Zahm im Schwarm

Warum “zahm im Schwarm” und nicht einfach nur “zahm”?

Man hört oder liest bisweilen immer noch das Gerücht, dass Wellensittiche nur zahm werden, wenn sie alleine gehalten werden. Dass das nicht stimmt, sieht man an vielen, vielen Wellensittichen, die paarweise oder im Schwarm gehalten werden, unter anderen auch an meiner Bande.

zahmer_schwarm

Dass die Einzelhaltung von Sittichen und Papageien Tierquälerei ist, hat sich bei den meisten Haltern herumgesprochen. Dennoch gibt es immer noch Vorbehalte, ob Wellensittiche, die zu mehreren gehalten werden, überhaupt zahm werden können. Um diese Vorbehalte auszuräumen, habe ich auf dieser Seite verschiedene “Beweisvideos” von meinem zahmen Schwarm eingebaut:

Eine ganze Reihe Papageienvögel lassen sich nur paarweise halten, da sie in Gruppenhaltung aggressiv gegen Artgenossen reagieren. Dies gilt zum Beispiel für Pennantsittiche, Rosellasittiche, aber auch für Mohrenkopfpapageien und Goldbugpapageien. Das Schöne bei der Haltung von Wellensittichen ist, dass sie sich problemlos in kleinen oder großen Schwärmen halten lassen, zumindest so lange, wie keine Nistkästen angeboten werden. Es ist sogar so, dass die Schwarmhaltung wesentlich interessanter als die Paarhaltung ist. Erst ab einem Kleinschwarm von vier Tieren leben Wellensittiche richtig auf. Während man paarweise gehaltene Wellensittiche häufig nicht mal groß zum Freiflug außerhalb des Käfigs bewegen kann, geht bei Kleinschwärmen meist richtig die Post ab! Ich empfehle daher allen Haltern, sich lieber einen kleinen Wellensittichschwarm zuzulegen, als nur ein Pärchen. Wellensittiche blühen im Schwarm richtig auf!

Werden sie dann aber auch zahm?

Nach meiner Beobachtung ist es so, dass Wellensittiche, die zu mehreren gehalten werden, mutiger sind (“gemeinsam sind wir stark”). Außerdem guckt sich einer auch mal etwas vom anderen ab. Dazu kommt dann noch der Futterneid, so nach dem Motto: Wenn ich jetzt nicht ganz schnell bei der Kolbenhirse bin, frisst mein Nachbar mir alles weg! Wichtig ist aber auch ein ruhiger, sicherer Umgang mit den Tieren. Ohne Hektik und mit viel Geduld. Man sollte sich nicht innerlich aufgewühlt und gestresst mit den Vögeln beschäftigen, sondern nur wenn man selber ruhig und ausgeglichen drauf ist und so eine gewisse Ruhe und Sicherheit ausstrahlt. Das macht meiner Erfahrung nach wirklich einen Unterschied!

zweiaufseilFoto: Gemeinsam macht das Leben mehr Spaß!

Es ist so offensichtlich, dass Wellensittiche auch im Schwarm zahm werden, ich habe mir überlegt, wie dieses blöde Vorurteil überhaupt entstehen konnte. Von meinem Erlebnishorizont her würde ich folgendes vermuten: In den siebziger Jahren, als ich ein Kind war, wurden Wellensittiche und Nymphensittiche zumeist einzeln gehalten. Die Vögel wurden in der Regel leicht zahm.

Eine andere beliebte Kleinpapageienart waren damals die “Unzertrennlichen”, Agaporniden. Bei diesen war klar, aufgrund ihres Namens, die musste man paarweise halten. Nun werden ja Agaporniden nicht so leicht zahm, sie haben ein ganz anderes Wesen als Wellensittiche. Möglicherweise haben da manche den falschen Schluss gezogen: Vogel-allein-zahm, Vogel-zu zweit-nicht zahm.

Etwas später, als sich dann so langsam herumsprach, dass Wellensittiche Schwarmtiere sind und Gesellschaft brauchen, haben sich manche Menschen auch zwei Wellensittiche angeschafft. Das waren zumeist Leute, die wenig zu Hause waren und daher dem Vogel Gesellschaft gönnten, damit er sich nicht alleine langweilen muss. Da die Leute aber nicht viel zu Hause waren, hatten sie folglich auch nicht so viel Zeit, sich mit ihren Vögeln zu beschäftigen. Die Wellensittiche wurden somit auch nicht zahm. Und wieder wurde der falsche Schluss gezogen: Wellensittich-allein-zahm, Wellensittich-zu zweit-nicht zahm.

