuordnen lassen wollen oder wo sich die Nasenhaut nochmal umfärbt.

junge_vor_auszugLetztes gemeinsames Foto der jungen Wellensittiche vor dem Auszug

Das Beringen

Beringen kann man die Wellis auf zweierlei Weise: Entweder mit geschlossenen Ringen, dann muss man den Ring am 7. bis 9. Lebenstag über das Füßchen ziehen, sonst geht es nicht mehr. Oder mit offenen Ringen, das kann man immer. Obwohl ich Mitglied in einem Verband bin, der geschlossene Ringe ausgibt (Vereinigung für Artenschutz, Vogelhaltung und Vogelzucht AZ e.V.), beringe ich mit den offenen Ringen des Zentralverbandes zoologischer Fachbetriebe e.V., da ich die offenen Ringe einfach praktischer finde. Da ich eh nicht ausstellen möchte, ist es egal.

Hier zeige ich mal, wie das Anziehen der offenen Ringe mithilfe einer Ringzange vor sich geht:

Auf dem folgenden Foto sehen wir die Ringzange und den Ring:

201111271Der Ring passt genau oben auf die Ringzange drauf, er hat eine Stelle, an der er nicht ganz geschlossen ist, und wird so mithilfe der Ringzange auseinandergebogen:

201111272Die Öffnung muss so groß werden, dass das Beinchen des Wellis durchpasst. Danach wird der Ring in die runde Öffnung der Ringzange eingelegt, und zwar so, dass die Öffnung nach oben schaut:

201111273Danach wird der Fuß des Wellensittichs in diese Öffnung hineingezogen. Am besten ist man zu Zweit, einer hält den Wellensittich fest, der andere bedient die Zange. Zum Zeigen habe ich einfach mal den Stiel einer Kolbenhirse eingefädelt:

201111274Danach drückt man mit der Zange den Ring vorsichtig zu, so dass er locker um das Beinchen sitzt:

201111275Die Beringung von Wellensittichen ist nicht mehr Pflicht. Ob eine solche Kennzeichnung als sinnvoll empfunden wird oder nicht, entscheidet jeder Züchter selber. Zu beringen sind nur noch Papageien und Sittiche, die unter entsprechendem Artenschutz stehen (Artenschutzringe).

Artikel zum Thema Artenschutzbestimmungen.

Einen Artikel zum Thema Koloniebrut findet ihr hier.

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