Möglicherweise gibt es auch andere Erklärungen, so jedenfalls waren meine persönlichen Beobachtungen. Tatsächlich ist es so, dass man sich mit zwei oder mehreren Vögeln schon relativ eingehend beschäftigen muss, dass sie zahm werden. Wenn sie nur so nebenher laufen, beschäftigen sie sich eben miteinander und wollen vom Menschen auch nicht viel wissen. Der Einzelvogel dagegen ist, mangels Partner, auf die menschliche Gesellschaft eher angewiesen und kommt daher vielleicht (je nach Charakter des Einzeltiers) von sich aus schon mehr auf den Menschen zu. Wobei das “Eingehend beschäftigen” mit dem Wellensittichschwarm nicht bedeutet, dass man stundenlang Kontakt zu den Vögeln haben muss. Ich bin berufstätig, und von daher nicht den ganzen Tag um die Vögel herum. In meiner Freizeit widme ich ihnen dann immer mal wieder ein paar Minuten. Meiner Erfahrung nach ist es besser, sich öfter und kurz mit den Vögeln zu befassen als einmalig und lange.

201112102Foto: Mausi und Jamie auf meiner Schulter

Fehlgeprägte Einzelvögel

Wenn Wellensittiche einzeln gehalten werden, suchen sie sich meist einen Ersatzpartner für ihr Sexualleben. Das kann ein Spiegel sein, ein Plastikvogel, oder, bei zahmen Vögeln, eben auch der Mensch. Die Wellensittiche versuchen diesen Ersatzpartner zu füttern und zu besteigen, wollen sich mit ihm paaren. Das geht natürlich nicht und führt zu Frustration. Andere Papageienarten, z.B. Amazonen, neigen bei einem solch frustrierenden Sexualleben zu Aggressivität. Unsere bescheidenen und pflegeleichten Wellensittiche führen vordergründig ein relativ normales Leben, immer bemüht um die Gunst “seines” Menschen, aber dass dieses Leben nicht wirklich artgerecht und etwas armselig ist, ist leicht zu erkennen. In den allermeisten Fällen ist es zum Glück nicht sonderlich schwer, einem Wellensittich jeden Alters einen Partnervogel zuzugesellen. Schwierig werden kann die Vergesellschaftung jedoch bei sogenannten Handaufzuchten, also Vögeln, die als Jungvogel aus dem Nistkasten genommen wurden und per Hand, getrennt von ihren Artgenossen, aufgezogen wurden. Diese Vögel haben nie wirklich gelernt, wie sich ein Wellensittich verhält. Handaufzuchten sollten daher nur wirklichen Notfällen vorbehalten sein. Handaufzuchten, um besonders zahme Tiere zu bekommen, sind abzulehnen, da es sich letztlich nicht um besonders zahme, sondern um fehlgeprägte, also gestörte Tiere handelt. Um diesen Preis möchte ich zumindest kein zahmes Tier haben! Dazu muss man auch wissen, dass gerade bei Wellensittichen Handaufzuchten später nicht unbedingt die zahmsten Tiere sind, sondern spätestens mit der Geschlechtsreife zu Problemtieren werden. Da ihnen jeglicher Respekt vor der menschlichen Hand fehlt entwickeln sie sich später oft zu Beißern.

0104112Foto: Behutsames Kennenlernen der menschlichen Hand

Sprechen lernen

Viele Wellensittichbesitzer möchten gerne einen sprechenden Vogel haben. Auch das gehe angeblich nur in Einzelhaltung. Doch warum lernen Wellensittiche überhaupt sprechen? Wellensittiche sind soziale Tiere. Wildlebende Wellensittiche haben in ihrem Schwarm, mit dem sie zusammenleben, eine gewisse Klangfarbe, in der sie miteinander kommunizieren. Kommt ein neues Mitglied zu diesem Schwarm dazu, so wird er sich in relativ kurzer Zeit dieser Klangfarbe anpassen. Das heißt, innerhalb einer Gruppe “zwitschern” alle Wellensittiche ähnlich. Sie haben dazu von Natur aus ein gewisses Nachahmungstalent. Nun ist es natürlich schon so, dass Wellensittiche, die einzeln gehalten werden und somit sozusagen nur Menschen im Schwarm haben, eher diese menschlichen Laute nachahmen, als Wellensittiche, die die anderen Vögel als ihren Schwarm betrachten können und den Menschen nur irgendwie als netten Futtergeber akzeptieren. Es kommt aber auch bei Schwarmhaltung immer wieder vor, dass Wellensittiche andere Geräusche nachahmen, die sie oft hören. Einer meiner Wellensittiche ahmt zum Beispiel einen Wildvogel, der bei uns im Garten oft zu hören ist, täuschend echt nach. Wer also den Ehrgeiz hat, seinen Wellensittichen das Sprechen beizubringen, sollte ihnen einfach immer wieder dasselbe Wort vorsprechen, am besten mit relativ hoher Stimme, was für die Vögel leichter zu imitieren ist. Vielleicht klappt es. Und wenn nicht, ist das sicher auch kein Weltuntergang!

Das nächste und übernächste (weiter unten) Video zeigt, dass ich keinen Kescher brauche, um meine Wellensittiche herauszufangen:

Werden Männchen zahmer als Weibchen?

Ab und zu hört man, dass männliche Wellensittiche sich leichter zähmen lassen als weibliche. Diese Beobachtung habe ich nicht gemacht. Ich kenne und kannte eine ganze Reihe sehr zahmer Wellensittichhennen.

marinis_henneFoto: Die zahme Wellensittichhenne “Rokki”

Das “Probem” bei Hennen ist, dass sie, zumindest in erwachsenem Alter, einen härteren Schnabel haben als Hähne, da sie in der Wildnis für das Aushöhlen der Nisthöhle zuständig sind. Man merkt den Hennen meist auch einen stärkeren Nagetrieb an. Das hat man am eigenen Finger nicht so gerne!

Wie zähmen?

Wie sollte man nun also vorgehen, um scheue Wellensittiche zahm zu bekommen? Ich mache es so, dass ich neuen Vögeln zunächst im Käfig nach und nach verschiedene Futtersorten anbiete, damit sie es in Ruhe kennenlernen und auf den Geschmack kommen, und damit ich beobachten kann, worauf sie richtig wild sind (meine lieben zum Beispiel frisches Basilikum!). Genau dieses Futter gibt es dann nur noch aus der Hand, als Leckerchen. Bei den meisten Wellensittichen wird rote Kolbenhirse sehr gerne genommen, das verrate ich schon mal :-). Es kann sein, dass es eine Weile dauern wird, mit Vögeln braucht man ein bisschen Geduld, aber über kurz oder lang wird einer der Wellis sich trauen und zum Probieren kommen. Wenn dieses Aus-der-Hand-Fressen zur Selbstverständlichkeit geworden ist, geht man mit der Hand so weit vom Vogel weg, dass er auf die Hand hüpfen muss, bis er ans Fressen kommt. Dies kann allerdings wieder ein bisschen dauern. Bei manchen Vögeln macht man bessere Erfahrungen, wenn man mit der Hand nach und nach näher zum Tier hingeht und dann, wenn es geduldet wird, leicht den Bauch berührt, und den Vogel so zum Aufsteigen auf die Hand bewegt. Das muss man einfach ausprobieren. Wenn die Vögel es gewohnt sind, auf der Hand zu sitzen, muss man eigentlich nicht mehr viel machen, sie werden dann mit der Zeit von alleine immer frecher!

Am besten macht man solche Zähmungsaktionen, wenn die Vögel beim Freiflug im Zimmer unterwegs sind. Dann haben sie die Möglichkeit, wegzufliegen, wenn ihnen etwas zu viel ist. Sie im Käfig zu bedrängen ist meist kontraproduktiv. Zähmen hat immer auch etwas mit Freiwilligkeit zu tun!

Bei manchen Wellis bringt es auch was, sich z. B. am Tisch ganz intensiv mit etwas zu beschäftigen und sie nicht zu beachten. Wenn sie sich schon sicher genug fühlen, kann sein, sie kommen von ganz alleine angeflogen. Wenn sie noch ein bisschen unsicher sind, kann eine auf dem Tisch etwas abseits liegende Kolbenhirse vielleicht Wunder wirken… Letztlich ist jeder Welli anders, als Halter kennt man seine Tiere am besten und kann abschätzen, was wirkt. Oder einfach mal verschiedene Sachen ausprobieren!

Eine gute Möglichkeit, den Wellensittichen die Angst zu nehmen und Vertrauen zu schaffen, stellt auch das Clickertraining dar.

Einzeln vorzähmen?

Manchmal erhält man den Rat, sich zunächst einen Wellensittich anzuschaffen und erst wenn dieser zahm ist einen zweiten Vogel dazuzunehmen. Dieser Vorgehensweise liegt wieder der Gedanke zugrunde, dass sich ein einzelner Vogel leichter zähmen lässt. Dem kann ich nur widersprechen. Zwei Vögel geben sich gegenseitig Mut und Selbstvertrauen, sie sind draufgängerischer, fröhlicher und neugieriger. Wenn man sich junge Vögel direkt vom Züchter holt, ist es für diese schon eine Riesenumstellung, aus einem Schwarm heraus plötzlich nur noch zu zweit zu sein. Aber die Vögel haben sich wenigstens gegenseitig. Einen Wellensittich alleine aus einem Schwarm herauszuholen, bringt den Vogel in eine wirklich traurige Situation, die ich keinem Tier zumuten wollte. Und es ist wirklich gar nicht nötig! Man muss nicht erst ein Tier so plagen, um nachher zwei zahme Vögel zu haben, sondern man kann ganz gut mehrere Tiere auf einmal zähmen bzw. an sich gewöhnen. Und zwar mit viel Spaß für Mensch und Tier!

Besser nestjung?

Ist es wirklich so wichtig, möglichst junge Vögel zu kaufen, um möglichst zahme Vögel zu bekommen? Natürlich kann man Wellensittiche, die ganz jung sind, leichter an Menschen gewöhnen als erwachsene Tiere. Dies muss aber nicht unbedingt beim endgültigen Besitzer passieren, sondern kann auch vom Züchter übernommen werden. Wenn sich also der Züchter viel mit den Vögeln beschäftigt, sie an seine Hand gewöhnt usw., sind sie nachher auch beim Besitzer zutraulicher und eher unerschrocken. Das Problem ist, dass junge Wellensittiche eine Art Kükenzahmheit haben, die sich mit dem Selbständigwerden (so um die siebte oder achte Woche herum) verflüchtigt. Dies ist beim Zähmen eine kritische Phase. Wenn man sich gerade in der Zeit nicht intensiv mit dem Vogel beschäftigt oder der Vogel in der Zeit schlechte Erfahrungen macht, kann es sein, dass die vorher vorhandene Zahmheit wieder enorme Rückschritte macht bis ganz verschwindet. 

Zu zahm?

Ich warne Sie: Es ist nicht immer nur ganz lustig, zahme Vögel zu haben! Furchtlos erobern sie Computertastaturen, wenn wir etwas Wichtiges zu schreiben haben, sie stürmen den Esstisch, wenn wir in Ruhe essen wollen, sie attackieren unsere Brille, zupfen an unseren Haaren, knabbern an Ohrringen oder sonstigen Piercings und stellen auch sonst allerlei Unsinn an, der uns nicht immer erfreut. Manche Wellis wollen ihren Besitzern gar nicht von der Seite weichen und überall mitmischen. Natürlich kann man die Vögel auch mal zwei Stunden im Käfig lassen, wenn man ungestört sein möchte, aber den Großteil des Tages sollten sie doch Freiflug genießen, was auch bedeutet, dass sie an unserem Leben teil nehmen, und das tun sie nun mal auf ihre eigene unnachahmliche Weise!

“Liebesbisse”

Bei zahmen Vögeln bleibt es nicht aus, dass man ab und zu mit ihren kleinen, aber festen Schnäbelchen Bekanntschaft macht. Der Schnabel ist für den Vogel so etwas wie die dritte Hand, er wird zum Tasten, Festhalten, Verteidigen und zu allerlei anderen Tätigkeiten benutzt. Will man den Vogel berühren, z.B. um ihn zu kraulen, ist es bei manchen Vögeln angebracht, zur Kontaktaufnahme zunächst den Schnabel zu berühren und sich von da aus zur gewünschten Körperregion vorzutasten. Auch die Vögel prüfen oft erst mit dem Schnabel unsere Hand, ehe sie draufsteigen. Beim Spielen, sowohl mit anderen Wellensittichen als auch mit unserer Hand, wird der Schnabel oftmals nicht gerade zimperlich eingesetzt. Das hat aber nichts mit dem Beißen gemeinsam, was ein nicht-zahmer Vogel zeigt, wenn er eingefangen wird und sich wehrt, was wirklich enorm schmerzhaft ist und zu bösen Wunden führen kann. Wirklich angenehm sind solche Liebesbisse natürlich trotzdem nicht und können durchaus zu Verletzungen führen.

Meine weiße Henne ist zwei Wochen, nachdem ich sie gekauft habe, zum ersten Mal auf meinen Arm gestiegen. Ich hatte nur ein T-Shirt an und sie hat erst ausgiebig die Haut getestet, bevor sie endgültig den Sprung auf den Arm gewagt hat. Ich war ja glücklich, dass dieser wilde Vogel (sie kam aus einer großen Gemeinschaftsvoliere mit wenig Kontakt zum Menschen) bereits nach so kurzer Zeit so viel Vertrauen zu mir gefasst hatte, und habe deshalb stillgehalten. Natürlich hatte ich nachher schöne Schnabelabdrücke auf dem Arm, aber was tut man nicht alles, um das Vertrauen seiner Vögel zu gewinnen!

Wenn Vögel (gerade Hennen neigen dazu) immer wieder mal fest zubeißen, kann man sich ganz einfach mit einem Handschuh schützen. Empfehlenswert sind Reithandschuhe aus Wildleder. Denn auch “Beißerinnen” können richtig zahm werden, ist doch schade, wenn man dann nicht zulassen kann, dass sie auf der Hand landen, nur weil es sie hin und wieder mal überkommt und sie beißen müssen. Oftmals verliert sich das Beißen dann mit der Zeit, wenn sie den Menschen besser kennengelernt haben und wissen, dass das Leckere nicht der Mensch, sondern höchstens die von ihm mitgebrachte Hirse ist :-). Der Handschuh kann aber übrigens auch gute Dienste tun, wenn man nicht ganz so zahme Tiere in die Hand nehmen muss, z.B. weil sie behandelt werden müssen. Es erfordert zwar mehr Vorsicht, da man nicht ganz so viel Gefühl hat, man ist aber vor möglichen Beißattacken besser geschützt. In solchen Fällen verwende ich aber dunkelfarbige Handschuhe, so passiert es auch nicht, dass die Vögel nach dem Herausfangen plötzlich Angst vor meiner Hand haben. Denn offensichtlich waren die Hände, die den Vogel festgehalten haben, ganz andere, als die, die sich ihm sonst freundlich nähern…Cool

flockeaufhandschuhFoto: Bei beißwütigen Tieren tun Handschuhe gute Dienste!

Warum überhaupt zähmen?

Es ist nun mal so, dass die meisten Menschen zu zahmen Vögeln ein ganz anderes Verhältnis aufbauen als zu nicht zahmen. Es ist schon ein Unterschied, ob man die Vögel nur beobachten kann, oder ob man tatsächlich selber mit ihnen in Kontakt treten kann (und sie mit uns!). Es ist schön, wenn die Wellensittiche Vertrauen zu uns haben, auf unserer Hand oder unserem Kopf landen, uns aus der Hand fressen oder frech an der Brille knabbern.  Wer seine Wellensittiche liebt, zögert auch nicht, schnell zum Tierarzt zu gehen, wenn mal etwas nicht stimmt. Man ist bereit, in die Gesundheit und das Wohlergehen seiner Lieblinge zu investieren. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber es ist menschlich, dass uns die Vögel je wichtiger sind, je näher wir uns ihnen fühlen. Wellensittiche sollen kein Einrichtungsgegenstand sein, der schön zu betrachten ist, aber ansonsten so nebenher läuft, sondern Teil der Familie werden. 

Zudem ist auch der Umgang im Alltag mit zahmen Wellensittichen wesentlich einfacher als mit wilden. So kann zum Beispiel ein Tierarztbesuch mit einem Vogel, der sich anfassen lässt, wesentlich stressfreier durchgeführt werden.

Aber Achtung: Wie zahm ein Wellensittich wird und ob überhaupt, ist letztlich immer Charaktersache. Wellensittiche sind nun mal sehr charaktervolle Vögel, jeder hat seinen eigenen Kopf und sein eigenes Wesen. Vor Überraschungen ist man da nie sicher, aber das ist ja auch das Schöne! Wellensittiche sind niemals langweilig!

Achtung: Wie man seine Wellensittiche am besten zähmt, könnt ihr auch hier nachlesen!

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